Chateau Musar white 2009

Chateau Musar

Chateau Musar white 2009

94–95
100
2
Merwah, Obaideh
5
weiß, trocken
Gereift
12,5% Vol.
Trinkreife: 2018–2052
Verpackt in: 6er
9
voll & rund
unkonventionell
exotisch & aromatisch
3
Lobenberg: 94–95/100
6
Libanon, Becaa Valley
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chateau Musar white 2009

94–95
/100

Lobenberg: Obaideh und Merwah, so heißen die Rebsorten dieses besonderen, hochfarbigen Weißweins. Wer erwartet, dass Weißweine aus diesen Gefilden immer fett sein müssen, lässt sich besser überraschen. Ka-boom, eine volle Nase. Akazienhonig, Feige und hochreifes fast gärendes Steinobst, Pfirsich, reifer Delicious. Dann Anklänge von Nadelbäumen, fast meint man eine Spur Trüffel am Waldboden zu erschnüffeln. Obwohl nur 12,5% vol. eine leicht alkoholische Note, die aber schon jetzt den kraftvollen Charakter erkennen lässt. Weicher samtiger Einstieg im Mund. Nach reifem, fast überreifem Apfel, Steinobst und Feige kommt dann eine leicht tänzelnde Säure auf der Zunge an und bringt Frische in den Mund. Am Gaumen eine fantastisch auskleidende Phenolik und ein extrem geschmeidiger Abgang, der lange nachhält. Orange mit Rosmarin und Salz kommen in den Sinn, dazu fast überreife Quitte, grandios und auch irgendwie schräg, nur was für Kenner! Die ob der Nase fast nicht erwartete Säure gibt diesem gereiftem und weiterhin langlebigen Wein eine klasse Struktur und damit eine elegante Finesse. Ein Tropfen auf extremem Niveau, die Welt wird sich hier in Freund und Feind scheiden. Zu orientalischer Küche hatte ich noch nichts vergleichbar Gutes im Glas! Außergewöhnlich! 94-95/100

Jahrgangsbericht

Nach einem erneut eher milden Winter kamen Austrieb (März) und Blüte (Mitte Mai) wieder recht früh in 2020. Es folgte ein warmer Sommer, der aber weniger extreme Hitzespitzen wie 2019 und 2018 hatte und vor allem durch kühlere Sommernächte eine robuste Säurestruktur erhalten konnte. Häufig wird vergessen, dass Hitze und vor allem Trockenheit nicht nur die Zuckerentwicklung, sondern auch die Säuren und Gerbstoffe durch niedrige Erträge und dicke Beerenschalen aufkonzentrieren. Dieser mediterrane Powersommer hat dem Burgund Mitte August den frühsten Lesestart seit 2003 beschert, dennoch wurden die vollen 100 Tage Reifezeit nach der Blüte erreicht bis zur Lese. Aufgrund der sehr trockenen Verhältnisse waren die Trauben weitgehend kerngesund und vollreif – Fototrauben soweit das Auge reicht! Wohingegen an der Côte de Beaune fast durchschnittliche Mengen Chardonnay geerntet werden konnten, war der Ertrag beim Pinot Noir an der gesamten Côte d’Or durch die winzige Beerengröße geringer noch als im Vorjahr 2019. Die Chardonnays betören mit dem selben imposanten Fruchtdruck und einer Power wie 2019. Sie wirken allerdings schlanker und feiner, auch aufgrund von lebhafteren Säuren, die eher an 2017 denken lassen. Es ist mit 2014 und 2017 ziemlich sicher das beste Weißweinjahr der letzten 10 Jahre. Die Balance der weißen 2020er ist herausragend! Die Pinot Noirs sind etwas weniger einheitlich balanciert. Je nach Terroir und Erntezeitpunkt, changieren sie zwischen bestechender Eleganz, Kühle und Finesse bis hin zu gewaltiger, mediterraner Struktur mit hoher Reife bis hin zur Überreife in einigen Fällen. Die topgesunden Beeren waren dickschalig, klein und kernig und gaben nur widerwillig ihren hochkonzentrierten, hochintensiven Saft preis. Die Fruchtfülle und das Parfüm der roten 2020er ist gewaltig, wie dichte Wolken aus Waldfrüchten und dunkler Kirsche schiebt es tieffarbig und reich aus dem Glas. Die Konzentration ist berauschend, die besten 2020er stellen die exzellenten Vorjahre sogar noch in den Schatten – in der Spitze war absolute Weltklasse möglich in diesem Blockbusterjahr. 2020 ist ein beeindruckendes und großes Jahr, das bei den Top-Domaines mit zum besten zählt, was es in den letzten Jahrzehnten gab. Zurücklehnen und genießen mit den verführerischen Pinots und sich mitreißen lassen von den berauschenden Chardonnays. Die erneut kleinen Erträge und der harte Frost in 2021 erzeugen weiter Mengendruck auf das Burgund und die besten 2020er werden schnell rar und gesucht sein.

Mein Winzer

Chateau Musar

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