Seguin

Cuvee Denis Darriet "Goutte Rouge" 2016

Neu

100+
100
2
Cabernet Sauvignon 51%, Merlot 49%
5
rot
14,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2060
Verpackt in: 6er OHK
3
Lobenberg: 100+/100
Gerstl: 20/20
6
Frankreich, Bordeaux, Pessac Leognan
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Cuvee Denis Darriet "Goutte Rouge" 2016

100+
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Lobenberg: Das Chateau Seguin liegt am Rande des Stadtteils Pessac, gerade außerhalb der Rocade, also noch im Stadtgebiet von Bordeaux. Das Terroir ist identisch mit den Böden von Haut Brion, La Mission und Carmes Haut Brion, uraltes Schwemmland der Gironde, ähnlich den Böden der Top-Appellationen des Medocs. Eine tiefe Kieslinse mit Silikaten und kalkhaltigem Lehm, hier und da durchzogen von mineralhaltigen Schwemmsänden. In historischen Weinbüchern des neunzehnten Jahrhunderts werden die Weine von Chateau Seguin qualitativ auf einer Stufe mit denen von Haut Brion genannt. In den Wirrungen und Irrungen der Weltkriege des frühen zwanzigsten Jahrhunderts geriet dieser historisch belegte Anspruch in Vergessenheit, das Eigentum wechselte häufig und schließlich waren die 30 Hektar ehemaliger Weinberg eine unberührte Brache. Das hat auch eine gute Seite, die Böden konnten sich regenerieren und die unwissend wirren Herbizid- und Pestizidbehandlungen der 50er bis 80er Jahre blieb ihnen erspart. Erst in der zweiten Hälfte der 80er konnte der wohlhabende Land- und Immobilienkaufmann Darriet, ein gelernter Geologe und Bodengutachter, das nie ganz in Vergessenheit geratene Kleinod von 30 Hektar von mehreren Besitzern zusammenkaufen. Er konnte sich 1987 den unerhörten Luxus leisten, das quasi wieder jungfräuliche Rebland nach geologischen Erkenntnissen (er nahm unzählige Bodenproben auf tiefen Bohrungen) neu zu bestocken. Perfekte Unterlagsreben und Selektion Massale und Klone nach dem damaligen neuesten Wissensstand. Und Dichtpflanzung von 7000 bis 10000 Stöcken je Hektar und den Ertrag pro Stock zu minimieren. 60% Cabernet und 40% Merlot. 1995, passend zu den ersten kommerzialisierten Jahrgängen, stieg der Sohn des Hauses, Denis Darriet, als Regisseur in das elterliche Weingut ein. Denis war Feinmechaniker, Ingenieur und Kunsthandwerker in Paris, er liebt präzise Details und analytisches Arbeiten. Das Weingut teilte er demzufolge auf in 30 Parzellen leicht unterschiedlicher Böden und Rebzusammensetzungen, alle werden separat vinifiziert. Und er war und ist ein großer Freund der umweltschonenden Weinbergs- und Kellerarbeit, das Chateau ist inzwischen in vollständiger Konversion zur Bio-Zertifizierung. Der französische Umwelt-Level 3 wurde schon vor langer Zeit verliehen, aber der vollständige Umstieg von Phosphon auf Kupfer gegen Pilzbefall wird wegen des hiesigen hohen Mehltau-Drucks (die feuchtigkeitsspeichernden Kies-Lehmböden sind da sehr gefährdet, die Biodynamiker Chateau Pontet Canet und Smith Haut Lafitte auf sehr ähnlichem Terroir können unglückliche Lieder davon singen, in schwierigen Jahren muss man täglich Kupfer spritzen, Phosphon dagegen selten) immer wieder mal verschoben oder gar ausgesetzt. Auch unter deutschen Biowinzern ist das auf Druck der Südeuropäer erst vor kurzer Zeit erteilte Verbot von Phosphon in der Bioausrichtung sehr umstritten, bis heute ist es unklar ob die Organismen im Boden oder die Konsumenten mehr von Kupfer oder Phosphor geschädigt werden oder gar von beidem nicht nennenswert. Inzwischen hat Denis auch den önologischen Berater gewechselt. Der sattsam bekannte Önologe und Biowinzer Stephan Derenoncourt, der ja auch die Domaine de Chevalier und viele Superstars Saint Emilion betreut, zeichnet nun verantwortlich. Chateau Seguin erzeugt nach vielen Experimenten und Versuchen inzwischen 5 verschiedene Weine. Schon immer als Hauptwein »Chateau Seguin«. Dann auch von Beginn an eine etwas abgelegenere und von Fremdspritzungen ungefährdete Parzelle (gleiches Terroir und Rebsorten) komplett in Bio, die nach der Straße benannte »Cuvée de la House«. Als qualitative Abstufung kommt von einigen sandigeren Teilen der Zweitwein „L’Angelot“, eigentlich die gleiche Qualität wie der Erstwein aber etwas feiner und eleganter, eben Sandböden. Vom reinen schweren Lehm-Kalkboden kommt der schwerste und üppigste Wein des Hauses, Denis »Grand Cru«, nur 2000 Flaschen aus nochmal dramatisch ertragsreduzierten Reben (60 % Cabernet und 40% Merlot – spontan vergoren im Beton und Ausbau 24 Monate in 100% neuem französischen Barrique) und nur in großen Jahren erzeugter »Confidence«. Mit Ansage von Denis offizieller Wettbewerber gegen Chateau Haut Brion. Üppig, reich, intensiv, 2018 und 2019 kann man durchaus in den Wettbewerb mit Haut Brion schicken. Eine weitere Mikro-Cuvée, ebenfalls nur 2000 Flaschen, kommt aus einer weiteren Parzellenselektion während der Gärung. Hier geht es mehr um den Wettbewerb und die Charaktereigenschaften des feineren La Mission Haut Brion. Auch der Unico von Vega Sicilia und die Tondonia Gran Reserva waren Vorbild. 2016 erst gelang Denis hier die Perfektion, alle Vorjahre der zwei Mikrovinifikationen reichten ihm nicht, sie gingen dann unter in der großen Menge des Seguin. Aber 2016 war der Stolz des Hauses endlich geboren, die sehr simpel »La Goutte Rouge« getaufte Cuvée Denis Darriet. Kein Cabernet Franc, sondern nur 50/50 Cabernet Sauvignon und Merlot. Die reife Cabernet Sauvignon dominiert aber total. Dieser Wein wird in einer etwas anderen Cépage als der Hauptwein zusammengestellt, ähnlich vinifiziert, aber viel länger im neuen Holz ausgebaut, Barrique und Tonneau, 3 Jahre Fass. Was unterscheidet diesen Wein nun vom normalen Seguin 2016? Durch den deutlich längeren Ausbau ist er trotz neuen Holzes klar weicher und weiterentwickelt, dabei fast drastisch fein und elegant, seidig schwebend. Gleichzeitig ist dieser 2016er aus Denis Parade-Jahr so unglaublich intensiv und aromatisch. Leichtfüßig und superkonzentriert zugleich. Im Charakter total auf La Mission laufend, dieser genial sandig feine Fluss, Sanddorn und Orangenschale auf roter Kirsche, auch konzentrierter Schwarzkirsche und reifer Zwetschge. Tolle Holzstütze dahinter, feinste Nuss und Kokosschale, Pinien, Moschus, aber so perfekt wie selten gerochen. Eingekochte, sehr reife Brombeere, fette Maulbeere, Cassis, Löffelbiskuit, heller Tabak, Walnuss. Genial in allen Einzelteilen. Schmeichelnd und zugleich unglaublich tief und reich, atemberaubend in der aromatischen Finesse, im intensiv fruchtigen Druck und verblüffender Intensität. Im Trinkfluss kommt erst ein aromatischer Intensitätspiek, dann geht es wieder runter und er verbleibt dann immens mineralisch und unendlich lang auf diesem Level aromatischer und dennoch finessereicher Eleganz. Habe ich schon oft einen besseren Wein aus Pessac Léognan probiert? Ich glaube nicht, ich bin hin und weg. Wer einen schon einigermaßen trinkreifen aber immer noch jugendlichen, sehr opulenten La Mission Haut Brion oder eher noch einen stylischen, fast kalifornischen Carmes Haut Brion mit perfektem Neuholzeinsatz und typischem, fast brachialen Fruchtdruck zu einem Drittel des Preises bei gleicher Qualität probieren möchte: here we are! Zurücklehnen und träumen. Wer hier nicht wie ich völlig geflasht und positiv überwältigt ist, für den ist Bordeaux das falsche Gebiet. Stilistisch und von der Klasse zwischen Shafers Hillside-Select, Dominus Estate und La Mission Haut Brion angesiedelt. Großer sinnlich feiner und zugleich brutal intensiver Frucht-Traumstoff! 100+/100

