Lobenberg: Die Reben stehen an einem Osthang und sind 1963 gepflanzt, also 60 Jahre alt. Ein Ost-Hang, der auch bei niedrigem Mostgewicht reife Trauben hervorbringt, was perfekt ist für Sekt-Grundwein. Ausbau des Grundweins in einem 1200 Liter Stückfass. Alles spontan vergoren. In der neuen VDP-Kategorie Prestige muss der Sekt mindestens 3 Jahre auf der Hefe liegen, also wie bei Vintage-Champagner. In diesem Fall sind es rund 4 Jahre. Der Silvaner Brut Nature von May ist bisher der erste und einzige Silvaner-Sekt, der in der Kategorie VDP.Prestige Sekt die sensorische Zulassung erhalten hat. Es ist nicht ganz einfach aus Silvaner einen Sekt zu keltern, weil die Sorte so viel Pektin in den Schalen hat, also sehr zäh ist. Vor allem, wenn man sie früh liest für Sekt ist das eine Herausforderung, aber natürlich keine, die die Silvaner-Spezialisten Mays nicht lösen könnten. Extrem lange Presszeit über einen halben Tag mit einem speziellen Pressprogramm. 1 Gramm natürliche Restsüße, knackig trocken, keine Dosage. Keinerlei Schwefelgabe, auch nicht beim Degorgieren, also ein Brut Nature Nature quasi. Natürlich früh gelesen in 2018, Anfang September. Die Trauben werden angequetscht, weil es nicht anders geht beim Silvaner und sanft abgepresst, nur der Vorlaufsaft wird verwendet. Viel Williamsbirne in der Nase, Wiesenkräuter, Heu, Sommerapfel, Zitronengras, auch dunkle Bauernbrotkruste. Der Mund kommt krachend, aber May-typisch natürlich auch sehr harmonisch und cremig, überhaupt nicht spitz, obwohl er so trocken ist. Karg in der Mineralität und Steinigkeit, aber nicht in der Textur. Er hat in 2018 sogar noch etwas mehr Generösität als 2017. Die feine Animation aus den Kräutern verleiht dem Sekt einen genialen Trinkfluss, macht nie satt, läuft und läuft. Dennoch eine sehr spezielle Aromatik, total anders als Riesling- oder Chardonnay-Sekt und daher eine Horizonterweiterung und Bereicherung für unser Programm. Was für ein genialer Stoff! 95+/100