Thomas Haag / Schloss Lieser

Riesling Graacher Himmelreich Großes Gewächs trocken 2020

frische Säure
mineralisch
97–100
100
2
Riesling 100%
5
weiß
13,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2051
Verpackt in: 6er
3
Lobenberg: 97–100/100
6
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Graacher Himmelreich Großes Gewächs trocken 2020

97–100
/100

Lobenberg: Diese Lage hat Thomas Haag erst vor einigen Jahren erworben. Sehr alte Reben. Dies ist eine der auch von der Ausdehnung großen Spitzenlagen der Mosel mit fast mythischem Klang. Die Lage schließt sich an den Graacher Domprobst an und liegt in unmittelbarer Entfernung zur Wehlener Sonnenuhr. Sie ist sicherlich auch wegen Prüm eine der bekanntesten Lagen für Süßweine. Aber Thomas Haag macht hier ein Großes Gewächs, keinen restsüßen Wein. Das Himmelreich ist dunkler und kerniger in der Mineralität als die benachbarte Wehlener Sonnenuhr, die immer die große Feinheit ist. Thomas lässt die Großen Gewächse immer lange gären und es dauert lange, bis sie überhaupt filtriert und abgestochen werden, bis Anfang Juli. Dann werden sie im Spätsommer gefüllt. Die Nase dieses GGs ist kristallklar und hochfein, aber durchaus intensiv. Von weißen, leicht grünlichen Früchten dominiert, aber gar nicht unterreif, sondern im besten Sinne schlank und fokussiert. Diese extreme Präzision der Weine von Thomas Haag ist schon erstaunlich, so geschliffen und direkt, steinig und pur in der Schiefermineralität. Aber zugleich ist es nie karg, hat immer auch etwas Verspieltes, Tänzerisches. Beim Himmelreich kommt noch eine geheimnisvolle, dunkle Mineralität durch, so ein ganz kühler Kern aus dunklem Gestein liegt in diesem Wein. Dazu aber als Puffer eine warme, reife Zitrusfrucht mit Grapefruit, Litschi und schlanker Quitte. Intensive Würze zeigend. Weniger üppig und drückend als letztes Jahr, mehr Finesse, leiser und schlanker in der Art. Eine tolle Intensität im Mund, eine irre Spannung, eine Pikanz, denn dieser Wein hat richtig tolle, mineralische Schärfe. Er hat im Gegensatz zum Brauneberg keinerlei Bitterkeit. Er ist völlig botrytisfrei, ganz puristisch, aber mit einer salzig, mineralischen Schieferschärfe, die sich unendlich zieht. Und dazu diese feine Süße und diese sehr lebendige, frische Säure. Jedenfalls ist das kein reiner Powerwein, sondern ein filigranes Schieferwerk, das auf der Zunge tanzt. Kristallin und salzig unterlegt geht es nur geradeaus mit der kernigen Mineralität eines Chablis 1er Fourchaume. Im Nachhall packt dann der unaufhaltsame Schiefergrip nochmal zu und löst sich in feinem Salz auf. Es wirkt geschliffener und geradliniger als das etwas expressivere, wildere Goldtröpfchen. Aber im extrem langen, schlank und rassig definierten Finale kommt diese dunkle, fast mysteriöse Mineralität wieder zum Tragen. Ein Highlight in 2020. 97-100/100

Mein Winzer

Thomas Haag / Schloss Lieser

Ein klassischer Wein von der Mittelmosel stellt so ziemlich das luftigste und leichteste dar, was an Wein möglich ist. Dabei sind es keine Leichtweine, sondern äußerst vielschichtige Tropfen mit subtilem Gleichgewicht, wenn sie so gelungen sind wie die Weine von Thomas Haag.