Riesling 1896 Erste Lage trocken 2021

Carl Loewen

Riesling 1896 Erste Lage trocken 2021

Limitiert

Holzkiste

mineralisch
unkonventionell
fruchtbetont
97–100
100
2
Riesling 100%
5
weiß
12,5% Vol.
Trinkreife: 2029–2057
Verpackt in: 6er OHK
3
Lobenberg: 97–100/100
6
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling 1896 Erste Lage trocken 2021

97–100
/100

Lobenberg: An einem Tag gelesen. Dieser Wein ist in vielerlei Hinsicht ein Kuriosum. Zuallererst einmal in der Bezeichnung. Der Wein kommt aus dem gleichen großen Weinberg wie der Herrenberg Großes Gewächs, aus dem unteren Teil mit den 1896 gepflanzten wurzelechten Reben in Einzelstockerziehung. Es darf aber ja bim VDP nicht zwei GGs aus einer Lage geben. Peter Jakob Kühn hat sich damit geholfen, seine Topweine Unikate zu nennen, was ich im Grunde verständlicher finde, als diese Version von Carl Loewen, zumal es ja auch eine Erste Lage 1896 gibt. Der nur 1896 heißende Wein ist auf jeden Fall ein Experimentalwein, der hergestellt wird wie vor 100 Jahren. Hier kommt aber auch das beste Lesegut aus dem dritten Lesedurchgang des Herrenberg GG mit dazu. Die Verarbeitung geschieht wie vor 120 Jahren in reiner Handarbeit. Die mit der Hand gelesenen Trauben werden mit der Hotte zu den Traubenbütten auf dem Anhänger getragen. In der Bütte werden die Trauben unentrappt sofort mit den Füßen eingestampft, direkt noch auf dem Anhänger, damit der Saft austritt und die Mazeration der Trauben beginnt. So können die Aromen der Trauben voll aufgeschlossen werden. Am Abend des Erntetages beginnt erst das Keltern. Hierfür konnte das Weingut eine alte Korbkelter erwerben, die mit der Technik des vergangenen Jahrhunderts arbeitet. Mit Muskelkraft wird gekeltert, und zwar über die ganze Nacht in einem Durchgang, ohne erneutes Aufscheitern. Der Most wird ohne Sedimentation direkt ins Fuder gegeben. Die Gärung erfolgt spontan mit traubeneigenen Hefen. Über diesen langen Prozess ergibt sich dadurch automatisch eine relativ lange Maischestandzeit und dadurch eine gewisse Phenolik. Der Wein verbleibt bis zum nächsten Sommer komplett auf seiner Vollhefe, geschwefelt wird erst sehr spät. Die Vergärung geschieht im ältesten Holzfass des Weinguts von 1960, um jeglichen aromatischen Holzeinfluss zu vermeiden. Der Boden dieses 1896 ist – wie im Herrenberg – roter Schiefer, und er verfügt über eine besondere Wärme. Das einzige Manko hier ist, dass es immer nur ein einziges Fass ist. Hochintensive und hochverdichtetes Nasenbild, man kann die Aromen kaum entzerren. Gelbe und rote Frucht spielen wild durcheinander, dann wird es blumiger, dann wieder steiniger, sehr komplex und vielschichtig. Er ist weniger auslandend als die Weine vom Herrenberg, wirkt fokussierter, geradliniger. Vor allem im Mund eine irre Mischung aus vibrierender Intensität, die aber ohne Wucht oder Schwere kommt und dieser leichtfüßigen, saftigen Aromatik mit Grapefruitschalen und Orangenblüten. Für den Jahrgang hat das schon viel Druck in der Mitte, fast wie ein Prälat. Ja, der Prälat ist mit dieser Wildheit wohl der einzige Weinberg, den ich hiermit vergleichen möchte. Ein Wein zum Kauen, weil er solch eine irre Phenolik und Tanninstruktur hat. Geradlinig im Antrunk, dann rasselt es salzig-intensiv hinten nach und lässt erst im Abgang etwas Frucht zu. Ich bin sehr angetan von diesem wunderschön dichten und gleichzeitig eleganten Naturwein. Ein großer Wein, der die Natur und den Genießer mitnimmt. 97-100/100

Mein Winzer

Carl Loewen

Stuart Pigott, der wohl neben Stephan Reinhardt (Parker) bekannteste Weinjournalist mit dem Schwerpunkt "Deutsche Weine", erklärte das Weingut Carl Loewen in der FAZ im November 2017 zum Liebling des Jahres.