Peter Jakob Kühn

Riesling St. Nikolaus Großes Gewächs trocken 2017

BIO

97–100
100
2
Riesling 100%
5
weiß
13,0% Vol.
Trinkreife: 2021–2047
Verpackt in: 6er
3
Lobenberg: 97–100/100
Pirmin Bilger: 20/20
Elias Schlichting: 99–100/100
Weinwisser: 19+/20
6
Deutschland, Rheingau
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling St. Nikolaus Großes Gewächs trocken 2017

97–100
/100

Lobenberg: Hier haben wir die ältesten Reben der Kühns, über 50 Jahre alt. Der Weinberg liegt direkt am Rhein. Sand- und Quarzitböden. Die am frühesten reifende Lage überhaupt. Mit einer wahnsinnig schönen Luftzirkulation. Durch die Breite des Rheinstroms ist ständig Wind im Weinberg. Entsprechend nie Fäulnisdruck. Aber die Reife auf diesen eleganten Böden macht aus dem Nikolaus im Grunde einen so überragend elegantes und vor allem sehr cremiges GG. Die besten 1000 Quadratmeter von 1954 aus dieser Lage gehen in den Schlehdorn, der noch ein Jahr später auf den Markt kommt. Der Rest der Reben stammt aus dem Jahr 1974, ist jetzt also auch schon fast 50 Jahre alt und bleibt als Sankt Nikolaus GG auch schon deutlich länger als der Standard auf der Hefe. Peter Jakob Kühn bzw. sein Sohn Peter Bernhard haben die Ausbauzeiten ja vor Jahren schon verändert. Die normalen GGs Nikolaus und Doosberg liegen jetzt für zwei Jahre im großen Holzfass – erst auf der Vollhefe, dann auf der Feinhefe. Der 2017er ist für 15 Monate auf der Vollhefe im Stückfass verblieben, also 3 Monate weniger als der 2015, dann Abstich und nochmals 6 Monate auf der Feinhefe vor der Füllung. Und alle, die inzwischen auf einen längeren Ausbau umgestellt haben, von Ernie Loosen mit seinem Reserve bis zu Gut Hermannsberg, wissen wie dieses lange Lagern auf der Hefe im Holz den Weinen Flügel verleiht. Hier haben wir eine ganz andere Nase, weil sich durch den langen Ausbau eben diese gewünschte Cremigkeit einstellt. Aber nicht so wie bei den Pfälzer Weinen, sondern wir bleiben in der Entspannungswelt, fast moselanisch, fast zart. Fast Saar-artig und das im Rheingau. Aber eben mit dieser wunderbaren, reifen Frucht. Die Nase ist so unendlich fein, so verspielt. Ich finde das Duo Sankt Nikolaus und aus den ältesten Reben ein Jahr später Schlehdorn einfach eine der schönsten Ausprägungen, die Riesling überhaupt annehmen kann. Der Nikolaus ist der filigranere und für manche vielleicht sogar der angenehmere kleine Bruder des Schlehdorn, der ja ein potenzieller Überwein ist, für den die 100 Punkte oft nicht ausreichen. Dieser 2017er ist so unendlich fein, zart und reintönig in europäischer Frucht laufend, mit so viel Schmelz, so viel Orangenzeste, aber nichts Schwülstiges, ganz fein und filigran, schöne florale Noten dazu. Der 2017er zeigt im Mund die natürliche Frische des Jahrgangs, die intensive Frucht und anders als der zurückhaltende Schick und die Eleganz aus 2016 ist 2017 ein bisschen lauter, ein bisschen expressiver im Druck und der fordernden Frucht. Das Spiel auf der Zunge ist enorm pikant, die Säure punktgenau, schmelzend reif und elegant, aber doch auch sehr lebhaft, fast etwas frech in 2017. Dieser mineralische Nerv aus dem Quarzit durchzieht den Wein wie eine feine Salzspur, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Der Wein bekommt nach der Abfüllung nochmals ein halbes Jahr Zeit in der Flasche und ich persönlich würde raten ihn für weitere 3 bis 4 Jahre ruhen zu lassen, weil 2017 mit dieser fordernden Art, dieser intensiven Frucht, gepaart mit dieser langen Zeit auf der Hefe einfach ein bisschen Zeit braucht, um sich zu vermählen. Ein deutscher Top Riesling in unikathafter Ausprägung, was die beiden Peters hier auf dem Weingut in die Flasche füllen, ein wunderbarer Wein. 97-100/100

