Alles Handlese, als Ganztraube langsam gepresst und spontan vergoren. Ausbau komplett im großen Holz. Der Idig steht auf massivem Kalkstein. Er hat die Ruhe und die über allem thronende Herrschaftlichkeit. Keine Botrytis, nichts Exotisches, nur kristalline, getragene, ultrafiligrane weiße Frucht. Keiner beherrscht den glockenklaren Ausdruck des Idig so wie Familie Christmann, und selbst, wenn der Vogelsang immer besser wird und alle anderen GGs total schick sind, ist der Idig auch in diesem Jahr wieder eine eigene Dimension, legt nochmal eine ganze Schippe drauf. Die Ruhe ist bestechend, der Wein steht im Glas wie ein Fels. Es ist ein bisschen wie an einem Stück nasser Kreide, gespickt mit Zitrusschalen, Meeresbrise und feinem Rauchschleier zu riechen. Die Nase ist so unfassbar geballt, tief und reduziert. Es geht hier kaum um Frucht, der Wein schreit nicht, er ist ganz dezent und erhaben. Wie eine Hermannshöhle, ein Pechstein oder auch große Burgunder das häufig haben. Da steigt eine Rauchwolke auf. Feuerstein, etwas Fenchelgrün, Mandel, Salbei und Zitronengras. Das ist nicht so aufgeregt wie 2021, sondern wirkt so total geschliffen und elegant. Am Gaumen schlägt der Idig dann auch nicht wie 2021 als mineralischer Blitz ein, sondern kommt 2022 deutlich profunder, wie ein tiefer, gebremster Bass daher. Unheimlich druckvoll, immer mehr Druck am Gaumen aufbauend. Salziger Grip aus der immensen Mineralität. Alles auf sehr reifer Zitrusfrucht laufend. Die Säure liegt unter der Textur wie ein Kern. Unheimlich lang, vibrierend und kraftvoll. Ein großer Idig mit mineralischer Strahlkraft. Ein Langstreckenläufer allemal. 98-99+/100