Holger Koch: Weißburgunder *** Selectionswein Großes Gewächs 2024

Holger Koch: Weißburgunder *** Selectionswein Großes Gewächs 2024

Zum Winzer

Weißburgunder 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2041
voll & rund
fruchtbetont
mineralisch
Lobenberg: 94–96+/100
Deutschland, Baden
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Weißburgunder *** Selectionswein Großes Gewächs 2024

94–96+
/100

Lobenberg: Großes Gewächs Selection genannt, obwohl Holger Koch nicht im VDP ist, denn das ist kein geschützter Begriff. Die genaue Lagenbezeichnung dieses Weins wäre »Eichbuck«. Weder Großes Gewächs noch Eichbuck stehen auf dem Etikett, auch um keine schlafenden Hunde in Behörden zu wecken. Die besagte Lage liegt auch neben dem Weingut, allerdings in höherer Lage auf bis zu 350 Höhenmetern. Viel Wind, kühl, Süd- Südostexposition. Allerdings hat Holger seine windigsten und kühlsten Lagen seinem Pinot Noir vorbehalten. Etwa 3 Meter Löss-Auflage auf aufgeschüttetem Vulkanschotter. Das Ganze sind Selection Massale Reben aus dem Elsass, 2002 gepflanzt. Der Ausbau erfolgt in einem 600 Liter Stockinger Fass, mehr gibt es nicht. Auch hier der Kunstgriff von Holger Koch, es wurde ein ganz kleiner Teil der Ernte wird komplett auf der Maische und auch über 10 Prozent mit Trub – also Dreck und Speck – vergoren und vor dem Ausbau im Holzfass dann wieder cuvetiert, einfach um mehr Struktur zu bekommen. Die Nase ist absolut genial! In diesem ausgesprochen frischen, animierenden Duftbild verbinden sich grünliches Steinobst, warme Zitrusfrucht, Mandarine, Kumquat, Kaffirlimettenblätter, grüne Birne, mit einer intensiven Steinigkeit. Der Mund ist wunderbar zart und fein, superfrische Frucht, vibrierend und saftig. Der Speichel fließt in Strömen, der Grip zieht an allen Papillen, schöne Tanninstruktur. Viel zarter Schmelz und schöne Konzentration. Dann satter Grip im Finale. Die weiße Frucht als Dominante wird gut eingeholt, deutlich mit pikanter Frische unterlegt. Gute Spannung zeigend, weiße Blüten und Zitronenmelisse. Feiner Wein mit Fokus und Länge. Gefällt mir extrem gut.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Mein Winzer

Holger Koch

Holger Kochs Weingut befindet sich in Vogtsburg am Kaiserstuhl. Seine Weinberge aber vollständig im kühleren, höher gelegenen Bickensohl. Holger ist absoluter Spezialist für trockene Burgundersorten. Seine Weiß- und Grauburgunder und die Pinot Noirs verkörpern einen äußerst subtilen Stil, einen der...

Weißburgunder *** Selectionswein Großes Gewächs 2024