Obwohl Einzellagen Abfüllungen in den letzten Jahren im Trend stehen, war es meine Empfehlung für Winzer Terry Kandylis, den kleinen Ertrag aus zwei seiner besten Parzellen zu cuvetieren. Bei einer Fassprobe wurde nämlich klar, dass sich die Weine durch ihre individuellen Eigenschaften jeder Lage fabelhaft ergänzen, sozusagen »Eins plus Eins macht vier«! Los Castanos ist Terrys Umsetzung dieses Vorschlags. Die Trauben stammen aus den Lagen La Cabaña und El Olmar, die 2021 noch separat abgefüllt wurden. Im warmen Jahrgang 2022 wurde nur ein kleiner Anteil an Ganztrauben, also mitsamt ihrer Stiele, für die Gärung verwendet. Die Stiele tragen zur Komplexität, aber auch zur Frische und Struktur des Weins bei. Dieses Jahr wurde ein weiterer Teil des Weins als tiefdunkler Rosé (in Spanien auch »Clarete« genannt) gemacht, also nach wenigen Stunden auf den Traubenschalen schon abgepresst, was zu besonders viel Saftigkeit und Frucht beiträgt. Der Clarete wurde in einem 300 Liter fassenden Hermitage-Fass separat ausgebaut, während der Rest 20 Monate lang in gebrauchten 500 Liter fassenden François Frères Fässern reifte. Der Blend wurde nach dem Ausbau kurz vor der Füllung gemacht. Tiefes, brillant leuchtendes Rubinrot. Die Mischung aus intensiven dunklen Brombeeren, Blaubeeren, Cassis, Hibiskusblüten und Boysenbeeren trifft auf spannungsgeladenen Hagebutten, rote Kirschen und aromatischen Himbeerbusch. Teer, Lakritz, ein Hauch Vanille, würzige, warme rote Erde mit duftenden getrockneten Blüten, Lavendel und Heu als Gegenspieler. Die Aromen vom Holzausbau sind wunderbar eingebunden und ultra fein verwoben. Schon die Nase ist berauschend attraktiv! Im Mund ist dieser Wein ein Juwel! Dunkle Frucht mit spannungsgeladener Würze und intensiv kalkiger Mineralität. Die Tannine sind samtig fein und hinterlassen im Nachhall eine zarte Vanille-Aromatik und beeindruckend viel Charakter. Dieser Stoff ist genial – individuell und betörender. Die Balance aus frischer Beerenfrucht und Würze ist herrlich abgestimmt – Trinkfreude pur, die sogar die qualitativ abgehobenen Nachbarn von Dominio del Aguila in ihrer Finesse und Feinheit erreicht. Wer hätte das vor Jahren gedacht, dass Terry von Bendito und Jorge von Aguila mit den letzten Jahrgängen ALLE arrivierten Weingüter von Ribera del Duero in Finesse und Komplexität überholen. Mit ein paar Jahren Flaschenreife wird der Wein aromatisch sogar noch zulegen. Ein berauschend guter Wein von einem der spannendsten Newcomer Spaniens!