Lobenberg: Bei den Spätlesen und Auslesen sieht Egon Müller Parallelen zu seinem großen Jahrgang 1999. Für ihn sind 1999 und 2019 Meilensteine seiner Karriere. Der Duft ist reich und generös, eine köstlich opulente Frucht mit zarter Exotik, Maracuja, Akazienhonig, eingekochte Mirabellen und Orangengelee. Sehr konzentriert und intensiv für den Jahrgang, da kommt das Material der späteren Lese nach dem Regen Anfang Oktober voll zur Geltung. Druck ohne Ende, schiebt über eine seidige, gelbfruchtige Textur. Der Botrytisanteil liegt bei rund zwei Dritteln, also schon ziemlich üppig. Man bekommt hier schon viel von der genialen, manisch penibel selektierten Scharzhof-Botrytis ins Glas. Spannende Mischung aus diesem generösen Fruchtdruck und der feinen reduktiven Spannung, ja fast eine gewisse minzige Kühle, die der Wein ausstrahlt. Ein bisschen Eukalyptus im Nachhall, tonisch und frisch, aber so köstlich saftig und einnehmend. Eine grandiose Spätlese in einem etwas geschmeidigeren, volleren, etwas opulenteren und charmanteren Stil als der sehr scharf geschliffene 2021er, der kaum Süße gezeigt hat. Das ist der Zauber des Scharzhofs! Großes Kino. 97-99+/100