Riesling Kiedrich Gräfenberg Großes Gewächs 2019

Robert Weil Riesling Kiedrich Gräfenberg 2019

Zum Winzer

100+
100
2
Riesling 100%
5
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2055
Verpackt in: 1er
9
mineralisch
frische Säure
3
Lobenberg: 100+/100
Suckling: 97/100
Falstaff: 97/100
Parker: 96/100
Weinwisser: 18,5/20
Gerstl: 20+/20
6
Deutschland, Rheingau
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Kiedrich Gräfenberg Großes Gewächs 2019

100+
/100

Lobenberg: Der Kiedricher Gräfenberg ist sicherlich eine der berühmtesten Lagen Deutschlands. Robert Weil ist einer der Mitbegründer der VDP „Großen Gewächse“, die zuerst unter dem staatlich begründeten Namen „Erstes Gewächs“ vermarktet wurden. Der Gräfenberg ist eine Monopollage des Weinguts mit relativ großen Mengen, aber mit einem sehr speziellen Terroir. Steile Lagen, kühl, und einige hundert Meter hoch. Weil ist eine der absoluten Benchmarks im GG schlechthin und speziell auch für dieses Jahr, und seit vielen Jahren ist Weil eine sichere Bank für die absolute Spitze im trockenen und süßen Bereich. Auf diese Weine war ich demnach sehr gespannt, weil 2019 doch ein so extremes Jahr ist. Alles, was ich bisher aus 2019 probiert habe, zeigt die wahnsinnige Frische, die enormen Extraktwerte, Spannung und Mineralität aus 2010, verbunden mit der saftig-reifen und reichen Frucht aus 2018. Wie hat das Weingut Weil diesen Spagat in die Flasche gebracht? Die Nase des 2019ers ist in jedem Fall sehr explosiv. Weit weniger fein und erhaben als der extrem schicke und leicht abgehobene 2018er. 2019 zeigt eine unglaubliche Frische. Völlig clean, keine Botrytis. Und trotzdem eine leichte Exotik. Kandierte Mandarine, kandierte Orange. Das Ganze mit etwas Maracuja unterlegt. Waldmeister, ein bisschen süßes Jasmin. Unglaublich duftig, fast explosiv. Der sonst eher stylische und geradlinig fokussierte Gräfenberg kommt hier mit einer Wildheit und Intensität aus dem Glas, die ich lange, lange nicht mehr so erlebt habe. Der Spagat zwischen 2010 und 2018 ist als Vergleich absolut erlaubt und zulässig. Ein bisschen Erinnerung an 2013 und in der Lautstärke an 2015. Aber doch über beiden thronend. Was für eine Intensität in der Nase. Das Ereignis kommt genauso in den Mund. Allerdings – und das ist das Gute – er hat ganz sauber definierte Kanten. Er hat diese Exotik, er hat diese extreme Spannung aus der wahnsinnigen Frische, aber die Säure ist niemals spitz, das ist nur Weinsäure, keine Apfelsäure. Das ist super, super kristallin und geschliffen, strahlend, und geht hintenraus mit einem wunderschönen und leicht exotisch-süßen Schwänzchen mit Mandarine, Orange und ein bisschen Maracuja. Vor allem die Pikanz aus der Maracuja, dieser hohe Oszillograph zwischen der Süße und Säure – faszinierend. Und trotzdem ist der Gräfenberg von Weil letztlich wieder auch ein sehr fokussierter und mittig-laufender Wein. Ich hatte direkt davor den Abtsberg von Maximin Grünhaus, der noch ein bisschen überbordender war in alle Richtungen. Wir sind hier auf dem gleichen Level, nur dass der Gräfenberg etwas sauberer und definierter ist. Es ist auch klar, dass dieser 2019er Jahre braucht und Jahrzehnte hält. Was für ein Jahr! Ich schwelge oft in Superlativen bei diesem Weingut, speziell bei diesem Wein. Aber 2019, mit diesem extremen Spannungsfeld zwischen 2010er-Frische, -Mineralität und -Extrakt und 2018er-Reife, fällt aus meinem Vergleichsrahmen. Es ist leicht, immer wieder mal zu sagen «Best ever». Aber zumindest ist 2019 ein Unikatswein und ein Wein, der – obwohl er so intensiv ist – überhaupt nicht anstrengt und zitruslastig ist, sondern durch seine Reife und wunderschöne Zuckrigkeit den Gegenpol zur Frische und Säure perfekt bildet. Eine ganz große Freude, jetzt, aber sicherlich für Jahrzehnte. Was für ein großes Jahr für dieses Weingut und für Deutschland. 100+/100

