Gratallops Vi de Vila 2021

Alvaro Palacios

Gratallops Vi de Vila 2021

pikant & würzig
saftig
seidig & aromatisch
95+
100
2
Garnacha 64%, Samso 35%, Garnacha Blanca 1%
5
rot
14,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2052
Verpackt in: 6er OHK
3
Lobenberg: 95+/100
6
Spanien, Priorat
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Gratallops Vi de Vila 2021

95+
/100

Lobenberg: Die Nase wird fast von der Carignan dominiert, aber in Wirklichkeit ist es der Schieferboden, der die Nase ausmacht. Fast wie ein Crozes-Hermitage riechend. Sehr würzig, sehr viel Grafit und extremer Bleistift. Dann diese würzige Schwärze dahinter. Erst jetzt kommen satte saure Kirsche, Holunder, extrem würzig, dazu sehr viel Grafit. Feine helle Lakritze dazu, etwas schwarzer Pfeffer und Chilischärfe. Der Mund ist wunderbar würzig. Auch er zeigt diese ganz starke Bleistiftnote, dann Unterholz, den Touch von Syrah aus Crozes-Hermitage. Schwarz und rot zugleich. Das Tannin ist zwar poliert, aber der Wein kommt trotzdem sehr burschikos rüber und erinnert mich sehr an die Nordrhône. Ein hochspannender Wein! Das wäre wegen dieser genialen Würze eine ziemliche Perfektion im offenen Ausschank für einen Sommelier. Der Wein steht für sich allein. Ein wunderbares Elixier aus Bleistift, Lakritze, Unterholz, Holunder, Vogelbeere und schwarzer Kirsche mit Brombeere darunter. Erst am Ende kommen ein bisschen rotgefärbte Cranberry und Sauerkirsche dazu. 2021 passt mit dieser Kühle hervorragend zur Reife des Jahrgangs. Der Wein bleibt spielerisch. Ein Unikat, eine Herausforderung und ein superspannender Wein mit einem sehr moderaten Preis für das Gebotene. 94-95+/100 *** Der Wein stammt aus 13 verschiedenen kleinen Weinbergen auf rund 300 bis 400 Metern Höhe rund um Gratallops. Es ist also ein Village-Wein. Die Reben wachsen komplett auf grünem und rotbraunem Schiefer. Die Weinberge sind zwischen 23 und 79 Jahren alt. Der Wein besteht aus 64 Prozent Grenache, 35 Prozent Carignan (Samso) und ein Prozent Garnacha Blanca sowie Macabeo, er hat 14 Volumenprozent Alkohol. Es wird organisch gearbeitet. Im Keller wird der Wein zu 60 Prozent entrappt. Anschließend wird die Maische in 2000- und 3000-Liter Holzbottichen vergoren. Die Malo geschieht in Demi-muids mit 600 Litern Fassungsvermögen, anschließend wird der Wein abgezogen und in ovale 2200-Liter Holzfuder gelegt, sieben Monate später in Betonfässer. Nach circa 16 Monaten wird der Wein abgefüllt.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2020/2021 brachte zwischen Dezember und März sehr viel Regen und Schnee, auch etwas Frost. Die Böden waren vor dem Austrieb der Reben mit ordentlichen Wasserreserven gefüllt – ein guter Start in den Jahrgang 2021. Die Blüte verlief bis auf kleine Verrieselungen ziemlich normal, kein Frost, kein Mehltau. Dann folgten nach einem trockenen Mai noch vor der Blüte große Regenmengen im Juni. Nach der Blüte begann ein sehr trockener, warmer, teils heißer Sommer. Hitze- und Trockenstress waren die Folge, die Reben machten ab Mitte August total dicht, um sich zu schützen. Die Beeren waren zu diesem Zeitpunkt dickschalig und kerngesund, Sorge bereitet aber die phenolische Reife, die durch den Stillstand der Reben nicht erreicht werden konnte. Dieses Phänomen gab es in allen Regionen der nördlichen Hälfte Spaniens, also in allen Topregionen. Von Anfang September bis zum 25. September gab es einige Tage satten Regen. Durch die neue Wasserversorgung setzten Photosynthese und Reifung sofort ein. Ab dem 25. September war es trocken, extrem sonnig und warm, nachts sanken die Temperaturen deutlich. Fünf traumhafte Wochen mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nach und hochintensiver Sonne folgten. Diese große Kühle, ja Kälte der Nächte, nach dem letzten Regen vom 25. September, gilt als der Schlüssel zu diesem großen, reifen und zugleich frischen Cool-Climate-Jahrgang. Das Ergebnis waren überall hochgesunde, dickschalige Beeren mit sattem Tannin und hoher Säure vor der Lese im Herbst. Die Weine sind weniger extremreif und immens als 2019, aber deutlich aromatischer und reifer als 2018, mit einer Frische, die ihresgleichen sucht.

Mein Winzer

Alvaro Palacios

Mittelpunkt des in den unwegsamen katalonischen Bergen gelegenen Weinanbaugebietes Priorato ist der kleine Ort Gratallops. Von hier aus haben in den vergangenen Jahren außergewöhnliche Rotweine für Furore gesorgt.