Saint Joseph Vieilles Vignes 2020

Michel Tardieu - Nordrhone

Saint Joseph Vieilles Vignes 2020

voluminös & kräftig
frische Säure
pikant & würzig
99–100
100
2
Serine 100%
5
rot
13,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2055
Verpackt in: 12er OHK
3
Lobenberg: 99–100/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Saint Joseph Vieilles Vignes 2020

99–100
/100

Lobenberg: 2020 gab es an der Rhône insgesamt relativ normale Mengen. An der Nordrhône vielleicht sogar etwas mehr als im Durchschnitt. Dort geht 2020 sicherlich als ein Jahrhundertjahrgang in die Geschichte ein. Die Tardieus vergleichen 2020 mit einer Mischung aus dem superklassischen und frischen Jahr 2016 und der Tiefe und Dichte aus 2015. Auf keinen Fall so extrem fett und üppig wie 2018 und 2019, sondern deutlich klassischer. Deshalb ist 2020 aus ihrer Sicht einer der ganz großen Jahrgänge überhaupt an der Nordrhône. Im Norden gab es 2020 keinen richtigen Trockenstress für die Reben, weil es im August ein paar Regenfälle gab. Sie kamen genau zur richtigen Zeit. Die Lese startete recht früh, bei Tardieu am 10. September. Also deutlich früher als in anderen Jahren. Insgesamt ist es ein saftiger, langlebiger, dichter und reifer Jahrgang, ohne Überreife, ohne übermäßig Fett wie in 2019 und 2018. Ein richtig klassisches Jahr an der Nordrhône, aber klassisch mit einem Plus an einer Form von Reife, die es früher so nicht gab. Ob Norden oder Süden – in Summe ist 2020 an der Rhône ein großes Jahr. Balancierter und harmonischer als das Kracher-Jahr 2019. Der Saint-Joseph wächst ausschließlich auf Granitböden. 100 Prozent Petite Syrah. Oder Serine, wie die uralte, kleinbeerige Form der Syrah hier genannt wird. Die Reben sind über 100 Jahre alt, sie wurden kurz nach der Reblauskirse angepflanzt. Ein kleiner Teil Syrah ist auch mit in der Cuvée, diese Reben sind 60 Jahre alt. Der Alkoholgehalt liegt bei 13,5 Volumenprozent. Die Hälfte der Trauben wird vor der spontanen Fermentation in Betontanks zur Hälfte nicht entrappt. Der Ausbau erfolgt für 12 Monate in Barriques, zum Teil neues Holz, zum Teil Zweitbelegungen. Danach für weitere acht Monate in großen Holzfudern von Stockinger. Die Weine werden nicht geschönt und nicht filtriert, bevor sie in die authentischen Burgunderflaschen mit Naturkork gefüllt werden. Schon die Nase dieses Saint-Joseph ist Côte Rôtie pur – unglaublich! Eigentlich braucht man gar keinen Côte Rôtie mehr kaufen. Enorm dichte Veilchennase, satte rote Frucht, so reif. Hagebutte, rote Kirsche und Schattenmorelle, dahinter gelbe Frucht. Satte Veilchen, helle Lakritze und dieser Anteil Rappen im Zusammenspiel mit den Granitböden. Wenn einem das als glatter 100 Punkte Côte Rôtie vorgesetzt wird, glaubt man es immer. Das ist in der Nase ein bisschen wie ein Lancement von Ogier. Hintenraus kommt etwas Grafit. Wirklich eine berauschend schöne Nase. Das ist ein Top Saint-Julien aus Bordeaux, verpflanzt an die Rhône. Ein burgundisch ausgefallenes Jahr von Léoville Poyferré aus Côte Rôtie – so kommt dieser Saint-Joseph rüber. Total feines Tannin, geschliffen, nichts Grobes, einfach nur schick. Dahinter diese 50 Prozent Rappen, also eine wunderbare Krautwürze, leicht grünlich. Sie vermählt sich mit der Frucht, die sich mit der hohen Mineralität lang durchzieht. Der Wein steht für zwei Minuten. Es bleibt aber immer extrem fein, komplex und verspielt. Das ist so unglaublich fein wie ein Château Jean Faure aus Saint-Émilion. Eine Ode an die Freude, ein unanstrengender, spielerischer, aromenstarker Saint-Joseph, der einen nicht niederknien lässt, sondern einfach nur eine große Freude darstellt. Der beste Saint-Joseph, den ich bisher bei Tardieu und wohl überhaupt probiert habe. Wirklich großes Kino! Ich lasse Luft in der Bewertung für den Hermitage, den Cornas und den Côte Rôtie. 99-100/100

Mein Winzer

Michel Tardieu – Nordrhone

Michel Tardieu ist inzwischen legendär und einer der besten Weinmacher Frankreichs. Robert Parker u. v. a. überhäuften ihn zu Recht mit Superlativen. Sehr oft arbeitet er an der Rhone und in anderen Regionen mit seinem Freund Philippe Cambie zusammen.