Pinot Noir Pilgersberg 2017

Goldener Ring - Kai Müller Pinot Noir Pilgersberg 2017

BIO

Limitiert

Zum Winzer

94–95+
100
2
Pinot Noir 100%
5
rot, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2019–2032
Verpackt in: 6er
9
seidig & aromatisch
pikant & würzig
strukturiert
3
Lobenberg: 94–95+/100
6
Deutschland, Rheinhessen
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Pinot Noir Pilgersberg 2017

94–95+
/100

Lobenberg: Nur 2.000 Quadratmeter, händisch Beere für Beere aussortiert und händisch entrappt. Also super clean. Die Nase ist genauso witzig und unikathaft wie der 2015er. Aber schräg gut, weil es so dropsig ist, weil es so fein ist. Himbeere, Johannisbeere, etwas Cassis. Ein leichter Hauch Erdbeere. Die verschwindet aber mit der Belüftung. Gott, ist das eine aromatische Schönheit. So fein und tänzelnd. Pinot Noir in so einer jungen und jugendlich unschuldigen Form. Die Reben des 2011 gepflanzten Weines weisen eine Pflanzdichte von 14.000 Stöcken pro Hektar auf. Das heißt, der Einzelstockertrag ist winzig. Das führt insgesamt zu nur zwei Barriques. Ein Barrique zu Max Gerstl in die Schweiz, ein Barrique zu mir. Abgefüllt wird das Ganze im Frühjahr 2019. Es wird ausgebaut im gebrauchten Barrique von einer Tonnelerie aus dem Burgund. Die Vergärung geschieht zu 40% mit Rappen und findet in speziellen Küfern von Stockinger statt. Handgefertigt, extra für Kai Müller. Das ist einfach eine so schräge Story. Ein Lehrerehepaar verwirklicht seinen Traum im privaten Garten, der ein ehemals genialer Weinberg über der Stadt ist. Je länger man wartet, desto kirschiger wird der Wein, desto Sauerkirschiger wird er. Cassis geht, rote Johannisbeere kommt, Zwetschge kommt. Aber das Ganze ist sehr schlank und erinnert in der Nase an einen Cool-Climate-Hochlagen-Pinot-Noir. Vielleicht Auxey Duresses. Oberhalb von Volnay gelegen. Diese Gesamtstruktur ist auf jeden Fall die von Volnay. Der Mund ist zwar super jung, klar, ist ja erst 2011 gepflanzt, aber der Pinot Noir ist durchaus ernst zu nehmen. Das ist durchaus witzig in dieser Kirschigkeit. Sauerkirsche ist die klare Dominante. Aber es hat auch Mineralität. Die Reben stehen hier ja auf Kalksteinfelsboden. Eine tolle Länge, wunderbare Würze. Sehr schlank. Ich werde diesen Winzer sicher die nächsten Jahre und Jahrzehnte begleiten. So klein wie er ist. Ich bin gespannt wenn diese Reben mal 10-15 Jahre haben. Aber so jung sie sind, so verblüffend gut sind sie. Das ist in der Struktur auch ein bisschen erinnernd an einen Beaujolais von Vissoux. Was nicht das Schlechteste ist, weil der genialen Stoff macht. Ein ernst zu nehmender Wein mit wunderbarem Trinkfluss. Salzig im Kalksteinfinale mit dieser traumhaften Himbeere und Sauerkirsche. Das ist kein riesiger Wein, aber ein super schöner und leckerer Wein, eine Ode an die Freude. 94-95+/100

Jahrgangsbericht

Nach einem erneut eher milden Winter kamen Austrieb (März) und Blüte (Mitte Mai) wieder recht früh in 2020. Es folgte ein warmer Sommer, der aber weniger extreme Hitzespitzen wie 2019 und 2018 hatte und vor allem durch kühlere Sommernächte eine robuste Säurestruktur erhalten konnte. Häufig wird vergessen, dass Hitze und vor allem Trockenheit nicht nur die Zuckerentwicklung, sondern auch die Säuren und Gerbstoffe durch niedrige Erträge und dicke Beerenschalen aufkonzentrieren. Dieser mediterrane Powersommer hat dem Burgund Mitte August den frühsten Lesestart seit 2003 beschert, dennoch wurden die vollen 100 Tage Reifezeit nach der Blüte erreicht bis zur Lese. Aufgrund der sehr trockenen Verhältnisse waren die Trauben weitgehend kerngesund und vollreif – Fototrauben soweit das Auge reicht! Wohingegen an der Côte de Beaune fast durchschnittliche Mengen Chardonnay geerntet werden konnten, war der Ertrag beim Pinot Noir an der gesamten Côte d’Or durch die winzige Beerengröße geringer noch als im Vorjahr 2019. Die Chardonnays betören mit dem selben imposanten Fruchtdruck und einer Power wie 2019. Sie wirken allerdings schlanker und feiner, auch aufgrund von lebhafteren Säuren, die eher an 2017 denken lassen. Es ist mit 2014 und 2017 ziemlich sicher das beste Weißweinjahr der letzten 10 Jahre. Die Balance der weißen 2020er ist herausragend! Die Pinot Noirs sind etwas weniger einheitlich balanciert. Je nach Terroir und Erntezeitpunkt, changieren sie zwischen bestechender Eleganz, Kühle und Finesse bis hin zu gewaltiger, mediterraner Struktur mit hoher Reife bis hin zur Überreife in einigen Fällen. Die topgesunden Beeren waren dickschalig, klein und kernig und gaben nur widerwillig ihren hochkonzentrierten, hochintensiven Saft preis. Die Fruchtfülle und das Parfüm der roten 2020er ist gewaltig, wie dichte Wolken aus Waldfrüchten und dunkler Kirsche schiebt es tieffarbig und reich aus dem Glas. Die Konzentration ist berauschend, die besten 2020er stellen die exzellenten Vorjahre sogar noch in den Schatten – in der Spitze war absolute Weltklasse möglich in diesem Blockbusterjahr. 2020 ist ein beeindruckendes und großes Jahr, das bei den Top-Domaines mit zum besten zählt, was es in den letzten Jahrzehnten gab. Zurücklehnen und genießen mit den verführerischen Pinots und sich mitreißen lassen von den berauschenden Chardonnays. Die erneut kleinen Erträge und der harte Frost in 2021 erzeugen weiter Mengendruck auf das Burgund und die besten 2020er werden schnell rar und gesucht sein.

Mein Winzer

Goldener Ring – Kai Müller

Kai Müller ist Künstler und Pinot-Noir-Verrückter. Und er hat direkt vor seinem neu gebauten, avantgardistischen Wohnhaus einen winzigen alten ehemaligen Rebberg vorgefunden. Es gibt nur 1800qm auf einer Parzelle, die vor weit über 100 Jahren ein Weinberg im Besitz des Reichstagsarchitekten Paul...