Karsten Peter: Ancestral Chardonnay 2024

Karsten Peter: Ancestral Chardonnay 2024

Chardonnay 100%
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2034
mineralisch
leicht & frisch
Lobenberg: 93/100
Suckling zu 2023: 91/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Ancestral Chardonnay 2024

93
/100

Lobenberg: Der Chardonnay Ancestral ist ein echtes Ausrufezeichen – nie zu laut, sondern kristallklar, fokussiert, präzise. Und für einen Gutswein geradezu verblüffend eigenständig. Seit dem Jahrgang 2023 steht Chardonnay hier puristisch im Mittelpunkt, Weißburgunder ist Geschichte. Eine gute Entscheidung, denn der 2024er ist vielleicht der bislang eindrücklichste Jahrgang dieser kleinen Visitenkarte. Die Nase beginnt kühl und fein reduktiv, aber ohne je übermäßig karg zu wirken – heller Rauch, zerstoßener Kalkstein, dezente Haselnussschale, dann kommen gelbe Zitrusfrüchte, Grapefruit, leicht kandierte Zitronenzeste, etwas weißer Pfirsich, aber auch ein Hauch reifer Mirabelle. Nichts Lautes, keine Üppigkeit, eher zurückhaltend und doch von stiller Komplexität. Darunter eine Spur frische Kräuter, Kamille, sogar ein Hauch Butter und weiße Blüten. Das erinnert eher an einen jungen Saint-Aubin als an Pfalz. Am Gaumen dann diese grandiose Balance: Straff, mit brillanter Säurestruktur, aber gleichzeitig mit dieser inneren Ruhe und Souveränität, die ein perfekt eingebundenes Holz mit sich bringt. Rund 20 Prozent im Fass ausgebaut, auch teils neues Holz – und das merkt man in Form von Textur, nicht Geschmack. Ein Hauch nussiger Schmelz unterlegt die glockenklare Frucht, saftige gelbe Birne, etwas Quitte, leicht geröstetes Brioche im Hintergrund, alles eingebettet in salzige Mineralität und eine fast kalkige Kühle. Kein BSA, keine weiche Kontur, dafür umso mehr Fokus. Das ist ein Gutswein, der eigentlich keiner sein will. Sondern ein ernstzunehmender, spannungsgeladener Chardonnay mit echter Herkunft und Tiefe. Pfalz im Kern, aber mit burgundischer Finesse gelesen und gedacht. Eine absolut stilistische Punktlandung und ein Statement für den Jahrgang 2024.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Verkostungsnotiz
91
/100

Suckling zu 2023 über: Ancestral Chardonnay

-- Suckling zu 2023: I love the candied lemon aroma plus the touches of oak and flint. Excellent balance of creaminess and lemony freshness on the medium-bodied palate. Expands as it aerates in the glass. Long, elegant finish that pulls you back for more. From over 20-year-old vines that are Burgundian clones. From organically grown grapes. Fermented and matured predominantly in stainless steel and a smaller portion in new oak casks. Vegan. Drinkable now, but best from 2026. Screw cap.

Mein Winzer

Karsten Peter

Karsten Peter ist ein Wandler zwischen den Welten, sein steter Begleiter ist dabei der Riesling – aber eben nicht nur! Als Mastermind hinter den Weinen von Gut Hermannsberg hat er den Kultbetrieb wieder zu alter Größe geführt, nun startet er zusätzlich auf seinem Familienweingut in der Pfalz durch.

Ancestral Chardonnay 2024