FIO: Glou Glou

FIO: Glou Glou "Orange Wine" 2024

Müller Thurgau 50%, Weißburgunder 50%
weiß, trocken
10,5% Vol.
Trinkreife: 2025–2034
exotisch & aromatisch
leicht & frisch
naturbelassen
Lobenberg: 95/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Glou Glou "Orange Wine" 2024

95
/100

Lobenberg: Ein Blend aus Müller-Thurgau vom Schiefer und Weißburgunder vom sandigen Moselschwemmland hinter dem Gutshaus von FIO. Philipp Kettern strahlt über seine Müller-Thurgau, scherzend stellte er fest, dass die Trauben so perfekt waren, dass er am liebsten nur Müller gehabt hätte in dem Jahrgang. Etwa drei Wochen auf den Schalen spontan vergoren, überwiegend entrappt. Ausgebaut im klassischen Moselfuder. Der Glou-Glou hat eine schöne reduktive Spannung in 2024, ein bisschen Zündplättchen ist dabei, dann grüne Mandarine, auch deutlich rote Paprika mit ihrer pflanzlichen Süße, dann auch etwas herbsaftige Quittenschale. Die Verblüffung kommt dann am Gaumen, denn dieser Orange Wine ist gar nicht so breitschultrig oder anstrengend. Im Gegenteil, sogar sehr saftig und fein kommt er daher, wunderbar erfrischend. Er hat durchaus eine herbe Art durch die Phenolik, das gibt ihm schon einen gewissen Kick und Anspruch in seiner leichten herbwürzigen Schiefer-Art, aber gleichzeitig total verspielt, feinfruchtig und animierend. 2024 hat einen genialen Trinkfluss, diese so feine Animation, die die ganze Geschichte so lebendig macht. Klar, ein bisschen schräg ist das schon, aber mit dieser saftigen Orangen-Grapefruit-Pfirsich-Eistee-Kombination und dem Spiel aus Salz, Gerbstoff und Säure ist das ein hochindividueller, genialer Moselwein mit viel Charakter. Sicher einer der besten Orange Wines Deutschlands!

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Mein Winzer

FIO

Das Projekt Fio ist eines der spannendsten an der Mosel überhaupt. Die Weine sind völlig einzigartig, was zu erwarten ist, wenn Mastermind Dirk Niepoort und seine Söhne ihre Finger im Spiel haben. Aufgrund Dirks tiefer Verbundenheit und Liebe zu den klassischen Rieslingen des Moseltals, konnte sein...

Glou Glou