Riesling Kalkmergel *** 2021

Alexander Laible: Riesling Kalkmergel *** 2021

Zum Winzer

93–94
100
2
Riesling 100%
5
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2022–2032
Verpackt in: 6er
9
mineralisch
exotisch & aromatisch
3
Lobenberg: 93–94/100
6
Deutschland, Baden
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Kalkmergel *** 2021

93–94
/100

Lobenberg: Die Reben für den Kalkmergel sind über 60 Jahre alt. Das ist im Grunde die Turboversion des normalen Gutsrieslings SL. Der Wein hat einfach viel mehr Druck von unten, ist gleichzeitig etwas weniger fruchtig und wirkt etwas steiniger. Ein satter Schub Litschi, Orangenblüte, Mandarine, total reif, schmelzig, saftig, dazu auch schöne Kalksteinunterlegung. Kaum ein Winzer ist mit seinen Rieslingen so nah am Aroma von frischer Weintraube wie Alex Laible, Wilhelm Weils Rheingauer haben das auch oft. Die Klarheit ist bestechend, dazu dieses saftige Spiel aus der wunderbaren Apfel-Birnen-Kombination, die badischen Rieslinge hat es richtig gut getroffen in 2021. Sie haben zu dieser vibrierenden 2021er-Frische eben auch den Schmelz, die Dichte und Kraft, aber gar nichts wuchtiges oder fettes. Alexanders Weine stehen in der Ortenau, großteils in Sinsheim. Das sind kühle Standorte, man darf nicht an fettes oder heißes Baden denken, nein, das sind andere Standorte die Alexander hier hat. Im Mund haben wir beides, dieses unglaublich leckere aus dem SL, aber vor allen Dingen auch viel Schub aus der saftigen Frucht. Das ist ein wunderschöner Traubensaft, weißer Pfirsich, ganz milde Limette, Kalkstein, kühl und rassig, wie ein Riesling sein muss. Ob man hier blind auf Baden tippen würde? Ich glaube kaum. 93-94/100

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

Mein Winzer

Alexander Laible

Im Jahr 2007 war es so weit: Alexander Laible, Jahrgang 1978, der jüngere Sohn des erfolgreichsten Rieslingwinzers in Baden, erfüllte sich den Traum eines eigenen Weinguts im heimischen Durbach.