Die Marsanne ist hier im Hermitage die klare Dominante. Aber die viele reiche, weiße Frucht mit weißem Pfirsich und weißer Birne einer typischen Marsanne wird ergänzt durch feinen Mandarinenabrieb und ein bisschen Zitronengras. Dazu intensiver Darjeeling-Tee und ein bisschen Sencha-Grüntee. Daneben feine Quitte und der besagte weiße Pfirsich. Sehr schöne harmonische, spaßmachende, duftige Nase mit einem feinen Strauß wilder Blumen. Der Mund ist deutlich intensiver als die Nase, weil wir hier Löffelbiskuit haben, dazu süße Feigen und Akazienhonig. Daneben hochintensiver weißer Pfirsich, weiße Birne und ein bisschen süße Feige, auch süße reife Quitte. Die Roussanne bringt eine leichte Ölspur und einen Hauch Rosmarin. Der Wein steht für fünf Minuten und braucht sicherlich fünf Jahre, um die hohe Intensität wegzuatmen. Nach 10, 15 Jahre ist das aber ein ganz großer weißer Hermitage, der durchaus mit dem Reverdy von Ferraton mithalten kann. Das ist Weißwein in der allerhöchsten Rille. Aber er braucht wirklich Zeit. Noch Minuten danach sind meine Zunge und mein Gaumen belegt. Die großen Weißweine der Nordrhône sind 2022 extraterrestrisch gut, druckvoll, vibrierend und voller Rasse. 100/100 *** Der weiße Hermitage von Tardieu besteht aus 80 Prozent Marsanne und 20 Prozent Roussanne. Er stammt aus vier verschiedenen Lagen im Hermitage. Die Marsanne-Reben sind über 50 Jahre alt, die Roussanne-Reben über 40 Jahre. Der Wein hat 2022 nur 13,5 Volumenprozent Alkohol. Nach der langsamen Ganztraubenpressung wird der Most spontan im Barrique vergoren. Malo und zwölfmonatiger Ausbau geschehen in Barriques, teils neues Holz, teils Zweitbelegungen. Danach wird der Wein weitere 12 Monate in große Doppelstückfässer von Stockinger gelegt. Keine Schönung und Filtration vor der Füllung in die Burgunderflaschen. Ab dem Jahrgang 2020 mit der teuersten Korkvariante von DIAM ausgestattet, die neben Naturkork 100 Prozent natürliche Materialien wie Rizinusöl und Bienenwachs enthält.