Riesling Tausend Sterne *** 2021

Alexander Laible: Riesling Tausend Sterne *** 2021

Zum Winzer

95–97
100
2
Riesling 100%
5
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2023–2035
Verpackt in: 6er
9
mineralisch
exotisch & aromatisch
3
Lobenberg: 95–97/100
6
Deutschland, Baden
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Tausend Sterne *** 2021

95–97
/100

Lobenberg: Dieses ist quasi das „Große Gewächs“ des Weingutes. Das ist eine bestimmte Parzelle mit den ältesten Reben vom Kalkmergel. Der Wein wächst in Baden-Baden-Sinsheim auf Granitböden mit Kalk und Verwitterungsgestein. Zwei Wochen vor der Lese wird das untere Drittel noch mal mit der Schere herausgeschnitten. Alexander füllt seine Weine ungewöhnlich früh. Ende März sind alle Weine, auch dieser, auf der Flasche, weil er hier in der Ortenau lange Hefelager ablehnt, die Weine haben schon selbst genug Dichte. Ein Wein durchaus mit Anspruch und Konzentration. Aber gar nichts wuchtiges oder fettes. Alexanders Weine stehen ja in der Ortenau, großteils in Sinsheim. Das sind kühle Standorte, man darf nicht an fettes oder heißes Baden denken, nein, das sind andere Standorte die Alexander hier hat. Es sind kühlere, windige Hochlagen. Alexander sagt, dass diese Weinberge noch sicher 20 Jahre dem Klimawandel standhalten und weiterhin kühle, saftige und feine Rieslinge bringen wird. Die Mostgewichte bleiben hier immer recht stabil, liegen leicht über 90 Oechsle selbst in heißen Jahren. Alexanders Weg ist eben das nicht so lange Hefelager und die Ertragsreduktion. Der Tausend Sterne stellt in der Kollektion das GG dar, wenn man es mit VDP Maßstäben messen würde. Dieser Wein fasziniert schon von der ersten Nase an. Das ist eine Einladung, das ist eine Umarmung, das ist ein Wein, der sofort sagt: „Trink mich!“. Dieser 1000 Sterne hat alles, was Alex Laible ausmacht und vielleicht auch sein Faible ist, er ist gewissermaßen ein Workaholic und ein Perfektionist, der immer wieder verblüfft. Man wird bei Alex Laible nie Weine finden, die nicht lecker sind, die nicht saftig sind, die nicht einfach extrem süffig und trinkig sind. Aber so geschmackvoll, saftig und charmant seine Weine sind, man sollte nie ihr Potenzial unterschätzen. Die Topweine haben alle eine satte Konzentration und perfektionistische Klarheit und Feinschliff. Alex selbst ist ein Rieslingfreak, das spürt man hier sofort. Der 1000 Sterne ist glockenhell und kristallin, zeigt viel Kalkstein, auch Feuerstein, schlanke grüne Birne, schlanke Mirabelle, Apfelblüte, alles ganz fein und zart. Das ist Alex‘ elegantester Wein, er hat am meisten Noblesse und Feinsinnigkeit. Der Mund erinnert fast an einen Burgunder in seinem Schmelz aus weißem Pfirsich und Kalkstein, so cremig und dicht, man wird mitgerissen von dieser substanziellen Kraft, die aber gar nicht laut ankommt, sondern immer auf der feinen Seite bleibt. Dennoch ist die Kraft und die Dichte auch in 2021 enorm, trägt einen fast aus der Kurve mit seiner pikanten Frische, weißer Pfeffer, Ingwerschärfe, Kreide, ein paar Zitruszesten, all das gibt eine gute Definition und Schliff unter die köstlich-cremige Frucht. Das Salz zieht an den Papillen, das ist ein Riesling im Turbomodus, hier ist richtig was los am Gaumen. Und doch ist das entscheidende Stichwort hier die Eleganz, bei aller Kraft ist das Alex‘ feinster Wein. 95-97/100

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

Mein Winzer

Alexander Laible

Im Jahr 2007 war es so weit: Alexander Laible, Jahrgang 1978, der jüngere Sohn des erfolgreichsten Rieslingwinzers in Baden, erfüllte sich den Traum eines eigenen Weinguts im heimischen Durbach.