Michel Tardieu - Chateauneuf du Pape: Chateauneuf du Pape Cuvee Speciale 2024

Michel Tardieu - Chateauneuf du Pape: Chateauneuf du Pape Cuvee Speciale 2024

Zum Winzer

Grenache 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2049
seidig & aromatisch
strukturiert
fruchtbetont
Lobenberg: 97–98+/100
Frankreich, Rhone, Chateauneuf du Pape
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chateauneuf du Pape Cuvee Speciale 2024

97–98+
/100

Lobenberg: Dieser Wein kommt von den besten Parzellen auf dem Plateau von La Crau, reine Sandböden. Ungefähr da, wo nahe der Lage La Crau auch Rayas und Pignan auf reinen Sandböden entsteht. Die Kunst dieser warmen Lage besteht darin, in der Laubarbeit so genial zu arbeiten, dass die Weine reif werden, aber nicht zu üppig, nicht zu fett werden. Und spät ernten zu können, aber eben über die Laubarbeit eine Reifeverzögerung hinzubekommen. Und ein kühleres Jahr wie 2024 kommt dieser warmen Lage ohnehin gelegen. Die dann diese perfekte Balance bringt, die Chateau Rayas sicher in Perfektion beherrscht, mit der dieser Chateauneuf du Pape V.V. „Cuvée Speciale“ zumindest aber stilistisch konkurrieren kann. 100 Prozent Grenache, überwiegend als Ganztraube spontan vergoren. Der Ausbau geschah 2024 in gebrauchten Barriques, aufgrund der zu kleinen Menge für Fuder. Der Wein wird weder geschönt noch filtriert, wie üblich bei Tardieu. Die Nase ist so fein, unikathaft und als Mono-Cepage vielleicht generell nicht ganz so multikomplex und vielschichtig wie der mit Mourvèdre ausgestattete Vieilles Vignes, den es in 2024 aber nicht gab. Die Erträge waren aufgrund des durchwachsenen Wetters mit viel Mehltau sehr gering, Tardieu hat nur das beste Traubenmaterial akzeptiert, und das war eben dramatisch wenig. Es gibt keinen Vieilles Vignes und vom Cuvée Speciale nur zwei Barriques, also 600 Flaschen gesamt. Bastien und Michel Tardieu haben sich erst im letzten Moment vor der Abfüllung dazu entschieden die Cuvée Speciale doch zu füllen, neben dem regulären Châteauneuf, weil die zwei Fässer zu gut wurden, um sie zu blenden – was ihr initialer Plan gewesen wäre. Hier also pur auf Grenache laufend. Eindeutig Himbeere und zerdrückte Erdbeere und Walderdbeere, Kirsche und Kirschkerne, ganz zart und fein in 2024, aber sooo satt und intensiv. Ein Traum, fast pinot-artig in der Auslegung, so schwebend. Schöne feine Würze darunter. Auch ein bisschen Cassisstrauch mit Estragon und einem zarten Anflug von warmem Stein. Doch die Frucht dominiert in 2024. Wow, was für ein schicker, traumhaft seidig-feiner Saft, so pur und verspielt. Die Frucht drückt aus dem Glas, überflügelt alles – und doch wirkt es wunderbar elegant und keineswegs so wuchtig wie etwa 2017 oder 2019. Mit Luft auch etwas mehr Lakritze und Salzkaramell, doch die Waldbeer-Kirschfrucht bleibt immer vorne. Dieser Wein ist, obwohl er sicher 15 Jahre und mehr reifen kann, ist schon jung eine Offenbarung in Sachen Delikatesse. Wer die feinen 2021er gerne mochte, der wird die noch etwas intensiveren und duftigeren, aber ähnlich verspielten 2024er lieben. Es war nicht einfach in 2024 so eine Präzision und glockenklare Frucht hinzubekommen, aber diese zwei Fässer waren eben auch das extraterrestrische Material, best of the best. Mehr ging dann eben nicht. Auch der Mund ist zart und filigran, in der Jugend ein schwebender Tänzer. Auch Thymian und Veilchen im Mund, süße, filigrane Tannine, die kaum spürbar sind, obwohl durchaus vorhanden. Mit der Reife wird er noch etwas mehr Gewicht und Würze aufbauen, doch in den ersten zwei, drei Jahren nach Abfüllung wird das ein blumig-verspielter Stoff bleiben. Ob 2024 so lange reifen wird wie 2023 und 2022 ist schwer zu sagen, vielleicht nicht ganz, aber 15 Jahre schafft er allemal, trotz seiner Finesse. Ich weiß nur, dass ich hier im Glas einen unglaublich zarten und genialen Châteauneuf für den Genuss habe.

