Ermitage Blanc De l’Oree 2021

Chapoutier

Ermitage Blanc De l’Oree 2021

BIO

Holzkiste

unkonventionell
exotisch & aromatisch
mineralisch
100
100
2
Marsanne 100%
5
weiß
13,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2047
Verpackt in: 6er OHK
3
Lobenberg: 100/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Ermitage Blanc De l’Oree 2021

100
/100

Lobenberg: Ein Wein der 'selection parcelaire', der vielleicht extremsten Form der in der Rhone biodynamisch betriebenen Weinberge. Grandios tiefes und volles Nasenbild, frisch geriebene Zitronenschale und delikate tropische Früchte. Am Gaumen fast strahlig, ungeheuer stringent und voller Energie. Wollüstiger Rosmarin hallt lange nach und schiebt durch seine Dichte die anderen Aromen bei Seite. Immenses Potenzial mit der Kraft von großen Jahrgängen und allen Anlagen für einen Jahrhundertwein. Sollte durch sein extrem homogenes Ganzes deutlich früher trinkreif sein als so mancher Vorgänger. Wow! 100/100De l’Orée geht immer stark in Richtung Gewürznelke und Popcorn. Sehr typisch für diesen Wein und deshalb ist er immer erkennbar in der Nase. Hochduftig! Auch orangefarbene Blüten, Orangenzesten und Kumquat, dazu Zitronengras, sehr komplex. Die Balance kommt nicht über eine hohe Säure, sondern über Tannin und Bitterstoff – typisch für Marsanne. De l’Orée zeigt sich im Mund extrem harmonisch. Ein Zusammenspiel aus Zitronengras, Kumquat, Gewürzen und Blumigkeit, dazu die für Marsanne typischen weißen Früchte, Walnuss und weißer Pfirsich. Tolle Reduktion in Mund und Nase, etwas verschlossen im jungen Stadium, aber der Wein wird sich später öffnen. 2021 präsentiert sich genial in seiner famosen Frische. De l’Orée hat von allen Ermitage aus dem Hause Chapoutier die höchste Säure. Hier sind wir in der Liga der allerbesten weißen Hermitage. Der Nachhall mit Zitronengras, Kumquat, Orangenzesten und feinem Bitterstoff steht für Minuten. Jeder, der aus einem großen Jahr den De l’Orée nach 10 bis 15 Jahren trinkt, weiß wovon ich rede. Das gehört zu den ganz großen Weißweinen der Welt. 100/100 *** De L’Orée stammt aus der Einzellage Les Murets am östlichen Rand des Hermitage und hat eine Südexposition. Die Morgensonne bestrahlt zuerst diesen Weinberg. Die Umbenennung von les Murets in de l’Orée wurde wegen der Morgensonne vorgenommen. Chapoutier besitzt vier Hektar in dieser Lage, aber nur anderthalb davon gehen in die Sélection Parcellaire. 100 Prozent Marsanne. Eisenrotgefärbter Lehm, dazu Kieselsteine à la Châteauneuf-du-Pape und Mergel, also verwitterter Kalk und Lehm. Hier wird komplett mit dem Pferdepflug bearbeitet, um die Verdichtung des Bodens zu vermeiden. Alle Marsanne werden bei Chapoutier zu 100 Prozent in Demi-muids ausgebaut, also in 600-Liter Holzfässern. 10 Prozent neues Holz, 90 Prozent Zweit- und Drittbelegungen. Die Trauben werden direkt abgepresst vor der spontanen Gärung, die teilweise bis zu vier Monate andauert. Während des Ausbaus findet keine Bâtonnage statt. Gefüllt werden die weißen Ermitage bei Chapoutier inzwischen nach elf Monaten, nicht wie früher nach dreizehn.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Chapoutier

Seit der Gründung im Jahre 1808 hat jede Generation aus dem Hause Chapoutier auf eigene Weise dazu beigetragen, ihre Weine zu weltweiten Spitzenprodukten zu entwickeln. Das größte bisheriges Wagnis war die komplette Umstellung der Produktion der Einzellagen auf biodynamischen Weinanbau. Hier wacht...