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Gerstl über: Cuvee Denis Darriet "Goutte Rouge"

-- Gerstl: Eine geballte Ladung himmlische Frucht steigt in die Nase, reich konzentriert, beeindruckend, beinahe opulent und trotzdem wirkt das superzart, superelegant, unglaublich spielerisch und atemberaubend tiefgründig. Ein Mund voll himmlische Aromen gleich zum Auftakt, da sind Tannine wie Samt und Seide, das ist ein zutiefst berührendes Weinerlebnis, dieser sinnliche Gaumenschmeichler ist beladen mit himmlischen Aromen, es ist beinahe ein kleines Monster von Wein und doch kommt er sagenhaft leichtfüssig daher, ein wahres aromatisches Feuerwerk und doch bleibt es verspielt, beeindruckend aber alles Andere als aufdringlich, immer leichtfüssig tänzelnd, das ist pure Sinnlichkeit, ein einzigartiges Meisterwerk der Natur. 20/20

Mein Winzer

Seguin

Der im letzten Jahrhundert bekanteste Weinführer »Cocks an Feret« lobte das damals im Besitz der Familie Pascal befindliche Château in den höchsten Tönen: »the highest part of the commune, with magnificent gravely rises producing full-bodied, elegant wines similar of those of Haut-Brion«. Besitzer...