Barolo Villero 2018

Azienda Agricola Brovia

Barolo Villero 2018

tanninreich
voluminös & kräftig
99–100
100
2
Nebbiolo 100%
5
rot
14,5% Vol.
Trinkreife: 2025–2045
Verpackt in: 12er
3
Lobenberg: 99–100/100
Anja Breit: 98/100
6
Italien, Piemont
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Villero 2018

99–100
/100

Lobenberg: 2018 war im Piemont ein sehr warmes Jahr mit ausreichend Regenmengen und einer regulären Ernte im Oktober. Ein sehr klassischer Jahrgang, kein grandioses Tannin-Jahr wie 2016, sondern eher delikat und sehr ausgewogen. Im Charakter an 2015 erinnernd, aber nicht ganz so rund und üppig. 2018 ist doch eher wie 2012, mit dieser hohen Eleganz und Verspieltheit. Und obwohl viele Leute von einem heißen und trockenen Jahr reden, weil es vor allem in Bordeaux sehr warm und trocken war, ist 2018 im Piemont kein besonders heißes Jahr. In Summe ist es ein elegantes und florales Jahr, mit einer guten Basis-Konzentration. Nicht so rund wie 2015, ohne die extremen Gerbstoffe von 2016 und nicht so hyperkonzentriert wie 2017. Der vorherrschende Eindruck der feinen und hedonistischen Art entsteht auch durch die Tatsache, dass der Jahrgang leicht verdünnt ist. Es gab etwas größere Mengen als im Durchschnitt, was unter anderem daran liegt, dass es etwas mehr Regen gab als in den Jahren davor. Der Jahrgang ist generell etwas leichter. 2018 ist einfach ein klassisches, aber feines, elegantes, trinkiges und hedonistisches Jahr. Der Vergleich mit 2012 passt wahrscheinlich am besten. Keine extremen Wetterkapriolen, eine trockene Erntezeit im Oktober – so wie es für einen klassischen Barolo oder Barbaresco sein soll. Dementsprechend gibt es sehr elegante und aromatische Weine. Im Grunde ist 2018 das idealtypische Jahr in der Langhe. Alex Sanchez, der Winzer von Brovia, vergleicht 2018 mit 2012, aber noch etwas mehr mit 2008, weil er sagt, dass die Frucht nicht ganz so fett ist wie in 2012. Die Eleganz ist eher noch höher. 2008 war – für alle, die sich erinnern – einfach ein Traumjahr für Barolo, wenn man denn diese eleganten und verspielten Weine mag. Villero liegt ebenso wie der Rocche in Castiglione Falletto. Beide Weinberge liegen entlang der Straße, zwischen Castiglione und Monforte, beide relativ hoch auf 350 Metern. Wenn man durch Castiglione durchfährt, dann liegt zur rechten Seite Villero und zur linken Seite Rocche. Villero ist nach Südwesten exponiert, es ist also etwas wärmer. Rocche nach Südosten. Kalksteinböden, Sand, weißer Lehm, hohe Eleganz und maskuline Power zugleich. Die Reben wurden Anfang der 60er Jahre angepflanzt und wachsen auf ca. 1,5 ha. Alle Weine werden bei Brovia in exakt der gleichen Art und Weise gemacht: Fermentation spontan im Beton, 100 Prozent entrappt, drei bis vier Wochen Mazeration und dann ab in Stahltanks, wo die Malo durchgeführt wird, danach geht es ins große Holzfass mit Fassungsvermögen zwischen 2.500 und 3.500 Litern. Bis zur Füllung unbewegt. Das Besondere bei Brovia: hier wird die Maische übergepumpt, aber der Saft wird nicht von oben mit einem Strahl wieder zugeführt, um nicht zu starke Tannine auszuwaschen, sondern über eine flache Platte quasi drüber gesprüht. Alles, um elegante Weine zu machen. Im Gegensatz zu Vietti, die aus ihrem Villero ein kleines Monster machen, entsteht bei Brovia, trotz des höheren Reifepotenzials des Villero gegenüber den Rocche, ein sehr eleganter und feiner Wein. Der 2018er Villero ist farblich etwas heller als der Rocche und hat eine ausgeprägte Kirschlikör-Nase, dänischer Kirschlikör. Famos! Konzentrierte Herzkirsche, überhaupt satte und reiche Kirsche. Sehr burgundisch, extrem Gevrey-Chambertin. Berauschend und so charmant einnehmend. Sehr intensiv, sehr reif, sehr fein. Auch der Mund ist komplett auf roter Kirsche laufend, ein bisschen Schlehe darunter. Herzkirsche und ein Hauch Sauerkirsche, aber auch ein guter Touch Mineralität. Salz, Kalkstein und Lehm, enorme Frische. Der Wein zeigt Länge und hat trotzdem diese raffinierte Kirsch-Affinität. Die Erinnerung an ein frisches Jahr Burgund Premier Cru Gevrey-Chambertin geht nicht weg. Dieser Villero ist eine Hommage an das Burgund. Und auch wenn er vielleicht nicht ganz so elegant ist wie der Rocche, so ist er doch in seiner total tiefen und rotkirschigen Ausprägung noch eine Nummer darüber. Das ist in aller Eleganz, die er hat, doch ein ganz großer Wein und einer der Stars des Jahrgangs. Superb! 99-100/100

98
/100

Anja Breit über: Barolo Villero

-- Anja Breit: Villero hat hauptsächlich weißen Lehmboden und die Lage ist in perfekter Süd-West Exposition. Bei Brovia werden alle Crus ganz genau gleich gemacht. Die Trauben werden immer zu 100 Prozent entrappt. Fermentation in Beton, wo der Wein drei bis vier Wochen auf der Maische bleibt, dann in einen Stahltank rüber gezogen wird, wo die Malo stattfindet, und anschließend wird er in großen Holz Botti (3000-4000 Liter) ausgebaut. Mittleres rubinrot. Die Nase hat etwas mehr Reife als Rocche di Castiglione, mit einem Sammelsurium an feinen Gewürzen. Duftiger Herbstwald, getrocknetes Potpourri, grüner Tee. Die Nase ist geradezu schwebend und elegant. Breiter im Mund als Rocche, dennoch mit viel roter Kirsche und knackig frischer, roter Johannisbeere. Die typisch für 2018 fein polierten Tannine harmonieren mit der super präzisen Säure. Wenn man den Wein mit zwei Worten beschreiben müsste, wären sie »Finesse« und »Eleganz«, und er wird schon in wenigen Jahren in sein Trinkfenster kommen. 98/100

Mein Winzer

Azienda Agricola Brovia

Die Geschichte des Weinguts der Brovia in Castiglione Falletto reicht bis in das Jahr 1863 zurück. Nach einem mehrjährigen Stillstand in der Weinproduktion nahmen sich 1953 Giacinto, Raffaele und Marina Brovia ein Herz und starteten quasi wieder von Null. Von Anfang an an setzte die Familie dann nur...