Cote du Rhone blanc La Galopine 2021

Domaine des Escaravailles

Cote du Rhone blanc La Galopine 2021

94–95
100
2
Marsanne 45%, Roussanne 45%, Viognier 10%
5
weiß
13,5% Vol.
Trinkreife: 2023–2033
Verpackt in: 6er
3
Lobenberg: 94–95/100
6
Frankreich, Rhone, Gigondas und Rasteau
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Cote du Rhone blanc La Galopine 2021

94–95
/100

Lobenberg: Dieser Wein darf offiziell noch nicht den Namen der Appellation Rasteau tragen, das wird erst mit dem Jahrgang 2022 erlaubt sein. Der 2021er besteht aus 45 Prozent Marsanne, 45 Prozent Roussanne und zehn Prozent Viognier. Ein sehr hochgelegener Weinberg, dementsprechend mit viel Säure und Frische ausgestattet. Die Trauben werden im Weingut direkt abgepresst, der Most anschließend im Stahltank angegoren. Dann wird er ins Barrique gelegt. Keine Malo. Die Fässer sind zu 25 Prozent neu. Es ist das Holz von Michel Tardieu. Der Wein verbleibt für fünf Monate in den Fässern, keine Bâtonnage. Nach insgesamt sechs Monaten wird er schon auf die Flasche gezogen. Dieser Galopine ist auch eine Grundlage für Michel Tardieus Nobles Origines. Das ist mit das Beste, das man an sogenannten »kleinen Weißen« an der Südrhône finden kann. Die Nase wird dominiert von der weißen Marsanne. Also weißer Pfirsich, weiße Blüten, Jasmin und weißer Flieder. Sehr duftig! Dahinter noch weiße Birne, alles auf weißer Frucht laufend, aber mit schöner Intensität. Kreide und Kalkstein dahinter, so harmonisch! Ein bisschen wie ein großer Weißburgunder aus der Pfalz. Im Mund zupackend und hochintensiv. Gestein, Kreide, Salz und eine wunderschöne pfeffrige Schärfe dominieren den Wein. Ein wenig kommt die hocharomatische Viognier durch. Der Wein zeigt Fülle, Cremigkeit und Länge, aber trotzdem eine geniale Frische. Er steht für Minuten und hört gar nicht wieder auf. Was für ein Schnäppchen in diesem Preisbereich. Never-Ending-Story und ein großer Weißwein der Südrhône, den man in dieser Klasse eher selten findet. Unendlich schicker Stoff mit cremiger Fülle, reichlicher weißer Frucht und Blütenduftigkeit. Der Wein hat das Zeugt, ein Star unter den Weißweinen der Südrhône zu sein. Zumindest in diesem unglaublichen Preisbereich. 94-95/100

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.