Der Wein besteht zu 50 Prozent aus Sauvignon, 20 Prozent Sauvignon Gris, 20 Prozent Semillon und zehn Prozent Muscadelle. Die Nase ist noch besser als 2022. Sehr viel Reineclaude, weißes Steinobst, helle Melone und Zitronengras. Total verspielt, aber auch hochintensiv. Kreide, Kalkstein und Salz. Leichte weiße Pfefferschärfe und enorm viel Charme. Es treibt einem die Tränen in die Augen. Was für ein schicker Weißwein! Perfekte Symbiose im Mund. Die Rebsorten passen zu 100 Prozent. Da ist nichts grasig, keine Stachelbeere. Das ist Sauvignon Blanc mit einer cremigen Unterlage, mit einem kreidigen, salzigen Schub untendrunter. Leicht tannic von der Ganztraubenpresse, aber mit enormem Charme ausgestattet. Reichhaltig, lang, drückend und trotzdem purer Hedonismus. So muss weißer Bordeaux sein, dass er spannend ist! Nochmal mit Aprikosenkernen, Pfirsichkernen, ganz leichter Bitternote und großer mineralisch-salziger Länge immer wieder hochrollend. An der Loire in Sancerre oder Pouilly-Fumé wären wir bei dieser Klasse dementsprechend 20 Euro teurer. In Bordeaux, vor allem in den Randappellationen bei den kleinen Winzern, gibt es so grandiose Weine für einen astronomisch kleinen Betrag. Toller großer Stoff, ich bin hochgradig begeistert! Was für eine Freude! Und was für ein langer Nachhall mit Mineralität, Salz und Frucht… Das ist Pouilly-Fumé in großer Klasse! *** Der Weinberg von La Grande Clotte liegt in Lussac-Saint-Émilion. Weißen Saint-Émilion gibt es vom Gesetz nicht, also ist es nur ein AC Bordeaux. Bis 2012 war dieses Weingut im persönlichen Besitz von Michel Rolland, ein Lieblingskleinod von ihm. Seine Labormannschaft machte die Ernte und Vinifikation. Reiner Kalkstein mit einer Löss-Lehm-Auflage. Seit 2013 mit neuen Winzern, ein junges Paar aus der Region, das zuvor in Kanada als Winzer tätig war.