Lobenberg: Großer Wein aus Welschriesling? Ja, das geht! Heinz Velich zeigt mit seinem Welsch von Alten Reben eindrucksvoll, wie weit sich diese oft unterschätzte Rebsorte emanzipieren kann, wenn sie in kalkhaltigem Terroir wurzelt und mit der nötigen Ruhe und Präzision ausgebaut wird. Hier spricht nichts laut. Und doch bleibt alles haften. Im Glas total kühl, klar, fast burgundisch in seiner Anmutung. Die Nase ist zunächst zurückhaltend, aber ungemein fein: frische Marille, etwas weißer Pfirsich, reife Birne, dazu eine Spur Grapefruitzeste und ein ganz feiner Hauch von Salbei und Fenchelkraut. Dann plötzlich ein kleiner, reduktiver Impuls – wie frisch aufgebrochener Stein oder zarter Rauch, der die Frucht noch klarer modelliert. Mit Luft kommen Anklänge von Akazienblüte, grünem Apfel und kühler Exotik – Papaya, ein Hauch Ananas, sogar etwas Passionsfrucht. Am Gaumen verbindet sich diese aromatische Finesse mit Textur – und das ist das Entscheidende! Brutal ernsthafter Stoff. Die alten Reben, tief verwurzelt im pannonischen Kalkboden rund um den Neusiedlersee, liefern nicht nur Dichte, sondern eine enorm vibrierende Mineralität. Alles wirkt ruhig, kraftvoll und gleichzeitig tänzerisch leicht. Der Welschriesling trägt hier keinen Säurepanzer, sondern eine kristallklare Struktur – präzise, geradlinig und salzig unterfüttert. Die Frucht ist nicht ansatzweise vordergründig, aber sie fängt die herbe Würze perfekt ein. Auf der Zunge bleibt eine Spur Weinbergspfirsich, wieder Zitrus, ein Hauch herbe, gelbe Grapefruit und dieser salzige, kalkige Grip, der fast an die Côte d'Or denken lässt – würde nicht die südosteuropäische Sonne so sanft durch den Abgang scheinen. Und genau das macht ihn so besonders: Dieser Welschriesling trägt das Licht des Ostens in sich – aber mit der inneren Ordnung eines großen Weißweins. Kein Schnickschnack, kein Statement. Nur Rebsorte, Rebe und Region – in idealer Balance. Heinz Velichs Welsch von alten Reben ist ein stiller Monumentwein. Und einer der ganz großen Beweise dafür, dass Welschriesling heute mehr denn je das Potenzial hat, ganz vorne mitzuspielen – wenn man ihn denn lässt. Ich denke hier am ehesten an große Aligoté von der Stilistik her, der Vergleich passt wahrscheinlich am besten. Faszinierender Stoff!