Riesling Saumagen 2021

Karsten Peter: Riesling Saumagen 2021

Zum Winzer

96–97+
100
2
Riesling 100%
5
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2046
Verpackt in: 6er
9
mineralisch
frische Säure
3
Lobenberg: 96–97+/100
6
Deutschland, Pfalz
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Saumagen 2021

96–97+
/100

Lobenberg: Karsten Peters Interpretation der dank Koehler-Ruprechts Bernd Philippi wahrscheinlich berühmtesten Lagen der Nordpfalz. Karsten holt einen Teil dieses Weines aus den Gewannen in Nil in Ostexposition und Kirchenstück auf Terra Rossa-Boden. Also nicht im südexponierten Kernstück, sondern den etwas kühleren Randbereichen. Man riecht ins Glas und spürt sofort: Saumagen! Diese intensive, karge Kreidigkeit, die fast an Blanc de Blancs-Champagner erinnert in dieser Puristik. Alles läuft über helles Gestein, Limettensaft, weißfleischige, grüne Birne, Mandarine und roter Apfel, spannende Aromatik, sehr lang, sehr intensiv. Die Augen ziehen sich zusammen, irre Mineralausdruck, die Säuren spielen mit der Zunge. Sehr straff, mit klirrender Mineralität, aber auch der satten Power des Saumagens. Die Salzigkeit setzt sich auf der Zunge fest und sorgt mit der saftig-pikanten grünen Frucht für einen brillanten, trinkanimierenden Fluss. Aus dem Stand ein Saumagen in der ersten Reihe dieser Lage, alle Achtung. Wir wissen ja von Gut Hermannsberg, dass Karsten zu den besten Rieslingwinzern Deutschlands zählt, aber dass er seine Heimat die Pfalz mit einer ähnlichen Puristik und Klarheit auf die Flasche bringt wie die extrem steinige Nahe ist schon verblüffend. Dieses Teil hat schon einen irren Zug und so viel steinige Struktur im Nachhall, dass man meint einen Kallstadter Kalksteinbrocken im Mund zu finden. Superb, als Erstlingswerk geradezu herausragend! Und stilistisch klar näher an Rings als an Koehler-Ruprecht. Sich mit dem Lagenwein direkt auf dem höchsten GG-Niveau der Pfalz einzupendeln ist ein starkes Statement, aber bei Karsten Peter bin ich darüber nur milde überrascht. 96-97+/100

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

Mein Winzer

Karsten Peter

Karsten Peter ist ein Wandler zwischen den Welten, sein steter Begleiter ist dabei der Riesling – aber eben nicht nur! Als Mastermind hinter den Weinen von Gut Hermannsberg hat er den Kultbetrieb wieder zu alter Größe geführt, nun startet er zusätzlich auf seinem Familienweingut in der Pfalz durch.

Riesling Saumagen 2021