Philipp Kuhn

Riesling Philippsbrunnen (Versteigerungswein) Großes Gewächs trocken 2018

mineralisch
unkonventionell
100
100
2
Riesling 100%
5
weiß
12,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2058
Verpackt in: 6er
3
Lobenberg: 100/100
Elias Schlichting: 98–100/100
Parker: 95+/100
6
Deutschland, Pfalz
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Philippsbrunnen (Versteigerungswein) Großes Gewächs trocken 2018

100
/100

Lobenberg: Das erste Kuriosum ist, dass dieser Wein von Philipp Kuhn tatsächlich Philippsbrunnen heißt, das hat er sich nicht ausgedacht, sondern das ist tatsächlich eine uralte Lage, eine kleine Nachbarparzelle des Schwarzen Herrgott im Zellertal. Die Lage hat insgesamt nur 2 Hektar und Philipp besitzt davon einen dreiviertel Hektar in „Steillage“ (haha, Pfalz). Unterhalb des über 650 Meter hohen Donnersberg gelegen, auf reinem Kalkstein. Das ist im Grunde ein blauer Kalkmergel, nochmal kühler als der tertiäre Kalk im Schwarzen Herrgott. Eine Süd-Südost-Exposition auf einen grundsätzlich aber recht rauen, kargen, steinigen Land da oben auf der Kuppe. Der Name der Lage kommt von einem dort im 12. Jahrhundert als Eremit lebenden Mönch namens Philipp. Dieser Wein wird ein reiner Versteigerungswein, weil er einfach der rarste und spannendste Wein von Philipp ist, weil es so eine Ausnahmeerscheinung ist. Die Trauben werden angequetscht und stehen dann eine Nacht kühl bevor sie gekühlt gepresst werden. Danach eine kurze Sedimentation und dann gehts direkt in die Gärbehälter. Geschwefelt wird vor der Gärung nicht, ein biologischer Säureabbau soll nach Möglichkeit aber stets vermieden werden. Rein spontan vergoren im Holz und Belass auf der Vollhefe bis Ende Februar. Dann abgestochen und mit einem guten Teil der Feinhefe Anfang März in Stahl überführt. Dort kurzer Verbleib auf der Feinhefe bis zur Füllung im Sommer. Eine feine Reduktion in der Nase, zurückgenommene Frucht, etwas weißfruchtig, weiße Cassis, süße Ingwerwürze, leicht erdig, minzig-kühl, alles nur in Nuancen ausgedrückt, noch verschlossen wirkend. Der Mund ist einerseits total lieb mit Quitte, gelber Melone und andererseits doch etwas wilder und kantiger, hat etwas mehr Phenolik. Wow, dieser Nachhall des wilden Philippsbrunnen ist schon irre, man kann diesen Wein überhaupt nicht mit dem schmelzigen Saumagen vergleichen, der ja fast schon ein wenig Mittelhardt hat. Nein, wir sind hier im Zellertal, kühler, wilder, rauer, steiniger, in salz aufgelöste Kreide, dennoch charmant und reif, noch etwas wie ein ungeschliffener Diamant wirkend, aber das wird groß. Ich verstehe, wenn Leute diesen schmelzigen, cremigen, dichten, spannungsgeladenen Saumagen oder den athletisch rassigen Herrgott bevorzugen, aber wenn jemand etwas Unikathaftes sucht, etwas sehr Spezielles, Steiniges, der ist mit dem Philippsbrunnen perfekt bedient. Ein großer Wein und ganz anders als alles was Philipp bisher im Programm hat. Ein Wein ohne Ende in seiner Puristik. 100/100

98–100
/100

Elias Schlichting über: Riesling Philippsbrunnen (Versteigerungswein) Großes Gewächs trocken

-- Elias Schlichting: Die Nase wirkt zunächst kreidig-steinig, Eukalyptus, frische Pfefferminze und dazu kommt auch ein verlockender Duft von Extraktsüße, im Gegensatz zum nebenan gewachsenen, aber puristitisch-kargen Kreuzberg Versteigerungswein von Battenfeld-Spanier. Etwas weniger stylisch-abgehoben, aber nicht weniger mineralisch geprägt, tertiärer Kalksteinfels ist hier der Boden im Philippsbrunnen. Dazu reife Zitrusfrüchte in der Nase, fein und balanciert, Quitte, etwas Tee und Grapefruit. Am Gaumen zeigt sich der Wein charmant und saftig, mit einem zarten Fruchtpolster über dem steinigen Kern. Ebenso wie Battenfelds Kreuzberg eher athletisch gebaut, besticht durch Präzision, Frische und Rasse eher als durch Opulenz oder Körper. Nein, wir bleiben ganz fein, geradeauslaufend, fokussiert und dennoch druckvoll und mit sanfter Kraft, aber eben mehr stylisch, fein und delikat anstatt brachial. Das lange Finale wird von reifem Gerbstoff gestützt, milde Zitrusfrucht, Limettenschale, Nashibirne, wieder Eukalyptus und Minze, kühl und erfrischend, wieder steinig werdend, äußerst komplex und vielschichtig im Nachhall. Ein fesselnder Wein mit viel Potenzial für Jahre und Jahrzehnte. Die Krönung von Philipps ganz ausgezeichneter 2018er Kollektion. 98-100/100

95+
/100

Parker über: Riesling Philippsbrunnen (Versteigerungswein) Großes Gewächs trocken

-- Parker: From colored marl soils next to the Schwarzer Herrgott and Spanier's spectacular Kreuzberg, the 2018 Zeller Philippsbrunnen Riesling (Auction) is pure, refined and fresh on the elegant and lemon-scented bouquet. Powerful and salty on the rich and intense, well-concentrated palate, this wine is a massive yet pure and structured, persistently salty and elegant Riesling with a long and elegant finish. This firstling was auctioned in Bad Kreuznach in September last year. Magnums will be auctioned in five or so years. Tasted at the domaine in March 2020. 95+/100

Mein Winzer

Philipp Kuhn

100 % handgemacht – das ist der Leitspruch von Philipp Kuhn. Die Arbeit von Philipp beruht nur auf Erfahrung und dem richtigen Gefühl. Und beides besitzt er reichlich.