20
/20

Pirmin Bilger über: Riesling St. Nikolaus Großes Gewächs trocken

-- Pirmin Bilger: Der St. Nikolaus stammt von einer Uferlage, von welcher auch der Schlehdorn stammt. Dort stehen die ältesten Reben, welche 1954 gepflanzt wurden. Sandiger Boden mit Kalk bilden das Terroir. Im Bouquet wirkt der St. Nikolaus mit seinem feminineren Duft wesentlich eleganter und feiner als der Doosberg. Hier haben wir Aprikose und eine Vielfalt und gelben Steinfrüchten. Noble Kräuter unterstützen seine zart kühle Aromatik und verleihen ihm eine besondere Würze. So pur, so rein so herrlich mineralisch frisch am Gaumen. Hier haben wir noch etwas Zitrone nebst den Steinfrüchten im Spiel. So verspielt mit einer tänzerischen Leichtigkeit, geht er gekonnt mit seiner Kraft um und präsentiert sich zu jeder Zeit unheimlich zugänglich und filigran. Was für ein Glanz, mit welchem dieser Wein ausgestattet ist. Es wird ganz still um uns und alle sind der Sinnlichkeit dieses Weines verfallen. 20/20

99–100
/100

Elias Schlichting über: Riesling St. Nikolaus Großes Gewächs trocken

-- Elias Schlichting: Nikolaus hat wie meistens die etwas abgespacetere, vibrierendere Nase im Vergleich zum Doosberg. Grüne und gelbe Quitte, gelber Pfirsich auch reife Zitrusfrucht, feiner Hefeschleier, animierend und ins Glas ziehend. Der Mund ist fast noch feiner als beim Doosberg, noch schwebender, leichtfüssige Intensität, zurückhaltend-elegante Aromatik, in sich ruhend, aber mit der intrinsischen Spannung und der druckvollen, beeindruckenden Säurestruktur von 2017 bekommen sowohl Doosberg als auch Nikolaus nochmal einen besonderen Kick, einen unaufhaltsamen Auftrieb zu ihrem ansonsten sehr ausgeglichen-geerdeten, harmonisch-horizontalen Charakter. Ich kann keinen der beiden höher bewerten, weil sie für mich auf einen Niveau sind. Nikolaus etwas feiner und gleichzeitig expressiver, Doosberg die reinste Harmonie, die mich unerklärlich etwas mehr anzieht. 98-100/100

19+
/20

Weinwisser über: Riesling St. Nikolaus Großes Gewächs trocken

-- Weinwisser: Enorm konzentrier- tes, weit gefächertes, dichtes und intensi- ves Bouquet mit reifen, gelb- und rotfruch- tigen Aromen sowie Kräuteressenzen und Blütennoten, das Holz von Stockinger schwingt zwar noch mit, ist aber extrem fein eingebunden. Auch am Gaumen zwar wieder dicht, tiefgründig und weit ausla- dend, dabei sehr detailliert und enorm traubig, in sich ruhend und majestätisch. Die Textur ist seidig ohne Ende und zeigt sich zum langen Finale hin sehr salzig. Grosser Spannungsboden aus Feinheit, Würze und Eleganz: Wunderbar durchdekliniert. 19+/20

Mein Winzer

Peter Jakob Kühn

Dass man nicht immer Mainstream sein muss, um großen Erfolg zu haben, beweist Familie Kühn mit Ihrer herausragenden Arbeit als Demeter-Aushängeschild des Rheingaus. 1978 übernahmen Angela und Peter Jakob Kühn das Gut in Oestrich-Winkel von Peters Vater, der kurz darauf nach langer Krankheit...