Lobenberg: Jayson Woodbridge, der beinahe schon legendäre Winzer hinter dem Ikonen-Weingut »Hundred Acre«, kauft die Trauben für seine Fortunate Son Weine zu. Das heißt aber ganz und gar nicht, dass sie von geringerer Qualität sind. Die Weinberge sind zum Teil über 80 Jahre alt, und werden von privaten Traubenlieferanten (einige davon sind schon in der vierten Generation) gehegt und gepflegt. Jason nennt diese alten Reben »Napa Heritage Vineyards«, aber er behält die Herkunft der Trauben geheim. Er verpflichtet die Bauern, die Trauben nach seinen Prinzipien anzubauen und bezahlt dafür ein Premium – dafür dürfen auch die Bauern niemals preisgeben, dass sie an ihn verkaufen. Dieses Modell der auf Qualität fokussierten Luxus-Traubenbauern ist hier in Kalifornien gängig. Die Fortunate Son Weine werden im Keller genauso gemacht wie Hundred Acre. Der Blend aus Cabernet Sauvignon und fast 50 Prozent Merlot aus einer sehr alten Lage wird hauptsächlich in 500 Liter fassenden Puncheons vergoren und anschließend 24 Monate lang ausgebaut. Auch die französische Eiche ist genau dieselbe wie für Hundred Acre. Die Weine werden nicht abgezogen, bis der Blend nach drei Jahren zusammengestellt und abgefüllt wird. Brillantes, mittleres Rubinrot. Die Nase ist ultra geheimnisvoll und betörend! Minze, schwebende Bergkräuter und eine zarte Rauchnote mit intensiver Mineralität. Dann kommen gelbe Blüten, Margeriten, Marzipan und weißer Honig hinzu. Das ist ein fordernder Wein und doch ist er zugleich auch so verführerisch. Er ist in der Tat unglaublich mineralisch, eher in die rote Erde und Eisenrichtung gehend. An der Nase habe ich kaum Frucht-Aromen, wie man sie so kennt. Keine Kirschen, Pflaumen und so weiter, sondern der Wein ist hauptsächlich ein duftiges Elixir der anderen Art. So einen Wein habe ich tatsächlich noch nie im Glas gehabt. Dann im Mund ändert sich das auf einen Schlag. Hier kommt die Kirschfrucht voll raus. Auch Pflaume. Cremige, fast pudrige Tannine rollen über die Zunge und gehen in zarte, fein bittere Kräuteraromen über. Am Ende bleibt diese krasse Mineralität und etwas Hibiskus auf der Zunge. Im Mund ist der Diplomat charmant und beinahe cremig. So eine krasse Eleganz und fulminant berauschende Tiefe. 15,5 % vol. kann man nicht schmecken, der Wein schwebt geradezu über die Zunge. Ich bin sehr beeindruckt von diesem Einstieg in die mysteriösen Weine von Hundred Acre. Beeindruckend! 98/100