Pio Cesare war zusammen mit Angelo Gaja einer der ersten Chardonnay-Pioniere im Piemont. Die ersten 1,5 Hektar wurden 1981 in Treiso gepflanzt, in direkter Nachbarschaft der Lage, die den Löwenanteil von Gajas Gaia & Rey ausmacht. 2000 kam eine weitere Chardonnay-Lage in Serralunga dazu, und ab 2014 noch zwei weitere Hektar in der Spitzenlage Mosconi in Monforte d’Alba, wo Pio Cesare im selben Jahr insgesamt zehn Hektar erstehen konnte. Die Entwicklung des Chardonnays wurde ursprünglich mit Hilfe der Freunde vom Weingut Robert Mondavi eingeleitet. Dies spürte man bis 2018 durch den relativ starken Holzeinfluss deutlich, denn ursprünglich wurde der Piodilei in 100 Prozent Neuholz ausgebaut. Seit dem Jahrgang 2020 beginnt die Gärung im Stahltank und nach einem Tag wird der Most in Barriques überführt. Während der ersten drei Monate wird der Wein im Fass aufgerührt (Batonnage), denn so verleiht die Feinhefe dem Wein zum einen seine feine, griffige Textur und zum anderen seine cremige Aromatik. Ein Drittel der Fässer sind neu, ein Drittel Zweitbelegung und ein Drittel Drittbelegung. Nach einem Jahr wird der Wein abgefüllt und reift weitere acht bis zehn Monate auf der Flasche, bis er auf den Markt kommt. Mittleres, leuchtendes Strohgelb mit einem Hauch jugendlichem Grün. Druckvoll schiebende, offene Nase. Reichhaltige, reife, rote und saftige gelbe Äpfel, Aprikosen und Steinobst. Der Holzausbau ist präsent und zugleich zart integriert. Vanille, Tonkabohne, weißer Pfeffer, Mandelmehl, etwas Kerzenwachs. Im Mund trifft dieser Piodilei spannungsgeladen, salzig und mit ebenso viel erfrischender gelber Frucht auf die Zunge. Auch hier haben wir saftigen weißen Pfirsich, duftende Mandarine, Kaki und Butternut Kürbis, Orangensaft und ein Hauch Salzorange mit wunderbarer, trinkanimierender Frische. Im Nachhall kommt diese verführerische, zarte Würze vom Holzausbau wieder in Wellen auf die Zunge. Stimmig und genial, zugleich ist dieser Wein so saftig, dass mir das Wasser im Mund zusammenläuft. Momentan ist der frisch abgefüllte Wein deutlich schiebender und dichter als es der Jahrgang 2022 in diesem Stadium war. Ein genialer Weißwein, der sich in den letzten Jahren in der obersten Weißwein-Liga Italiens etabliert hat und dennoch jedes Jahr noch eine Schippe drauf legt. Dieser Stoff kann so manchen Meursault in die Tasche stecken und wird mit Flaschenreife noch zulegen. Zudem ist er glücklicherweise noch vergleichsweise bezahlbar. »Ticks all boxes!« Absolut Top!