Lobenberg: Der Chardonnay »Reserve« aus dem Kapellenberg ist quasi Philipp Kuhn’s Antwort auf einen Premier Cru aus dem Maconnais. Feiner Holzeinsatz, Dichte, Struktur und bei aller Mineralität dennoch auch mit grandiosem Fruchtdruck. Die Reben wurden bereits 1993, also vor über 30 Jahren gepflanzt. Spontan vergoren und ausgebaut im Barrique mit etwa einem Drittel Neuholzanteil. Bevor die Gärung abgeschlossen ist gibt es ab und zu mal Batonnage, also ein Aufrühren der Hefe. Der Wein verbleibt dann auch auf der Vollhefe im Fass bis er vor der nächsten Ernte gefüllt wird. Zu Beginn eine sehr rauchig-intensive Nase, aber durch den Kalkmergel Boden haben wir auch unglaublich viel Zug und Druck. Nasser Stein, auch jodige Noten und ein dezenter Hefeschleier. Dann kommen Anklänge von gelbem Steinobst und reifer Zitrone, sowie Aromen von saftigen Äpfeln und Walnuss zum Vorschein. Am Gaumen dann mit ordentlich Druck, komplett knochentrocken durchgegoren. Dazu dann eine wunderbare Aromatik aus gelbfruchtigen und auch rauchigen Noten. Helle Melone, reife Zitrone, grüner Speck, voluminös, aber überhaupt nicht ordinär werdend. Zupackender Tanningrip und eine feine Säureader in großer Wechselspannung. Schlotzig, saftig, animierend. Er behält eine etwas wilde Art, behält seine leicht phenolische, mineralische Griffigkeit hintenraus. Die Salzigkeit im langen Finale ist dann nochmal famos und klingt in schicker Cremigkeit aus. Chardonnay vom Kalkstein par excellence. 95+/100