Der Nebbiolo ist wohl eine der edelsten roten Rebsorten, die in Italien zu Hause sind. Er steht für bedeutende ausdrucksstarke Rotweine wie Barolo, Barbaresco oder Gattinara. Weine aus der Nebbiolo-Traube benötigen eine sehr lange Reifezeit, bevor sie Genuss versprechen. In der Jugend kommen die tanninbetonten Tropfen noch etwas spröde daher – doch das Warten lohnt. Im Alter geben sie sich zugänglicher und punkten mit komplexen kräftigen Aromen und unvergleichlichem Tiefgang.

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Die Nebbiolo-Traube – anspruchsvoll und wählerisch

Der Nebbiolo ist eine der wenigen Rebsorten, deren Anbau sich nahezu auf eine Region beschränkt. Weltweit sind nur 6.000 Hektar mit der Rebe bestockt. Den Löwenanteil von 5.300 Hektar beanspruchen Anbaugebiete im Piemont und der nördlichen Lombardei – denn nur dort findet die Rebe ideale Bedingungen vor. Die Nebbiolo-Traube gilt als schwer zu kultivierende Rebsorte, da sie sehr spezielle Anforderungen an Bodenbeschaffenheit und Lage stellt. Sie gedeiht fast ausschließlich auf kalkhaltigen Mergelböden und benötigt steile terrassierte Hanglagen mit Süd- oder Südwestausrichtung. Kann ein Terroir diese Voraussetzungen nicht erfüllen, gibt sie sich kapriziös und bringt bestenfalls mittelmäßige Weine hervor. Deshalb wollte der Traubensorte der Sprung über den großen Teich nie so recht gelingen. Außerhalb Italiens hat der Anbau der Rebe eher experimentellen Charakter.

Da die früh austreibende Sorte durch späte Fröste gefährdet ist und die Trauben aufgrund widriger Wetterbedingungen mitunter nicht voll ausreifen, können die Erträge stark schwanken. Hinzu kommt, dass die Winzer durch gezielte Ausdünnung die Erträge mindern, um eine hohe Qualität zu erreichen.

Die Traube des Piemonts

Die Traube ist und bleibt ein Kind des Piemonts. Mehr noch – die Weine mit Duftnoten, die an Trüffel, Wild und Herbstlaub erinnern, scheinen die Essenz des Piemonts in sich zu tragen. Darauf deutet auch der Name hin, denn nebbia bedeutet Nebel. Im Spätherbst, wenn die Erntezeit der schwarzblauen Traube gekommen ist, sind die steilen Weinberge des Piemonts häufig in Nebel gehüllt.

Lange Reifezeit – kräftiges Bouquet

Schwere Rotweine wie Barolo oder Barbaresco sind die Verkörperung der Nebbiolo-Traube schlechthin. Doch auch wenn sich die Traube nur ungerne mit einer Nebenrolle zufriedengibt, wird sie mit exzellentem Ergebnis häufig mit einheimischen Traubensorten wie Vespolina oder Bonarda, aber auch Merlot oder Cabernet Franc verschnitten. Ganz jung wirken Nebbiolo-Weine durch ihre dominanten Tannine und kräftige Säure abweisend und herb und wecken wenig Trinkfreude. Durch neuartige Maischtechniken und Ausbaumethoden gelingen jedoch inzwischen mitunter jüngere unkomplizierte Weine, die durchaus trinkbar sind. Sie lassen zwar Tiefgründigkeit vermissen und zeigen sich nicht ganz so charaktervoll, besitzen aber eine fruchtige frische Komponente.

Klassische Nebbiolo-Rotweine gehören zu den am langsamsten reifenden Tropfen der Welt. Deshalb schreibt der Gesetzgeber für bestimmte Weine eine Mindestlagerzeit von 3–5 Jahren vor. Lange Lagerung und begrenzte Anbauflächen machen Nebbiolo-Weine zu einem nicht gerade günstigen Vergnügen – doch die Investition lohnt sich und zahlt sich mit einem hohen Genussfaktor aus. Die Rotweine sind tiefrot und glänzen mit außergewöhnlichen komplexen Aromen von Pflaumen, welkem Laub und einem erdigen Hauch köstlicher Trüffel. Mitunter erinnert der Duft an Rosen und Veilchen. Nebbiolo-Weine ergänzen aufs Beste italienische Wurst- und Käsespezialitäten und schmecken herrlich zu Wildgerichten.