Jahrgangsbericht

Nach einem erneut eher milden Winter kamen Austrieb (März) und Blüte (Mitte Mai) wieder recht früh in 2020. Es folgte ein warmer Sommer, der aber weniger extreme Hitzespitzen wie 2019 und 2018 hatte und vor allem durch kühlere Sommernächte eine robuste Säurestruktur erhalten konnte. Häufig wird vergessen, dass Hitze und vor allem Trockenheit nicht nur die Zuckerentwicklung, sondern auch die Säuren und Gerbstoffe durch niedrige Erträge und dicke Beerenschalen aufkonzentrieren. Dieser mediterrane Powersommer hat dem Burgund Mitte August den frühsten Lesestart seit 2003 beschert, dennoch wurden die vollen 100 Tage Reifezeit nach der Blüte erreicht bis zur Lese. Aufgrund der sehr trockenen Verhältnisse waren die Trauben weitgehend kerngesund und vollreif – Fototrauben soweit das Auge reicht! Wohingegen an der Côte de Beaune fast durchschnittliche Mengen Chardonnay geerntet werden konnten, war der Ertrag beim Pinot Noir an der gesamten Côte d’Or durch die winzige Beerengröße geringer noch als im Vorjahr 2019. Die Chardonnays betören mit dem selben imposanten Fruchtdruck und einer Power wie 2019. Sie wirken allerdings schlanker und feiner, auch aufgrund von lebhafteren Säuren, die eher an 2017 denken lassen. Es ist mit 2014 und 2017 ziemlich sicher das beste Weißweinjahr der letzten 10 Jahre. Die Balance der weißen 2020er ist herausragend! Die Pinot Noirs sind etwas weniger einheitlich balanciert. Je nach Terroir und Erntezeitpunkt, changieren sie zwischen bestechender Eleganz, Kühle und Finesse bis hin zu gewaltiger, mediterraner Struktur mit hoher Reife bis hin zur Überreife in einigen Fällen. Die topgesunden Beeren waren dickschalig, klein und kernig und gaben nur widerwillig ihren hochkonzentrierten, hochintensiven Saft preis. Die Fruchtfülle und das Parfüm der roten 2020er ist gewaltig, wie dichte Wolken aus Waldfrüchten und dunkler Kirsche schiebt es tieffarbig und reich aus dem Glas. Die Konzentration ist berauschend, die besten 2020er stellen die exzellenten Vorjahre sogar noch in den Schatten – in der Spitze war absolute Weltklasse möglich in diesem Blockbusterjahr. 2020 ist ein beeindruckendes und großes Jahr, das bei den Top-Domaines mit zum besten zählt, was es in den letzten Jahrzehnten gab. Zurücklehnen und genießen mit den verführerischen Pinots und sich mitreißen lassen von den berauschenden Chardonnays. Die erneut kleinen Erträge und der harte Frost in 2021 erzeugen weiter Mengendruck auf das Burgund und die besten 2020er werden schnell rar und gesucht sein.

97
/100

Suckling über: Riesling Kiedrich Gräfenberg Großes Gewächs

-- Suckling: Deep, dense and subtle, this is an imposing wine, yet remains so vital and animating. Shimmering with a thousand facets, but also with a forthright, nectarine note that makes it instantly appealing. Brilliant finish that reminds us what it's like to be up in high mountains – the light, the air. 97/100

97
/100

Falstaff über: Riesling Kiedrich Gräfenberg Großes Gewächs

-- Falstaff: Dezente Mineralnoten, blumig, Orangenschale, komplex, aber noch unentfaltet. Im Mund geradezu adstringierend dicht, eindringlich taktil-mineralisch, ein fast schmerzhaft dichtes Extraktpaket auf geschmeidig-süßem Fond, mit knackiger Säure und makelloser Balance. 97/100

96
/100

Parker über: Riesling Kiedrich Gräfenberg Großes Gewächs

-- Parker: The 2019 Kiedrich Gräfenberg Riesling Trocken GG offers a concentrated, super ripe yet elegant and slightly flinty bouquet with raisiny notes. On the palate, this is a full-bodied, pure, fresh and tight, dry and persistently salty and structured Gräfenberg with a long and intense, beautifully tensioned and persistent, firmly structured finish with fine mineral and phenolic grip. Tasted at the domain in August 2020. 96/100

18,5
/20

Weinwisser über: Riesling Kiedrich Gräfenberg Großes Gewächs

-- Weinwisser: 100 % im Stück- und Doppelstückfass vergoren. Der stilistische Wandel zu mehr Reduktion, Kühle und Festigkeit schreitet weiter voran. Feinparfümiertes, hellstrahliges Bouquet mit weissen Früchten, kühl und würzig wirkender Mineralik. Auch am Gaumen geht es kühl und eng verwoben weiter mit würzig-mineralischen Noten, linear ausgerichteter Struktur, ganz sicher einer der besten Gräfenbergs in der vergangenen Dekade mit enormen Reifepotenzial. Top-3 im Rheingau aus 2019. 18,5/20

20+
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Gerstl über: Riesling Kiedrich Gräfenberg Großes Gewächs

-- Gerstl: Das ist delikat, ein Duft von verblüffender Feinheit, er berührt nur ganz zart die Nase, aber in diesem beinahe unscheinbaren Duft verbirgt sich eine immense Vielfalt. Mineralität spielt die erste Geige, verführerische Frucht im Hintergrund, dieser sublime Duft packt meine Sinne, es braucht volle Konzentration, um alles voll auszukosten, aber das ist ein berührendes Erlebnis. Das ist wohl das bisher delikateste der vielen grandiosen Gräfenberg GGs der letzten Jahre, eine strahlende Riesling-Schönheit, herrlich trocken, von dezent süssem Extrakt getragen, erfrischend rassig, aber auch mit viel samtigem Schmelz unterlegt. Verspielte, unfassbar vielfältige Aromatik, das ist ein himmlisches Meisterwerk des Rieslings, da ist von allem noch ein wenig mehr und doch von nchts zu viel, Perfektion mit Zugabe. 20+/20

Mein Winzer

Robert Weil

Schon von weitem erkennt man die Flaschen von Robert Weil an ihrem charakteristischen Himmelblau. Nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt steht diese Farbe für Spitzen-Rieslinge auf absolut höchstem Niveau. Ein Markenzeichen, symbolisch für die kompromisslose Qualität der Weine von...