Lobenberg: Clos St Jean, Rayas und Pegau sind in der Regel die Domaines, die als allerletztes ernten im Ort. Wenn diese drei fertig sind, werden die Bordsteine hochgeklappt und die Kellerarbeit beginnt, niemand ist mehr draußen. Das ist der Style des Hauses. Seit Jahrgang 2022 werden alle Weine bei Clos Saint Jean komplett spontan vergoren, es gibt keinen Hefezusatz mehr. Das gibt den Weinen nochmal einen Tick mehr Komplexität und Eigenheit. Immer rund zwei Drittel aus über 100 Jahre alter Grenache von La Crau, Nordteil, mehr roter Lehm gibt Tannin, Kraft, einfach Power. Dazu noch rund ein Drittel über 60 Jahre alte Mourvedre. Komplett entrappt, Ausbau im neuen Holz von 600 Litern. Deus ex Machina wächst in exakt derselben Lage wie Combe des Fous, der Boden ist ähnlich, aber Combe de Fous sitzt im Süden auf etwas mehr sandigem Anteil, also etwas feiner. Deus hat mehr roten Lehm und damit mehr Power, zudem ist die Cepage hier anders mit nur zwei Sorten. Zwei Sortierdurchgänge im Weinberg und nochmal zwei in der Domaine. Also vier Durchgänge der Selektion, das ist schon extrem. Die letzte Sortierung nimmt die Entrappungsmaschine vor, also topreife, total cleane Beeren. Deus ex Machina hat diese caviar-artige Beerenselektion, die man wirklich schmecken kann. Der Wein ist so drückend intensiv und gewaltig konzentriert. Eine Orgie, die in Wellen aus dem Glas schwappt. Der Deus ist der Blockbuster des Hauses, weil er mit diesem hohen Mourvedre-Anteil immer der würzigste, wuchtigste und üppigste Wein der Domaine ist. Das Jahr 2023 ist 2022 nicht unähnlich, es hat einen ähnlichen provencalischen Charakter, mit enormer Fruchtstärke, sehr zugänglich und doch hochkonzentriert. Aber 2023 ist etwas legerer und leichtfüßiger, 2022 braucht mehr Zeit, 2023 zeigt direkt mehr. Der Deux 2023 scheint mir deutlich eleganter zu sein als der 2022er, der unglaublich reich war. Er wirkt, zumindest im Jungstadium, deutlich feiner und duftiger, mit süßen Veilchen, süßer schwarzer Olive, Süßholz und Bleistiftabrieb, blühender Thymian und dunkle Valrhonaschokolade, die sich auch in den Mund zieht. Wir haben schon eine Reichhaltigkeit in diesem 2023er, eine tiefe Substanz. Aber er ist eleganter und terroirgeprägter als der sehr charmante Combe des Fous. Normalerweise braucht der Deus immer etwas länger Zeit als der Combe, allerdings ist 2023 auch beim Deus so wunderbar fein, dass er schon in der Jugend ähnlich zugänglich ist wie der Combe des Fous.