Yves Beck über:
Chateau Lafleur
Lafleur 2022 enthüllt sich mit einer offensichtlichen Subtilität, die vielleicht auf eine Form von Scheu oder Vorsicht zurückzuführen ist. Er zieht es vor, zunächst das Terrain zu vermessen, das er durchqueren wird, bevor er seine unerschöpflichen Ressourcen wirklich ans Tageslicht bringt. Alles ist sehr geordnet, aber dennoch mit ein wenig Poesie. Die Substanz, die Matrix, befindet sich im Glas, aber um die Reime aufzuwerten, braucht man eine Melodie, was sich im Laufe der Minuten mit einer zunehmenden, subtilen Komplexität konkretisiert, bei der viele Nuancen ein ebenso leistungsfähiges wie delikates olfaktorisches Ensemble bilden. Der Gaumen setzt diese Richtung fort, indem er von Anfang an die Tiefe und Kraft des Weins hervorhebt, auf lineare, nahtlose Weise, mit Tanninen, die am Gaumenende die Regie übernehmen. Sie sind feinkörnig, lieblich, präzise und strukturierend. Sie setzen sich nicht wirklich durch ihre Kraft durch, sondern vielmehr durch ihre Fähigkeit, alle vorhandenen Energien zu kanalisieren und ihnen so viel Frische wie möglich zu entziehen, bevor sie den Wein in Sphären stützen, die früher oder später noch erfreulicher sein werden als heute. Lafleur schafft Lust, die Zukunft wird Genuss hervorbringen. Ein großer Wein muss man schließlich verdienen, Geduld ist das Mittel dazu, der Schlüssel, um das Tor zum Garten Eden zu öffnen.