Dieser Garnacha ist seit einigen Jahren wirklich ein Highlight im Reich von Eduardo Eguren. 2021 war groß, 2022 ist fast noch verblüffender. Nur 13,8 Volumenprozent Alkohol. Der pH-Wert liegt bei lediglich 3,1, die Säure bei über sieben Gramm. Gelesen wurde ab dem 29. September – drei Tage früher als 2021. Die Vergärung findet im Holz statt, der Ausbau zum Teil im Beton und zum Teil in Tonneaux und gebrauchten Barriques. Dort liegt der Wein zwischen 12 und 16 Monaten. Im Angang mineralisch konzentrierte Waldhimbeere mit satter, aber sehr strukturierter Erdbeere darunter. Dazu ein Touch wilde Schlehe. Schon die Nase ist eine Offenbarung! Die Intensität im Mund sprengt dann meine Vorstellung… Was für eine explosive Erdbeer-Himbeermischung! Das Ganze mit Salz und Stein unterlegt. Hohe Konzentration, enorme Dichte und wahnsinnig pikant. Der Oszillograph schwingt zwischen Säure und Reife, zwischen satter reifer roter Frucht und enormer Zitrusfrische – phänomenal! Delikat ist der falsche Ausdruck. Der Wein ist auf der einen Seite köstlich und auf der anderen Seite wahnsinnig aufregend und spannungsgeladen. Die Salzfracht steht für Minuten auf der Zunge. Zusammen mit dieser roten Frucht und der Frische ist das eine Neverending Story. Ein köstlicher Saufwein mit großer Klasse. Everybody’s Darling und trotzdem aufregend in seiner Ausdrucksweise. Phänomenal! 95-97/100 *** Das Terroir ist eine Komposition aus Eisen, Sand und Lehm auf 700 Metern Höhe in der Rioja Alta. Die Buschreben sind gut 100 Jahre alt. Der Weinberg ist ein Gemeinschaftsprojekt von vier Winzern, dazu gehört auch Eduardo Eguren. Cuentavinas ist das Mikro-Weingut von Edoardo Eguren, Sohn der berühmten Rioja-Dynastie. Drei Einzellagen in einer der besten Gemeinden der Rioja, winzige Produktionszahlen. Alles penible Handarbeit, ein Prestigeprojekt und zugleich ein sehr persönliches. Edoardo Eguren hat seine Grundausbildung in Australien und Kalifornien absolviert. Die Bearbeitung seiner uralten Buschreben ist etwas anders, mit einem speziellen Entblätterungssystem, das er in Australien gelernt hat. Das führt dazu, dass die Trauben und Beeren extrem klein bleiben. Der Ertrag liegt am Ende bei nur 500 bis 800 Gramm pro Pflanze. Aus einem Hektar Weinberg holt er weniger als 2.000 Flaschen. Er macht nie eine grüne Lese, weil er direkt nach der Blüte die Reben im unteren Bereich entblättert. Das härtet die Beeren ab und führt zu einem geringen Wachstum wegen geringerer Photosynthese.