Müller Catoir: Scheurebe Haardt Ortswein 2024

Müller Catoir: Scheurebe Haardt Ortswein 2024

BIO

VDP

Zum Winzer

Scheurebe 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2035
exotisch & aromatisch
leicht & frisch
Lobenberg: 93–94/100
Suckling zu 2023: 94/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Scheurebe Haardt Ortswein 2024

93–94
/100

Lobenberg: Die Scheurebe hat auch 2024 insbesondere von den recht hohen Niederschlägen profitiert, sie verträgt zwar Hitze, aber keine Trockenheit. Hier ist sehr gutes Traubenmaterial drin, eigentlich schon Oberkante für Ortswein. Ganz gesundes, penibel selektiertes Lesegut, gar keine Botrytis. Haardt zeichnet sich durch den seltenen besonderen gelben Buntsandstein aus, den es fast nur hier gibt. Typisch für Haardt ist die verwobene Tiefgründigkeit, diese sanft von unten anschiebende, steinige Mineralität, die ein bisschen wärmende Hände im Rücken gibt, sich aber erst mit einiger Reife voll entfaltet. Ein Ortswein in der Turboversion. Man merkt schon in der Nase, dass hier überhaupt keine Botrytis drin ist. So ultraklar, ganz präzise Frucht. Grüner Apfel, reife Grapefruitschale, feine weiße Blüten, Sommerflieder, ein kleines bisschen Limettenblatt. Da ist eigentlich kaum Exotik im Glas, nichts Überbordendes, 2024 ist in dieser Feinheit schon einmalig. Minimal reife Stachelbeere auch. Am Gaumen mit ordentlich Zug, wirklich schöner Säurespur und zugleich ist der Wein von einer prickelnden Frische und Mineralität durchzogen. Tolle salzige Länge und überaus knackig, animierend, saftig – ja man könnte sogar sagen süffig. So muss Scheurebe schmecken!

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Verkostungsnotiz
94
/100

Suckling zu 2023 über: Scheurebe Haardt Ortswein

-- Suckling zu 2023: Once you’ve smelled the fabulous nose of white peaches and melon topped with fresh mint and basil, there’s no turning back. So dynamic on the barely medium-bodied palate that you forget what it was that you were supposed to do. Terrific vitality on the very long, dangerously refreshing finish. From organically grown grapes. Drink or hold.

Mein Winzer

Müller Catoir

Seit 1744 in Familienbesitz – aktuell in neunter Generation geführt – zählt das Weingut zu den traditionsreichsten Weingütern der Region. Auf derzeit 21 Hektar Rebfläche werden Spitzenweine von internationalem Rang erzeugt.

Scheurebe Haardt Ortswein 2024