Lobenberg: Der Kellerberg »LBV« ist eine Wachauer Ausnahmeerscheinung – und das im besten Sinn. Schon die Herangehensweise an Ausbau und Reifezeit lässt aufmerken: Ganze drei Jahre Lagerung vor der Füllung, davon zwei im 1.200-Liter-Holzfass, anschließend fast ein weiteres im Stahltank. Diese gezielt verlangsamte Entwicklung sorgt für eine aromatische Tiefe und strukturelle Ruhe, die man im Veltliner-Kanon selten findet – und die sensorisch näher an große Burgunder wie Puligny-Montrachet oder gar an die Salinität eines Brézé erinnert als an den klassischen, fruchtbetonten Stil der Region. Im Duft ist dieser Veltliner Wein zunächst kühl und präzise, dann mit zunehmender Luft ein vielschichtiges Wechselspiel aus getrockneten Zitronenzesten, Kamillenblüte, weißem Pfeffer und nassem Stein. Die Frucht bleibt bewusst im Hintergrund – eher angedeutete Apfelhaut, dezent kandierte Limette und ein Hauch Williamsbirne. Auffällig ist die ätherische Frische, die sich mit Noten von Bienenwachs, heller Tabakwürze und feinster Rauchigkeit verbindet. Ein Ausdruck, wie man ihn sonst nur von Rebsorten mit natürlicher Säureader kennt – nicht aber von Veltliner, der hier gerade durch den zurückhaltenden Ausbau an Präzision gewinnt. Am Gaumen dann straff und klar, mit einer fast kristallinen Struktur. Die Frucht wirkt zurückgenommen, beinahe abstrahiert: ein Schimmer weißer Pfirsich, ein Hauch Zitronenmelisse, etwas weißes Nougat, eingebettet in eine salzig-mineralische Textur, die über Gesteinsmehl und nassen Granit erzählt. Die lange Hefezeit bringt keine Fülle, sondern Tiefe – einen subtil cremigen Unterton, der aber nie dominant wird. Das Tannin wirkt wie aus hellem Holz geschnitzt, kaum spürbar, aber strukturgebend. Die Säure – feinziseliert, pointiert – zieht den Wein klar bis ins lange, salzige Finish. Was diesen Wein so besonders macht, ist das Gleichgewicht zwischen Energie und Stille. Kein Ausbau auf Effekt, keine vordergründige Frucht oder schmeichelnde Holzwürze – stattdessen eine fast zen-artige Reduktion aufs Wesentliche. Der Reifeprozess auf der Hefe, der Verzicht auf Sedimentation, die Ganztraubenpressung – all das führt zu einem Wein, der weniger schmeckt wie ein prototypischer Veltliner und mehr wie die Interpretation eines Terroirs mit den Mitteln maximaler Zurückhaltung. Der Kellerberg zeigt hier, was möglich ist, wenn man Zeit zulässt und das Material sprechen lässt. Ein Veltliner Reserve, der seine Herkunft nicht ausstellt, sondern durchdringt. Und der dabei eine aromatische Sprache spricht, die eher an große, weiße Loire-Weine oder mineralische Burgunder erinnert – aber gleichzeitig unverkennbar Wachau bleibt. Groß!