Lobenberg: Der Erdener Prälat ist schon für sich genommen eine Legende und ein mythisch überhöhter Ort. Hier haben wir 120 bis 130 Jahre alte wurzelechte Einzelpfahlstöcke, nur wenige tausend Quadratmeter groß. Jeder Winzer schätzt sich glücklich in dieser winzigen Lage etwas sein eigen zu nennen. Die Extremversion als Amphitheater des benachbarten Erdener Treppchens. Also die Eleganz Erdens mit diesem dunklen Schiefer in Kombination mit diesem Brennglas von Exposition mit diesen uralten wurzelechten Reben. Das ist schon ziemlich einmalig in dieser Form an der Mosel. 13% Alkohol sprechen für eine hohe Reife und den Wunsch den Wein im trockenen Bereich zu halten. Die Nase ist noch deutlich geprägt von der Vergärung im kleinen Holz, Kokos und Kaffee zusammen mit weißem und gelbem Steinobst und einem immensen Blumenstraus an weißen und gelben Blüten. Dazu eine Schiefermineralik die schon fast in der Nase sticht vor Intensität. Super-individuell und eigenwillig. Bei 13% kommt der Wein ob seiner extrem hohen Reife fast mit einer gewissen Süße im Mund, die den Gaumen mit einer Harmonie flutet, wie man sie selten trifft. Aus den Tagen als Ernie Loosen noch Prälat als GG gemacht hat und auch eine Auslese Goldkapsel weiß man noch wie schwer das zu schlagen ist, weil es so eine eigene Dimension darstellt. So fein verwoben, Riesling in typischer Ausprägung mit viel Quitte, Orange, Blüten, viel weißem Steinobst, etwas Feige darunter, Reneklode, was eben eine unglaubliche Eleganz ausmacht. Nichts Lautes, nichts Zitrushaftes, nichts zu Dominantes. Auch der Schiefer bildet nur eine feine Unterlage auf dem alles tanzt. Man muss sich auf diese unendliche Feinheit einlassen. Dieses Verträumte, das den Genießer in süßer, blumiger Harmonie fast überschwemmt. Eine Balance wie man sie extrem selten ins Glas bekommt. Die Parzelle im Prälat von Molitor hat gerade einmal 500 Quadratmeter. Es ist schon famos wie man so viel Ausdrucksstärke so harmonisch verpacken kann. Da der Wein auch nicht gerade günstig ist, empfehle ich doch eine längere Riesling-Erfahrung mitzubringen. Das ist wie bei einem Romanée-Conti, es macht nur Sinn ihn zu trinken, wenn man ihn auch würdigen kann. Auch hier ist die 100 Punkte Skala eigentlich zu eng. 100+/100