Ferraton Pere et Fils: Crozes Ermitage Le Grand Courtil Blanc 2024

Ferraton Pere et Fils: Crozes Ermitage Le Grand Courtil Blanc 2024

BIO

Zum Winzer

Marsanne 50%, Roussanne 50%
weiß, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2043
voll & rund
mineralisch
exotisch & aromatisch
Lobenberg: 96–97+/100
Frankreich, Rhone, Nordrhone
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Crozes Ermitage Le Grand Courtil Blanc 2024

96–97+
/100

Lobenberg: Le Grand Courtil Blanc wird von ganz alten Reben gewonnen. 50 Prozent Marsanne, 50 Prozent Roussanne. Früher wurden die Trauben an Chapoutier verkauft. Heute wird daraus dieser Wein als Teil der Sélection Parcellaire gemacht. Ein irres Konzentrat, mit winzigen Mengen und großem Potenzial. Das erste Mal wieder mit 2019 auf den Markt gebracht. Ein einzigartiger Crozes und immer ein Anwärter auf den besten Weißwein der Appellation. Und 2024 ist so ein grandioses Weißweinjahr, das mir bisher meist sogar besser gefällt als 2023 und 2022. Vielleicht 2014 erreichend in dieser Straffheit und floralen Eleganz. Der Grand Courtil ist so unendlich fein schon in der Nase. Ein bisschen Limette und in Zucker gewendete Orangen und Clementinen. Hoher Charmefaktor. Im Mund supersaftig und sehr kraftvoll. Darunter eine salzig-mineralische Spannung, die den Wein trotz seiner Kraft immer agil und energetisch hält. Keine Wucht, sondern unendlich fein und langgezogen. Köstlich! Bittere Mandarine schwappt wieder hoch, auch ein Touch Bitterorange neben dem satten Pfirsich. Große Harmonie ausstrahlend, alles passt! Ein grandioser Zechwein – saftig und hedonistisch. Die 50 Prozent Roussanne geben die Fülle zu dieser leichten Bitternote der Marsanne. Jedes Jahr ein Ausnahmewein und 2024 mit dieser hohen Spannung einfach ein riesiger Trinkspaß mit einem Hang zur Größe. *** Le Grand Courtil Blanc wird von 40 Jahre alten Reben gewonnen. Überwiegend Sedimentböden mit ein bisschen Argilo-Calcaire. 50% Marsanne und 50% Roussanne aus der Hanglage von Crozes. Biodynamische Bewirtschaftung. Die ganzen Trauben werden ganz langsam abgepresst und in neuen 600 Liter Holzfässern Fässern spontan vergoren, anschließend wird der Wein in 600-Liter-Fässer gelegt. Ausbau auf der Vollhefe für zehn Monate ohne jede Bâtonnage und mit Schwefelzugabe erst zur Abfüllung.

