Fratelli Alessandria: Barbera d’Alba Superiore Priora 2022

Fratelli Alessandria: Barbera d’Alba Superiore Priora 2022

Barbera 100%
rot, trocken
15,0% Vol.
Trinkreife: 2023–2035
fruchtbetont
pikant & würzig
strukturiert
Lobenberg: 94/100
Galloni: 92/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barbera d’Alba Superiore Priora 2022

94
/100

30 Prozent der Trauben dieser Barbera kommen aus der beeindruckenden Cru Lage Gramolere in Monforte, der Rest aus Verduno. Der Wein wurde 15 Monate lang ausgebaut, die ersten 6 bis 8 Monate in großen neuen Botti – denn die Erstbelegung ist immer mit Barbera, nicht mit Nebbiolo – und den Rest der Zeit in 5 bis 6 Jahre alten 500 Liter fassenden Tonneaux. Diese Barbera ist eine sehr elegante Version eines Barbera d´Alba. Sie hat nicht die fette Kirschigkeit, nicht so viel Holzunterbau. Überhaupt ist es insgesamt ein schlanker und verspielter Wein, der fast wie Nebbiolo daherkommt! Ich probiere ein Muster aus dem Stahltank, der Wein wird in einem Monat abgefüllt. Leuchtendes, tiefes Rubinrot mit Violett. Intensive Sauerkirsche, rote Waldbeeren und eine attraktive, erdige Würze mit Aromen von rostigem Eisen steigen aus dem Glas. Weißer Pfeffer und braune Gewürze geben dem Wein seine extrem attraktive, verführerische Aromatik. Im Mund legt der Wein dann richtig los: cremig, rund und doch voller Frische. Die Tannine sind fein geschliffen und poliert, sie spielen mit der elektrisierenden Frische des Weins Ping-Pong. Da ist ordentlich Spannung drauf! Blaubeeren und Veilchen tänzeln mit dieser verführerischen, aromatischen Würze wunderbar elegant und salzig über die Zunge. Ein »Stand Alone« und eine wunderschöne, berauschende Barbera mit straffer, ausgleichender Säure, die den Wein auch in diesem warmen Jahrgang elegant über die Zunge tänzeln lässt. Ein sehr, sehr schicker Wein, der Freude macht.

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

92
/100

Galloni über: Barbera d’Alba Superiore Priora

The 2022 Barbera d'Alba Priòra bursts from the glass with dark red-toned fruit, graphite, leather, incense and tobacco. There's impressive textural depth and palate presence. The 2022 spent 15 months in cask. It’s a gorgeous wine that shows a move towards greater stylistic consistency with the other wines in the range.,

Mein Winzer

Fratelli Alessandria

Fratelli Alessandria ist ohne Zweifel der Superstar-Betrieb im Ort Verduno. Es ist eine Randgemeinde von La Morra in Richtung Tanaro Fluss. Die Weinberge liegen im Schnitt über 300 Meter hoch, manche liegen auf bis zu 400 Metern Höhe.

Barbera d’Alba Superiore Priora 2022