Riesling Philippsbrunnen Großes Gewächs (Versteigerungswein) 2021

Philipp Kuhn: Riesling Philippsbrunnen Großes Gewächs (Versteigerungswein) 2021

Zum Winzer

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Riesling 100%
5
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2031–2061
Verpackt in: 6er
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mineralisch
frische Säure
3
Lobenberg: 100/100
Parker: 95/100
6
Deutschland, Pfalz
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Philippsbrunnen Großes Gewächs (Versteigerungswein) 2021

100
/100

Lobenberg: Das erste Kuriosum ist, dass dieser Wein von Philipp Kuhn tatsächlich Philippsbrunnen heißt, das hat er sich nicht ausgedacht, sondern das ist tatsächlich eine uralte Lage, eine kleine Nachbarparzelle des Schwarzen Herrgott im Zellertal. Die Lage hat insgesamt nur 2 Hektar und Philipp besitzt davon einen dreiviertel Hektar in „Steillage“. Unterhalb des über 650 Meter hohen Donnersberg gelegen, auf reinem Kalkstein. Das ist im Grunde ein blauer Kalkmergel, nochmal kühler als der tertiäre Kalk im Schwarzen Herrgott. Eine Süd-Südost-Exposition auf einen grundsätzlich aber recht rauen, kargen, steinigen Land da oben auf der Kuppe. Der Name der Lage kommt von einem dort im 12. Jahrhundert als Eremit lebenden Mönch namens Philipp. Dieser Wein wird ein reiner Versteigerungswein, weil er einfach der rarste und spannendste Wein von Philipp ist, weil es so eine Ausnahmeerscheinung ist. Die Trauben werden angequetscht und stehen dann eine Nacht kühl, bevor sie gekühlt gepresst werden. Danach eine kurze Sedimentation und dann geht’s direkt in die Gärbehälter. Geschwefelt wird vor der Gärung nicht, ein biologischer Säureabbau soll nach Möglichkeit aber stets vermieden werden. Rein spontan vergoren im Holz und Verbleib auf der Vollhefe bis Ende Februar. Dann abgestochen und mit einem guten Teil der Feinhefe Anfang März in Stahl überführt. Dort kurzer Verbleib auf der Feinhefe bis zur Füllung im Sommer. Eine feine Reduktion in der Nase, zurückgenommene Frucht, schon ans Zellertal angelehnt in dieser kühlen Art. Aber es ist noch ein bisschen wilder, mit dieser extremen Krautwürze, minzig-kühl, alles nur in Nuancen ausgedrückt, noch verschlossen wirkend. Der Mund ist einerseits verspielt und saftig auf Quitteschale, warmer Zitrone und Maracuja, was das Zellertal eben ausmacht dieses Jahr. Andererseits ist das eben doch wilder und kantiger, hat etwas mehr Phenolik, mehr Grip. Das Mundgefühl ist rauer, er kommt kompromissloser daher. Unglaublicher kreidiger Griff hintenraus. Der Wein ist sowas wie das Bindeglied zwischen dem perfekt ausgewogenen Schwarzer Herrgott und der wilden Phenolik des Saumagens dieses Jahr. Der Philippsbrunnen hat beides und ist daher wohl der ultimativ spannendste Wein hier. Ein großer Wein und ganz anders als alles was Philipp bisher im Programm hat. Ein Unikat. Ein Wein ohne Ende in seiner wilden Puristik. 100/100

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

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Parker über: Riesling Philippsbrunnen Großes Gewächs (Versteigerungswein)

-- Parker: Parker zu 2020: The 2020 Riesling GG Philippsbrunnen (Auction) opens with an intense, well-concentrated, chalky and lemon-scented bouquet with note of crushed stones. Vital and finessed on the palate, this is a full-bodied but pure and elegant, juicy and enormously salty dry Riesling with fine, chalky grip and lime juice notes on the chalky finish. This is another great Riesling from Philipp Kuhn that was sold through the annual auction in Bad Kreuznach. 12.5% stated alcohol. Natural cork. Tasted in March 2022. 95/100

Mein Winzer

Philipp Kuhn

100 % handgemacht – das ist der Leitspruch von Philipp Kuhn. Die Arbeit von Philipp beruht nur auf Erfahrung und dem richtigen Gefühl. Und beides besitzt er reichlich.