Barolo Cerequio 2018

Roberto Voerzio

Barolo Cerequio 2018

voluminös & kräftig
tanninreich
99–100
100
2
Nebbiolo 100%
5
rot
14,0% Vol.
Trinkreife: 2022–2046
Verpackt in: 3er OHK
3
Lobenberg: 99–100/100
Suckling: 98/100
6
Italien, Piemont
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Cerequio 2018

99–100
/100

Lobenberg: 2018 war im Piemont ein sehr warmes Jahr mit ausreichend Regenmengen und einer regulären Ernte im Oktober. Ein sehr klassischer Jahrgang, kein grandioses Tannin-Jahr wie 2016, sondern eher delikat und sehr ausgewogen. Im Charakter an 2015 erinnernd, aber nicht ganz so rund und üppig. 2018 ist doch eher wie 2012, mit dieser hohen Eleganz und Verspieltheit. Und obwohl viele Leute von einem heißen und trockenen Jahr reden, weil es vor allem in Bordeaux sehr warm und trocken war, ist 2018 im Piemont kein besonders heißes Jahr. In Summe ist es ein elegantes und florales Jahr, mit einer guten Basis-Konzentration. Nicht so rund wie 2015, ohne die extremen Gerbstoffe von 2016 und nicht so hyperkonzentriert wie 2017. Der vorherrschende Eindruck der feinen und hedonistischen Art entsteht auch durch die Tatsache, dass der Jahrgang leicht verdünnt ist. Es gab etwas größere Mengen als im Durchschnitt, was unter anderem daran liegt, dass es etwas mehr Regen gab als in den Jahren davor. Der Jahrgang ist generell etwas leichter. 2018 ist einfach ein klassisches, aber feines, elegantes, trinkiges und hedonistisches Jahr. Der Vergleich mit 2012 passt wahrscheinlich am besten. Keine extremen Wetterkapriolen, eine trockene Erntezeit im Oktober – so wie es für einen klassischen Barolo oder Barbaresco sein soll. Dementsprechend gibt es sehr elegante und aromatische Weine. Im Grunde ist 2018 das idealtypische Jahr in der Langhe. Cerequio liegt direkt neben, bzw. leicht versetzt unterhalb von Brunate, kurz hinter dem Ortsausgang von La Morra Richtung Barolo. Etwas wärmer hier. Wie alle Lagen von Voerzio hat auch dieser Weinberg nur gut einen Hektar Größe. Die Exposition ist Südost. Der Weinberg liegt durchschnittlich auf ungefähr 300 Meter Höhe, extrem hoch, aber hier ist es schon deutlich wärmer als in La Serra, was in kühlen Jahren ein klares Plus ist, in warmen Jahren ein Nachteil. Jede Pflanze, also jeder Weinstock, bringt bei Roberto Voerzio nur knapp 300 Gramm Beeren aus maximal 5 winzigen Trauben. Nur die Stocknahen 5 Trauben werden belassen und einige Zeit vor der Lese wird die untere Hälfte (mit der höheren Säure) der Traube vorsichtig weggeschnitten. Wahrscheinlich ist Voerzio der extremste Winzer der Welt. Bei so extremer und qualitativ auch gewünschter Ertragsreduktion ist es dauerhaft jedoch wichtig, die Stockdichte auf 10.000 je Hektar zu erhöhen. Das erfolgt laufend, aber das wird auch noch Aufgabe der Folgegeneration bleiben. Cerequio hat 2017 die Umwandlung hin zu einer hohen Pflanzdichte abgeschlossen. Alle alten Teile der Weinberge sind inzwischen überführt in Dichtpflanzung. Das bedeutet, dass es einen Teil jüngere Reben gibt, insgesamt nun aber weit über 10.000 Stöcke pro Hektar. Natürlich erfolgt hier die Arbeit biologisch-organisch (auf Robertos Wunsch nicht zertifiziert, das Ansehen der italienischen Zertifikate ist wegen diverser Undurchsichtigkeiten arg ramponiert), vom Weinberg bis zum Keller, nur Spontanvergärung, Nebbiolo-Ausbau nur in gebrauchtem, burgundischem, sehr dichtporigen Holz, minimal getoastet, also nur Zweit- und Drittbelegung, damit traditionelle Ausprägung der Weine, Holz ist nicht spürbar. Bei so geringen Erträgen und biodynamischer Weinbergsarbeit ist die Traubenreife deutlich schneller als bei Standardbetrieben, i.d.R. gibt es hier 3 Wochen Vorsprung, man erntet vor allen Kollegen oder erreicht in anders verlaufenden Jahren die höhere Reife und Komplexität. Auch liegt bei Voerzio trotz der hohen inneren Reife die Säure immer höher, Voerzios Weine sind immer reif und extrem frisch zugleich. Cerequio hat zwar ein ähnliches Terroir wie Brunate, trotzdem ist Cerequio wegen seiner höheren Wärme im Mikroklima meistens etwas kraftvoller und dichter. Cerequio ist immer sehr besonders. Es ist eine Lage, die polarisiert. Mal finde ich es überragend, mal finde ich es auf ganz hohem Niveau einen der schwächeren Crus. 2018, in diesem superfeinen Jahr, hat der Cerequio von Voerzio doch einen ziemlich profunden Druck. Hochintensive, konzentrierte Blumigkeit, Veilchen und Rosenblätter. Darunter süße Kirsche und ganz feine helle Lakritze. Etwas Staub von der Straße nach dem ersten Regenfall. Wunderbar verträumt. Tolle Frische im Mund, trotz dieser Weichheit, trotz dieser Zugänglichkeit. Für Voerzio eine absolute Neuerung. Der Wein wird ja in drei, vier Jahren perfekt trinkbar sein! Er hat Biss und Grip, ist früh geerntet und hat alle Säure erhalten, trotzdem ist er seidig und ganz fein gesponnen. Helle Lakritze, süße rote Kirsche, Sauerkirsche und etwas rote Johannisbeere. Die Tannine sind reichlich, aber seidigst und extrem poliert. Ein kleines, feines Wunderwerk. Man würde denken, dass wir hier einen Wein probieren, der sich schon vier, fünf Jahre auf der Flasche befindet. So wunderbar offen und entwickelt kommt er daher. Eine Offenbarung, eine große Freude. 99-100/100

98
/100

Suckling über: Barolo Cerequio

-- Suckling: A level of ripeness and structure not seen in any 2018 Barolos, with ripe-strawberry, cedar and fresh-earth aromas and flavors. Full and expansive yet fine tannins and a fresh finish give this young red seductive sensibility. Very, very long. Best after 2026. 98/100

Mein Winzer

Roberto Voerzio

„Der Barolo, den ich anstrebe, soll ein strenger Wein sein, komplex an der Nase und am Gaumen sehr feurig. Man soll verstehen, dass er Frucht bester Weinberge ist, geduldiger und emsiger Arbeit, großer Leidenschaft, in großer Einfachheit und mit Respekt vor der Natur.“ (Roberto Voerzio)