Cote Rotie Vieille Vignes 2021

Michel Tardieu - Nordrhone

Cote Rotie Vieille Vignes 2021

voluminös & kräftig
frische Säure
pikant & würzig
100
100
2
Serine 100%
5
rot
12,5% Vol.
Trinkreife: 2030–2067
Verpackt in: 12er
3
Lobenberg: 100/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Cote Rotie Vieille Vignes 2021

100
/100

Lobenberg: Eine Nase, wie ich sie im Côte Rôtie von Tardieu noch nicht hatte, weil sie so unendlich fein ist. Es ist nichts Verbranntes in der Nase, es ist schwarze Frucht in einer unendlichen Feinheit. Schwarze Kirsche, die aber sehr moderat rüberkommt. Cassis in heller Lakritze kommt dazu, Brombeere in unendlicher Zartheit. Ja, das ist ein schwarzfruchtiger Côte Rôtie, aber schwarze Frucht in einer Finesse, in einer Feinheit, wie man sie selten erlebt. Wie ich es im Süden schon sagte: Konzentrierte Finesse. Wo gibt es denn sowas aus so alten Serine-Reben?! Trotzdem ist es so schwebend! Leichte Veilchennote über dieser Komposition aus Lakritze, Schwarzkirsche und Cassis. Helle Schokolade dazu, unendlich fein. Der Mund ist eine Kombination aus feiner Honigsüße, dunkler Schokolade, Sanddorn und fast saurer Lakritze. Aber die Tannine sind poliert, samtig und seidig. Hier ist nichts rau, aber es ist intensiv, druckvoll und lang. Der Wein steht für Minuten in seiner lakritzigen Schwarzfruchtigkeit, die aber überhaupt keinen dicken, kraftvollen Dampf der früheren mediterranen Jahre aufweist, sondern einfach nur unendlich fein daherkommt. Der Côte Rôtie ist 2021 sicherlich der verschlossenste der Weine von der Nordrhône bei Tardieu, aber wenn sich das nach fünf bis zehn Jahren aufgelöst hat, ist das die Offenbarung. Man muss sich in 2021 wirklich verabschieden von den letzten sechs Jahren. Das ist eine Art Stilistik, wie ich sie an der Rhône lange nicht mehr erlebt habe, kaum noch gekannt habe. Was für eine Freude, dass es das wieder gibt in 2021! Diese unendliche Trinkigkeit, dieser pure Hedonismus, dieses unanstrengende, geschmeidige Gleiten – ein köstlicher Stoff! Kein Wein zum Niederknien, kein Powerteil, sondern einfach nur unendlich schön. 100/100 *** Der Côte Rôtie von Tardieu besteht natürlich zu 100 Prozent Petite Syrah. Oder Serine, wie die uralte, kleinbeerige Form der Syrah hier genannt wird. Die Reben sind über 60 Jahre alt und stehen in den Einzellagen Landonne, Lancement, Chavaroche und Les Rochains. Der Alkoholgehalt liegt 2021 bei nur 12,5 Volumenprozent. Der Trauben gehen komplett unentrappt in die spontane Fermentation im Betontank. Ausgebaut wird der Wein für 12 Monate in Barriques, teils neues Holz, teils Zweitbelegungen. Danach weitere 12 Monate in großen Doppelstückfass von Stockinger. Keine Schönung und Filtration vor der Füllung in die authentischen Burgunderflaschen mit Naturkork. Der Côte Rôtie von Tardieu kommt aus den berühmtesten Einzellagen der Appellation und auch von sehr namhaften Erzeugern, die ich persönlich kenne und zum Teil in meinem Portfolio habe. Aber was die Tardieus daraus machen ist einfach eine andere Liga.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Michel Tardieu – Nordrhone

Michel Tardieu ist inzwischen legendär und einer der besten Weinmacher Frankreichs. Robert Parker u. v. a. überhäuften ihn zu Recht mit Superlativen. Sehr oft arbeitet er an der Rhone und in anderen Regionen mit seinem Freund Philippe Cambie zusammen.