Jahrgangsbericht

Wir springen in den letzten Jahren zwischen Jahrgängen der Moderne, wie 2020 und 2022, die heiß und extrem trocken sind, und solchen Jahren wie 2019, 2021 und 2024, die eher klassisch anmuten und vergleichbar kühl sind, wie es in den 1990er Jahren war. Der ganz große Unterschied ist, dass die besten Winzer heute ein Klima, vergleichbar mit vergangenen Jahrzehnten mit kühlen, regenreichen Sommern, später Lese und moderater Traubenreife, durch ihren genialen Weinbau viel besser ausbalancieren können. Aber das ist eben nur bei den Besten der Fall – da trennt sich die Spreu vom Weizen immer mehr. Viel Manpower, Laubarbeit, gestaffelte Lese, Schnelligkeit und rigoroses Sortieren machen dann den Unterschied zwischen Weltklasse und mittlerer Katastrophe – das gilt vor allem für die Südrhône. Für uns als Händler heißt das noch kompromissloser Einkaufen und sich weiterhin nur auf die handwerklich besten Winzer und großen Lagen zu fokussieren… Gerade die späte Lese und die daraus resultierende lange Hangzeit am Stock brachten aus diesem etwas kühleren, feuchteren Sommer bestenfalls ein so gigantisches Aromenfeuerwerk hervor, dass ich manchmal aus dem Staunen nicht herauskam. So eine aromatische Wucht! Solch einen dramatischen Druck und einen Reichtum an feinsten Facetten habe ich absolut nicht erwartet. Aber die ersten Primeurs 2024 bei den Großmeistern der Rhône wie Tardieu, Chapoutier, Ferraton, Clos des Papes und Co haben mich vielfach umgehauen! *** Südrhône – durchwachsen, aber spannend: 2024 war an der Südrhône geprägt von extrem hoher Feuchtigkeit im Winter wie im Frühling und auch der Sommer war eher durchwachsen. Extrem viel Mehltau-Befall bei Grenache und noch mehr bei Mourvèdre war die Folge. Dementsprechend gab es extrem kleine Ernten, weniger als 50 Prozent eines Normaljahres. Nur die sehr alten Reben bei gleichzeitig sehr späten Lesezeitpunkten brachten hervorragende Ergebnisse. Das setzte perfektes Terroir voraus. Trennte sich schon 2023 die Spreu vom Weizen, so gibt es 2024 im Süden vielleicht weniger als 10 Prozent echte Top-Erzeuger; 90 Prozent scheinen qualitativ eher mittelmäßig geraten zu sein. Die Rotweine der Region um Châteauneuf fallen eher hellfarbig aus, deutlich von der Grenache geprägt: beschwingt, duftig und fein. Weniger Power, sondern aromatisch-tänzelnde und alkoholärmere Weine mit zum Teil grandioser Aromatik. Die Allerbesten können eine Reminiszenz an große Weine aus dem Jahr 1978 sein. Wirklich grandios, satt in der Farbe, dennoch alkoholarm, fein, blumig verspielt und aromenstark sind aber eher die besten Weine aus Gigondas vor Rasteau und Vacqueyras mit grandios ausfallenden Syrah-Anteilen, die das kühlere 2024 mehr mochte. Auch die Villages Séguret und Vinsobres sind stark im Kommen! *** Nordrhône 2024 – Syrah-Weltklasse wie 2010: Maxime Chapoutier, Sohn der Rhône-Legende Michel Chapoutier, vergleicht den Jahrgang 2024 an der Nordrhône am ehesten mit 2010 – diesem kühlen, hochmineralischen, brachial fokussiert geradeaus laufenden und in der Jugend etwas unnahbar-steinigen Charakter. Und wer heute das Glück hat, die bestbewerteten 2010er Rhône-Weine im Glas zu haben, bekommt einen Vorgeschmack, wie überragend sich die 2024er in bester Trinkreife dann präsentieren können. Einige der besten 2024er brauchen sicher etwas mehr Zeit, sind in der Jugend nicht so opulent-charmant wie 2023 oder 2022, sondern von vornherein feiner, seidiger, rassiger und energetischer ausgelegt. Sie sind unglaublich fein und elegant, dennoch wahnsinnig dicht verwoben, mit engmaschigen, seidig-üppigen Tanninen. 2024 ist wirklich ein so schickes Jahr wie eine reifere Turbovariante des kühlen 2021 mit einem Touch der großen 2019er drin. Die Weine zeigen eine überraschend hohe Farbdichte, mit viel Violett. Schon daran sieht man, dass es trotz Kühle und moderatem Alkohol alles andere als ein dünner Jahrgang ist. Viele pfeffrige Noten, samtig-dichte und wollüstige Tannine. Üppige, beeindruckende Rotweine ohne viel Fett, aber dennoch tief, reif und fein, dabei bei sehr moderatem Alkohol eine gewaltige innere Dichte. Moderner Weinbau trifft das Klima der 1990er Jahre – großes Kino. *** Für die Weißen deutet sich gar ein durch die Bank grandioses Jahr an – deutlich feiner und rassiger als das mediterrane 2022, eher wie 2021 mit 2019, also ziemlich Best of the Best. 2024 kann im Weißwein-Bereich sicher unter den größten Jahren rangieren, da sind sich die meisten Winzer jetzt schon einig.

Mein Winzer

Michel Tardieu – Chateauneuf du Pape

Michel Tardieu ist inzwischen legendär und einer der besten Weinmacher Frankreichs. Robert Parker u. v. a. überhäuften ihn zu Recht mit Superlativen. Sehr oft arbeitet er an der Rhone und in anderen Regionen mit seinem Freund Philippe Cambie zusammen.

Chateauneuf du Pape Cuvee Speciale 2024