Cotes du Rhone Calendal Plan de Dieu 2021

Calendal Cambie Cotes du Rhone Calendal Plan de Dieu 2021

Zum Winzer

95+
100
2
Mourvedre 70%, Grenache 30%
5
rot, trocken
15,5% Vol.
Trinkreife: 2024–2037
Verpackt in: 12er
9
fruchtbetont
voluminös & kräftig
3
Lobenberg: 95+/100
6
Frankreich, Rhone, Gigondas und Rasteau
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Cotes du Rhone Calendal Plan de Dieu 2021

95+
/100

Lobenberg: 2021 ist der letzte Jahrgang des im Dezember 2021 verstorbenen Philippe Cambie. Das Projekte baute er 2006 zusammen mit Gilles Ferran von der Domaine des Escaravailles auf. Wie immer wieder dieser Wein bei Gilles auf der Domaine gemacht, Philippe war im Grund immer der Weltmeister des Blendings und des Erntezeitpunkts – das war sein Part bei Calendal. Wir hoffen, dass dieser Wein auch nach 2021 eine Zukunft hat. Er stammt aus insgesamt vier Hektar Reben auf dem Plan de Dieu, die Gilles Ferran gehören. Der 2021er besteht aus 70 Prozent Grenache und 30 Prozent Mourvèdre. Die Trauben werden zu 100 Prozent entrappt und dann im Stahl spontan vergoren. Anschließend wird der Wein im neuen Barrique für elf Monate ausgebaut. Der Wein ist noch nicht gefüllt, aber das finale Blending ist schon erfolgt. 2021 ist im Vergleich zum direkt vorher probieren 2020er feiner, spielerischer, blumiger. Eine enorm finessenreiche Nase. 2021 ist ja generell an der Rhône – zumindest nach meinem Geschmack – eine Rückkehr in die Finesse, in das Spielerische. Weg vom kraftvollen mediterranen Stil. So zeigt die Nase dann auch mehr Himbeere und Erdbeere, ein leichter Touch Estragon darunter, helle Lakritze, etwas Minze und helle Schokolade. Sehr verspielt, blumig und tänzelnd. Das neue Holz ist nicht spürbar. Einfach nur gutes Volumen zeigend. Im Mund eine leichte Chilischärfe unter Erdbeere, Himbeere und ein bisschen roter Kirsche. Viel Kreide und Kalk im Mund. Ganz feine Vanillenoten kommen langsam hoch. Die Mourvèdre ist unendlich fein. Das ist 2021 – einfach das Jahr der Mourvèdre. So unendlich verspielt und fein. Die Tannine sind seidig und samtig. Der Wein ist deutlich schlanker als 2019 und 2020, deutlich verspielter, zugänglicher, saftiger und hedonistischer. So unglaublich köstlich und trinkig schon im jungen Fassstadium! Trotzdem kommt hintenraus ein tolles stützendes Volumen. Kein Powerwein, sondern ein intensiver, reicher, hocharomatischer Calendal. Der Wein braucht ein paar Jahre, um das ganze Holz zu verdauen, aber dann ist das Everybody’s Darling. Ein grandioser Zechwein und ein ehrenvolles Vermächtnis von Philippe Cambie. 95+/100

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Calendal Cambie

Philippe Cambie startete nach 20 Jahren önologischer Beratung der besten Chateauneuf-Erzeuger 2006 mit der Produktion eigener Weine. Ganz klein, mehr ein Hobby.