Karsten Peter: Riesling Ancestral 2024

Karsten Peter: Riesling Ancestral 2024

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2034
leicht & frisch
mineralisch
Lobenberg: 92+/100
Suckling zu 2023: 92/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Ancestral 2024

92+
/100

Lobenberg: Karsten Peter macht keinen Standard Pfälzer Riesling – und das merkt man schon bei seinem Gutswein sofort. Der Ancestral steht da wie ein gestraffter Maßanzug aus Kalk und Zitrus. Keine Make-up-Aromatik, kein Restzucker-Kosmetik. Das ist Purismus pur. Riesling ohne alles – außer Herkunft, Präzision und kristalline Energie. Die Trauben stammen überwiegend aus jungen Anlagen der Dürkheimer Spitzenlagen Spielberg, Fuchsmantel und Hochbenn. Das hier ist im Grunde Ortswein-Material, nur eben von jüngeren Stöcken, also mit etwas weniger Tiefe, aber umso mehr Frische und Spannung. 2024 war ohnehin ein kühler Jahrgang, und das schmeckt man vom ersten Schluck an. Vinifiziert wurde kompromisslos klar: Keine Maischestandzeit, keine Schönung, nur Ganztraubenpressung für maximale Geradlinigkeit. Spontanvergoren und ausgebaut im Stahl und im gebrauchten Holz, etwa 10 % Anteil. Das Holz merkt man kaum, gibt aber einen feinen Schmelz unter die knackige Textur. Der Most geht ungeklärt ins Fass, alles darf seinen natürlichen Lauf nehmen. In der Nase sofort kristallklar und messerscharf – das ist eher Nahe-Stilistik mitten in der Pfalz. Man merkt, dass Karsten Peter dort schon lange Spitzenweine macht. Feine, ziselierte Aromen von Limettenschale, Granny Smith, etwas weißem Pfirsich, dazu eine fast kühle Rauchigkeit, die an zerriebenen Kalk und zerstoßenen Stein erinnert. Am Gaumen dann ein blitzsauberer Spannungsbogen: feine grüne Noten, dazu reifer, aber schlanker Steinobst-Charakter, alles unterlegt von salziger Mineralität, die wie ein Laserstrahl über die Zunge zieht. Das ist so klar, so pur, so energetisch – man will direkt den nächsten Schluck. Und dann sicher auch noch einen. Man, ist das animierend! Die Pfalz kann saftig – und ja, das ist sie hier auch – aber Karsten Peter bringt eine klasse Linearität und mineralische Ader mit. Ein wunderbar straffer, schlanker, salziger Riesling mit grandiosem Trinkfluss und glockenklarer Frucht. Ein kleines Meisterstück in der Einstiegsklasse. Ein Ancestral mit Aha-Effekt.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Verkostungsnotiz
92
/100

Suckling zu 2023 über: Riesling Ancestral

-- Suckling zu 2023: A very striking and expressive wine for an entry-level dry riesling. Intense Amalfi lemon peel, flint and mandarin orange aromas. Still tightly wound, but opens fast in the glass. Stony and juicy on the medium-bodied palate. For a wine with this kind of cool and structured personality, there’s a very harmonious finish with plenty of mandarin orange character. Wild-fermented primarily in stainless steel and in some used 500-liter oak casks. From organically grown grapes. Vegan. Drink or hold. Screw cap.

Mein Winzer

Karsten Peter

Karsten Peter ist ein Wandler zwischen den Welten, sein steter Begleiter ist dabei der Riesling – aber eben nicht nur! Als Mastermind hinter den Weinen von Gut Hermannsberg hat er den Kultbetrieb wieder zu alter Größe geführt, nun startet er zusätzlich auf seinem Familienweingut in der Pfalz durch.

Riesling Ancestral 2024