75 Prozent Merlot und 25 Prozent Cabernet Franc. Der Alkoholgehalt liegt bei 14,8 Volumenprozent, der pH-Wert bei 3,6. Die Weinberge haben in der heißen Phase drei Mal große Regenschauer abbekommen – perfekt, das hat sie am Leben gehalten. Die Merlot wurde komplett entrappt, bei der Cabernet Franc wurden 25 Prozent ganze Trauben in die Vergärung gegeben. Die Fermentation lief komplett mit unangequetschten Beeren an, die Gärung startet als in den Beeren. Irgendwann platzen sie auf, dann kommt die alkoholische Gärung. Zwei, drei Mal wird der Tresterhut runtergedrückt. Die Fermentation läuft fast über drei Wochen hinweg. Die Nase wird seltsamerweise von der sehr reifen Cabernet Franc dominiert. Sehr Loire, sehr Clos Rougeard. Hohe Intensität, die Farbe des Weins ist schwarz und die Nase drückt mit Lakritze und dunkler Schokolade. Die Nase ist so famos, so hocharomatisch, dicht und satt. Aber sie ist nicht fett, sondern nur aromatisch reich. Viel Holunder, Sauerkirsche, langsam kommen auch Nutella, Nougat und recht viel Minze. Der Mund zeigt süße Minze, Brombeere, Lakritze und Schokolade. Ein unglaubliches Leckerli! Im Angang ist das eine Mousse au Chocolat mit Kirschlikör, dann kommt vom Kalkstein ein Hauch von Salzkaramelle. Das ist zurzeit das Angesagteste, was es im Bereich der Leckerlis gibt, als Eis oder Schokolade – Karamelle mit Salz und Schoki. Grandios schick und lang, die Tannine sind total geschliffen, der Wein steht für Minuten. Ein bisschen süße Feige und Schwarzkirsche mit Lakritze und Minze rollen wieder hoch. Ein traumhafter Wein! Die Balance ist in diesem Jahr nicht mit der Säure gemacht, sondern mit den Tanninen. Und es ist ein sattes, reifes Tannin-Jahr. Der Wein steht für Minuten und er bleibt pikant. Mit Abstand der größte Domaine de L’A, der je erzeugt wurde und ganz klar der zweitbeste Wein der Appellation hinter Clos Louie. Großer Stoff! *** Die Domaine de L’A ist das biodynamisch bearbeitete Castillon-Weingut, auf dem Stéphan Derenoncourt, der Superstar der Önologie des rechten Ufers, persönlich mit seiner Frau Christine wohnt. 11,5 Hektar, überwiegend Kalkstein mit leichter Lehmauflage. Die Domaine de L’A ist seit Jahren der zweitbeste Wein in Castillon, nach dem Weltklassewein von Clos Louie, aber in einigen Jahren durchaus nicht so weit entfernt und er wäre sicherlich in der oberen Liga Saint-Émilions einzuordnen. Das Weingut arbeitet zwar biodynamisch, dieses Zertifikat wird aber auf dem Etikett nicht genannt. Extrem geringe Erträge bei extremer Dichtpflanzung. Zu 100 Prozent entrappt, dann spontan vergoren, ohne Schwefel während der Fermentation und bis nach der Malo. Der Ausbau erfolgt je nach Jahrgang zu einem Teil in neuen Barriques, ansonsten in gebrauchten Barriques und auch in größeren Tonneaux.