Spätburgunder Wallufer Walkenberg Spätlese Rose 2021

J. B. Becker: Spätburgunder Wallufer Walkenberg Spätlese Rose 2021

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Spätburgunder 100%
5
rosé, trocken
14,0% Vol.
Trinkreife: 2024–2035
Verpackt in: 6er
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6
Deutschland, Rheingau
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Wallufer Walkenberg Spätlese Rose 2021

Lobenberg: Wie in der Provence fühlt man sich ja zweifelsohne, wenn man in Hajo Beckers Rheingarten sitzt. Meist strahlt die Sonne und der Ausblick auf den glitzernden Vater Rhein ist einmalig, das Wasser nichtmal einen Steinwurf vor den Füßen. Aber einen Rosé hat er dennoch noch nie gemacht – bis das Hundewetter von 2021 um die Ecke kam und im Rheingau zwar geniale Rieslinge, aber bei Becker in Walluf keinerlei Spätburgundererzeugung zuließ, die Hajos Anspruch genügt hätte. Die Auslese der wenigen gut reifen und sauberen Spätburgunderbeeren ging also in diesem pinken Rheingauer auf. Warum auch nicht! Man darf nur eben keinen Swimmingpoolrosé erwarten, man bekommt hier ja einen Becker ins Glas – und die haben es stets in sich. Schon die Farbe ist außergewöhnlich, ein zartes Zwiebelschalenrosa mit sehr hellen Kupferreflexen, so schlank wie er aussieht, duftet er auch. Herbe Walderdbeere, rote Zitrone, salzige, wilde Himbeere, nichts davon wirklich süß, sondern eher kräuterig-kühl. Johannisbeere und Himbeerstrauch, ein bisschen Orangenabrieb, auch etwas Jod. Der Mund läuft salzig-beerig, rassig-trocken mit gewaltig viel Karacho über die Zunge. Eine feine Tanninstruktur trägt den Rosé, schlank, würzig, mit einer Salz- und Säurespur, die an Riesling erinnert, aber eben ganz klar auf Hajos Paradelage, den Walkenberg hinweist. Der Wein ist zwar rassig und schlank, aber hat schon ordentlich Punch, immerhin eine Spätlese. Dieser krautig-beerige Stoff ist so einmalig wie Hajo selbst. Man hätte ja vermutet, dass kaum etwas von der Stange rauskommen kann, wenn er mal einen Rosé macht, aber dieser Stoff verblüfft dann doch wieder. Ein bisschen Freakstoff, aber durchaus auch lecker und mehrheitsfähig in seiner beerigen Art. Ich mag das allemal mehr als die vielen 0815-Rosés! 94/100

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

Mein Winzer

J. B. Becker

Das Weingut J. B. Becker wurde 1893 von Jean Baptist Becker gegründet. Er pflanzte in den besten Wallufer Lagen (Walkenberg) überwiegend Riesling und Spätburgunder.

Spätburgunder Wallufer Walkenberg Spätlese Rose 2021