Riesling Kalk (ehemals Westhofener) 2021

Katharina Wechsler Riesling Kalk 2021

BIO

Zum Winzer

93+
100
2
Riesling 100%
5
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2023–2033
Verpackt in: 6er
9
frische Säure
mineralisch
3
Lobenberg: 93+/100
6
Deutschland, Rheinhessen
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Kalk (ehemals Westhofener) 2021

93+
/100

Lobenberg: Die Trauben stammen komplett aus der Großen Lage Kirchspiel. Das heißt es ist eigentlich ein Zweitwein aus dem Kirchspiel und könnte Westhofener aus Ersten Lagen genannt werden, wenn Katharina VDP-Mitglied wäre. Er wächst in Katharinas zwei kalksteinreichsten Gewannen des Kirchspiels. Es geht hier also vordergründig, um den Bodenausdruck des Kalksteins, wie der Name schon verspricht. Sehr weit durchgegoren, fast ganz trocken, irgendwo bei ein paar wenigen Gramm Restzucker. Schicke Rieslingnase mit salzigem Pfirsich, Gesteinsmehl, Feuerstein, Kumquat. Fein und blumig, aber gleichzeitig diesen mineralisch anmutenden Druck aufbauend. Weißer Tee und Zitronengras geben eine kräuterige Komponente hinzu. Die Salzigkeit aus den Kalkböden wird direkt spürbar im Mund, viel Grip und schöner Säurezug, der dem Ganzen einen schicken Schliff verleiht. Das macht richtig Druck. Die Augen ziehen sich zusammen. Das hat Länge. Ziemlich toller Stoff für einen Ortswein, der schon deutlich die Mineralität und kalkige Struktur des Kirchspiels durchscheinen lässt. Griffig und saftig mit feinem mineralischem Spiel auf der Zunge. Der 2021er hat einen gewaltigen Zug. 93+/100

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

Mein Winzer

Katharina Wechsler

Erst 2010 beschloss Katharina Wechsler ihre Karriere in der Berliner Medienwelt aufzugeben. Zurück zur Scholle auf den elterlichen Hof, in die Heimat Westhofen. Und alles selbst machen, malochen sieben Tage die Woche, nur der Vater hilft mit.