Jahrgangsbericht

Wir springen in den letzten Jahren zwischen Jahrgängen der Moderne, wie 2020 und 2022, die heiß und extrem trocken sind, und solchen Jahren wie 2019, 2021 und 2024, die eher klassisch anmuten und vergleichbar kühl sind, wie es in den 1990er Jahren war. Der ganz große Unterschied ist, dass die besten Winzer heute ein Klima, vergleichbar mit vergangenen Jahrzehnten mit kühlen, regenreichen Sommern, später Lese und moderater Traubenreife, durch ihren genialen Weinbau viel besser ausbalancieren können. Aber das ist eben nur bei den Besten der Fall – da trennt sich die Spreu vom Weizen immer mehr. Viel Manpower, Laubarbeit, gestaffelte Lese, Schnelligkeit und rigoroses Sortieren machen dann den Unterschied zwischen Weltklasse und mittlerer Katastrophe – das gilt vor allem für die Südrhône. Für uns als Händler heißt das noch kompromissloser Einkaufen und sich weiterhin nur auf die handwerklich besten Winzer und großen Lagen zu fokussieren… Gerade die späte Lese und die daraus resultierende lange Hangzeit am Stock brachten aus diesem etwas kühleren, feuchteren Sommer bestenfalls ein so gigantisches Aromenfeuerwerk hervor, dass ich manchmal aus dem Staunen nicht herauskam. So eine aromatische Wucht! Solch einen dramatischen Druck und einen Reichtum an feinsten Facetten habe ich absolut nicht erwartet. Aber die ersten Primeurs 2024 bei den Großmeistern der Rhône wie Tardieu, Chapoutier, Ferraton, Clos des Papes und Co haben mich vielfach umgehauen! *** Südrhône – durchwachsen, aber spannend: 2024 war an der Südrhône geprägt von extrem hoher Feuchtigkeit im Winter wie im Frühling und auch der Sommer war eher durchwachsen. Extrem viel Mehltau-Befall bei Grenache und noch mehr bei Mourvèdre war die Folge. Dementsprechend gab es extrem kleine Ernten, weniger als 50 Prozent eines Normaljahres. Nur die sehr alten Reben bei gleichzeitig sehr späten Lesezeitpunkten brachten hervorragende Ergebnisse. Das setzte perfektes Terroir voraus. Trennte sich schon 2023 die Spreu vom Weizen, so gibt es 2024 im Süden vielleicht weniger als 10 Prozent echte Top-Erzeuger; 90 Prozent scheinen qualitativ eher mittelmäßig geraten zu sein. Die Rotweine der Region um Châteauneuf fallen eher hellfarbig aus, deutlich von der Grenache geprägt: beschwingt, duftig und fein. Weniger Power, sondern aromatisch-tänzelnde und alkoholärmere Weine mit zum Teil grandioser Aromatik. Die Allerbesten können eine Reminiszenz an große Weine aus dem Jahr 1978 sein. Wirklich grandios, satt in der Farbe, dennoch alkoholarm, fein, blumig verspielt und aromenstark sind aber eher die besten Weine aus Gigondas vor Rasteau und Vacqueyras mit grandios ausfallenden Syrah-Anteilen, die das kühlere 2024 mehr mochte. Auch die Villages Séguret und Vinsobres sind stark im Kommen! *** Nordrhône 2024 – Syrah-Weltklasse wie 2010: Maxime Chapoutier, Sohn der Rhône-Legende Michel Chapoutier, vergleicht den Jahrgang 2024 an der Nordrhône am ehesten mit 2010 – diesem kühlen, hochmineralischen, brachial fokussiert geradeaus laufenden und in der Jugend etwas unnahbar-steinigen Charakter. Und wer heute das Glück hat, die bestbewerteten 2010er Rhône-Weine im Glas zu haben, bekommt einen Vorgeschmack, wie überragend sich die 2024er in bester Trinkreife dann präsentieren können. Einige der besten 2024er brauchen sicher etwas mehr Zeit, sind in der Jugend nicht so opulent-charmant wie 2023 oder 2022, sondern von vornherein feiner, seidiger, rassiger und energetischer ausgelegt. Sie sind unglaublich fein und elegant, dennoch wahnsinnig dicht verwoben, mit engmaschigen, seidig-üppigen Tanninen. 2024 ist wirklich ein so schickes Jahr wie eine reifere Turbovariante des kühlen 2021 mit einem Touch der großen 2019er drin. Die Weine zeigen eine überraschend hohe Farbdichte, mit viel Violett. Schon daran sieht man, dass es trotz Kühle und moderatem Alkohol alles andere als ein dünner Jahrgang ist. Viele pfeffrige Noten, samtig-dichte und wollüstige Tannine. Üppige, beeindruckende Rotweine ohne viel Fett, aber dennoch tief, reif und fein, dabei bei sehr moderatem Alkohol eine gewaltige innere Dichte. Moderner Weinbau trifft das Klima der 1990er Jahre – großes Kino. *** Für die Weißen deutet sich gar ein durch die Bank grandioses Jahr an – deutlich feiner und rassiger als das mediterrane 2022, eher wie 2021 mit 2019, also ziemlich Best of the Best. 2024 kann im Weißwein-Bereich sicher unter den größten Jahren rangieren, da sind sich die meisten Winzer jetzt schon einig.

Mein Winzer

Ferraton Père et Fils

Samuel Ferraton, Vertreter der vierten Generation im Weingut, gab 1998 dem Haus einen neuen Impuls durch eine finanzielle Partnerschaft mit dem Haus Chapoutier bei gleichzeitiger Wahrung der qualitativen Unabhängigkeit.

Crozes Ermitage Le Grand Courtil Blanc 2024