Saint Joseph Blanc Les Granits 2021

Chapoutier

Saint Joseph Blanc Les Granits 2021

BIO

exotisch & aromatisch
voll & rund
97–98
100
2
Marsanne 100%
5
weiß
13,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2044
Verpackt in: 6er OHK
3
Lobenberg: 97–98/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Saint Joseph Blanc Les Granits 2021

97–98
/100

Lobenberg: Die Marsanne ist mit ihrem leichten Bitterstoff auf jeden Fall sehr präsent in diesem Wein. Die Sorte hat wenig Säure, aber von Haus aus gute Phenolik, Schärfe und Bitterstoff. Das ist der Grund, warum die Nordrhône mit ihren Marsannes so genial ist. Die Säure wird ersetzt durch Tannin und Bitterness. Das macht die Balance. Die Nase des 2021er Les Granits zeigt sehr viel Quitte neben hellem Apfel und heller Birne. Dazu Zitronengras und feine weiße Blüten. Aber Power schon in der Nase. Ein sehr schöner grünlicher Touch von der Reduktion, das macht den Wein hochspannend. Im Mund kommt 2021 mit einer erstaunlichen Frische für Marsanne. Geniale Aromatik – auch hier wieder weiße Blüten, weiße Früchte, weißer Weinbergspfirsich. Hochintensiv! Dahinter Nüsse, helle weiße Schokolade, Zitronengras und eine leichte Schärfe von weißem Pfeffer. Der Wein tänzelt auf der Zunge mit seiner hohen Aromatik und seinem Druck. Er ist aber weit entfernt davon, fett oder dick zu sein, er bleibt balanciert und spielerisch. Extrem schick! Der Abgang steht für Minuten. Und nochmal: Trotz der geringen Säure der Marsanne, hat der Wein eine enorme Frische. Fast eine Blumenfrische aus dieser weißen Blüte. Es ist Granit, aber es erinnert an Kalkstein – schön salzig und genial verwoben! Hedonistisch für Minuten stehend mit seinen reduktiven Noten und seinem Bitterstoff. Eine Köstlichkeit, allerdings für den erwachsenen und erfahrenen Weißweintrinker, denn der Wein hat richtig Struktur. Sehr, sehr schick und groß in seiner Ausprägung. 97-98/100 *** Les Granits stammt aus einem Teil der berühmtesten Lage von Saint-Joseph: Lieu-dit Saint-Joseph. In der Vergangenheit wurden auch Trauben aus anderen Einzellagen für diesen Wein gelesen, mittlerweile kommen sie aber zu 100 Prozent aus dem Lieu-dit Saint-Joseph. Die Reben sind zwischen 40 und 70 Jahre alt. 100 Prozent Marsanne. Chapoutier liebt diese Rebsorte und man möchte auch nicht den Terroirausdruck durch den Blend verschiedener Sorten überdecken. Marsanne spiegelt das Terroir einfach perfekt wider. Die Trauben werden im Weingut direkt abgepresst, anschließend wird der Most im 600 Liter Demi-muid spontan vergoren, auch der elfmonatige Ausbau finden in diesen Fässern statt, zehn Prozent neues Holz, 90 Prozent Zweit- und Drittbelegungen. Keine Bâtonnage, keine Filtration. In jungen Jahren ist das Holz noch etwas spürbar, im trinkreifen Stadium nach fünf bis zehn Jahren ist es nicht mehr zu spüren.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Chapoutier

Seit der Gründung im Jahre 1808 hat jede Generation aus dem Hause Chapoutier auf eigene Weise dazu beigetragen, ihre Weine zu weltweiten Spitzenprodukten zu entwickeln. Das größte bisheriges Wagnis war die komplette Umstellung der Produktion der Einzellagen auf biodynamischen Weinanbau. Hier wacht...