Ermitage Le Meal 2021

Ferraton Pere et Fils

Ermitage Le Meal 2021

BIO

voluminös & kräftig
tanninreich
frische Säure
100
100
2
Serine 100%
5
rot
14,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2061
Verpackt in: 6er OHK
3
Lobenberg: 100/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Ermitage Le Meal 2021

100
/100

Lobenberg: Die Nase ist sehr aromatisch, reich und dicht, aber überhaupt nicht fett, sondern im Gegenteil sehr schlank. Eher wie der Cornas Les Eygats mit diesen Veilchen und schwarzen Kirschen. Dahinter Sauerkirsche, Orangenzesten und generell viel rote Frucht. Sehr schick, zart und mit feiner Süße. Der Mund unterstreicht diese enorme Zartheit und Feinheit, aber anders als Les Eygats aus dem Cornas-Berg, haben wir hier eine Süße dazu, die ihresgleichen sucht. Wie aromatisch ist das?! Grandios! Wow, Begeisterungsstürme – wir probieren den Wein zu Dritt und wir sind alle hin und weg… So zart verwoben, Veilchen und Schwarzkirsche, unendlich lang. Ganz feine Eukalyptus und Minze kommen dazu. Der Wein hört gar nicht mehr auf und trotzdem ist er das Gegenteil eines fetten Blockbusters. 2021 ist ganz anders als die Jahre davor. Eine Köstlichkeit! Er kommt zwar an den L’Ermite von Chapoutier nicht ganz heran, aber er liegt ganz klar vor dessen Le Méal. Ganz anders im Stil als der sattere, fettere Pavillon von Chapoutier. Ein grandioser Wein! Wahrscheinlich würde ich persönlich diesen hedonistischen, burgundischen Wein im Stile eines Richebourg allen anderen Hermitage 2021 vorziehen. Was für eine wunderschöne Rolle rückwärts in vergangene Jahre, mit dieser wahnsinnigen Finesse und Frische. Das ist perfekt, wenn man feine, aromatische, duftige und tänzelnde Weine mag. Großes Glas, nur schnuffeln reicht. Ein extrem schicker, zarter Wein. Konzentrierte Finesse! 100/100 *** Le Méal ist eine der berühmtesten Lagen im Hermitage überhaupt. Das gilt für Chapoutier und Ferraton, aber auch für Michel Tardieu, der den größten Teil seines Hermitage aus dem Le Méal holt. Le Méal liegt in der Mitte des Hermitage-Bergs in Südexposition. Der Untergrund ist alluvial, das ist quarziger Kalksand. Flusssedimente, die teilweise auch in Crozes-Hermitage auftreten. Hier allerdings nicht mit viel grobem Stein, sondern eher feiner. Die Lage von Ferratons Le Méal zieht sich komplett rechts von Jaboulet Ainé, in der Nähe der obersten Spitze des Ermitage-Hügels, neben Les Bessards, den Chapoutier Le Pavillon nennt, bis ganz nach unten. Die untere Hälfte wird für den Ermitage Les Dionnières genommen, die obere entsprechend für diesen Wein hier. Aus beiden Teilen werden die jüngeren Reben für den Hermitage Miaux verwendet. Le Méal und Les Dionnières sind also das Beste von Besten. Von beiden Weinen gibt es etwas über 2.000 Flaschen. Le Méal zu Dionnières ist ungefähr das gleiche wie im Cornas-Berg Les Eygats zum Patou. 100 % Syrah oder Serine, wie die uralte kleinbeerige Form der Syrah hier genannt wird. Biodynamische Bewirtschaftung. Die Trauben werden vor der Gärung komplett entrappt. Vergoren wird spontan im Beton. Danach wird ganz sanft abgepresst, überwiegend nur der Free Run Juice verwendet. Der Ausbau dann im neuen und gebrauchten Barrique und im Tonneau.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Ferraton Père et Fils

Samuel Ferraton, Vertreter der vierten Generation im Weingut, gab 1998 dem Haus einen neuen Impuls durch eine finanzielle Partnerschaft mit dem Haus Chapoutier bei gleichzeitiger Wahrung der qualitativen Unabhängigkeit.