Clos Hédoné Grand Cru 2022

Clos Hédoné Grand Cru 2022

Holzkiste

Zum Winzer

96–98
100
2
Merlot 78%, Cabernet Franc 22%
5
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2048
Verpackt in: 12er OHK
3
Lobenberg: 96–98/100
Gerstl: 19/20
6
Frankreich, Bordeaux, Saint Emilion
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Clos Hédoné Grand Cru 2022

96–98
/100

Lobenberg: 78 Prozent Merlot und 22 Prozent Cabernet Franc. 35 Hektoliter pro Hektar Ertrag. Es gibt maximal 10.000 Flaschen von diesem Winzlingsweingut, in der Regel aber nur 7.000 bis 8.000, so auch 2022. Der Alkoholgehalt liegt bei 14,5 Volumenprozent. Die Nase des 2022er geht einfach nochmal einen Step über die der genialen Jahrgänge 2019 und 2020 hinaus. Unglaublich dicht, reich und super weich. Satte Schwarzkirsche und Lakritze, aber nichts Drückendes, Aggressives, sondern super fein. Blaubeeren dazu mit hoher Intensität, auch schwarze Erde und eine satte Veilchennote. Das Ganze bleibt aber unglaublich spielerisch. Reich, dicht, fast dick und dabei total verspielt. So eine Art Château L’Évangile aus Saint-Émilion in der Nase. Faszinierend! Für einen so bezahlbaren Wein ein so unglaublicher Schliff. Die Schwarzkirsche setzt sich immer mehr durch, aber es bliebt spielerisch trotz der Reichhaltigkeit. Dann kommt der Mund: Wir erleben keinen Wechsel, aber eine Präzisierung. Die Schwarzkirsche wird unterlegt von roter Johannisbeere, von Sauerkirsche, sie bekommt rote Flügel und einen roten Teppich darunter. Superfeine, geschliffene, polierte Tannine. Tänzelnd das Ganze, mit salziger Länge. Der Wein verbleibt erstaunlich lange auf der Zunge. Die Zungenspitze, die Ränder – alles wird belegt. Clos Hédoné tritt 2022 ohne Zweifel in eine neue Dimension ein. Trotzdem ist es jetzt kein Riese. Das ist nicht gleichauf mit den entfernteren Nachbarn La Voute oder Tertre de la Mouleyre. Aber es ist durchaus in einem extrem gehobenen Bereich von Saint-Émilion angesiedelt. Vor allem, weil es so eine hervorragende pikante Balance aufweist, mit roter und schwarzer Frucht, mit Säure und Frische, mit dieser spielerischen Eleganz. Jungs wie Christophe und Arnaud sind sicherlich ein Teil der biologisch arbeitenden Zukunft in Saint-Émilion. 96-98/100 *** Clos Hédoné ist ein 1,5 Hektar Winzling, der dem Kellermeister von Guillot Clauzel, Arnaud Lagardère, und dessen Freund Christophe gehört. Die durchschnittlich 25 Jahre alten Reben werden in reiner Handarbeit nach dem Feierabend von ihm gepflegt werden. 6.000 Stöcke pro Hektar. Biologische Bearbeitung, komplette Begrünung. Die Reben sind 10 bis 15 Jahre alt. 2019 wurden diese anderthalb Hektar das erste Mal aus der Kooperative herausgelöst und separat vinifiziert. Insgesamt gibt es nur 5.000 Flaschen. Der Ausbau geschieht in Barriques aus dem Burgund, die Hälfte davon ist neu. Abgefüllt wird der Wein in eine der ursprünglichen Bordeauxflaschen, die es aber ab dem 20. Jahrhundert nicht mehr gab wegen Verpackungsproblemen – sie ist etwas gedrungener, etwas knubbeliger.

Jahrgangsbericht

2022 hatte den trockensten Sommer in Frankreich seit Beginn der Aufzeichnungen und war insgesamt das heißeste Jahr seit 1947. Nicht so extrem und plötzlich heiß wie 2003, eher harmoniefördernd gleichmäßig warm und eben sehr trocken. Nachdem im November und Dezember 2021 satt Regen fiel, blieb es in den Folgemonaten trocken und warm. Die Reben konnten sich also bei gleichmäßiger Blüte langsam an die Trockenheit gewöhnen. Die Terroirs mit den besten Wasserspeicher-Eigenschaften und den sehr tief wurzelnden alten Reben konnten das Wasser-Reservoir des Winters und Frühjahrs nach früher und sonniger Blüte relativ problemlos durch den trockenen Sommer nutzen. Regen gab es erst wieder im Juni und dann in der zweiten Augusthälfte mit 30 bis 50mm. Danach blieb es sonnig und trocken mit einem langen »Indian Summer« bis weit in den Oktober und sogar November. Jeder konnte auf den perfekten Erntezeitpunkt warten, zumal es dank sommerlicher Stillstände keinen Zucker-Alkoholdruck gab. Wer mit alten Reben und perfekten Terroirs dann noch verschont wurde vom jährlich zunehmendem April-Frost und vom allzu häufigen Hagel des Frühsommers, konnte sich gerade als biologisch arbeitender Winzer über das, ob des Klimas, vollständige Ausbleiben von Fäulnis und Pilzkrankheiten freuen. Niemand musste auch nur irgendwas spritzen. Für Bio-Winzer mit alten Reben und superbem Terroir war 2022 ein so noch nie erlebtes, perfektes Jahr, zumal man sich über die vergangenen 10 extremen Jahre an die besser angepasste Laub- und Bodenarbeit gewöhnt hatte. Saint Emilions und Castillons Kalksteinfelsen, Pomerols und Fronsacs Lehmböden und die dicken Kieslinsen des Medocs hatten bei sehr altem Rebbestand bis auf den Malus kleinerer Erträge kaum Sorgen. Weniger, aber ein überragend intensiver Saft aus kleinen, dickschaligen, kerngesunden Beeren. Aromatisch frischer Most, tiefes und zugleich delikates Tannin, dazu eine überragende Balance. Junge Reben und sandige Böden litten allerdings extrem, da gab es hier und da schon desaströse Ergebnisse. Besonders profitiert haben, neben den o.g. perfekten Böden dazu am linken Ufer, die in sehr nassen Jahren benachteiligten Fluss- und Ufernahen Terroirs des Medocs, des nördlichen Haut Medocs und Saint Estèphes. Die meisten Winzer vergleichen 2022 mit 2018, allerdings war 2022 überwiegend noch deutlich konzentrierter und reicher in der Frucht, vibrierender, cremiger und trotz der extremen Reichhaltigkeit erstaunlich frisch, seidig und harmonisch, das erinnert auch an das Traumjahr 2016. 2022 ist nicht so extrem pikant wie das Hammerjahr 2019 und nicht ganz so tänzelnd finessenreich wie der 2020er. Winzer mit langer Erfahrung sprechen eher von einer deutlich perfekteren Reinkarnation der Jahrgänge 1982, 1961 und 1949. Jean-Philippe Janoueix, eine Instanz am rechten Ufer und Besitzer vieler Châteaux in Pomerol, Saint Emilion und Castillon sagt: »2022 is the more concentrated version of 2018. With deep acidity and rich, soft masses of tannin, 2022 is the much better and long-lived resurrection of the great 1982 and 1961.« Und das mit größerem Know-how, optimaleren Weinstöcken, niedrigeren Erträgen je Stock, besserer biologischer Weinbergsarbeit, dramatisch präziserer Selektion vor der Kelter (Laser und Wasserbad) und einer kenntnisreicheren Kellertechnik als vor vierzig Jahren. Ohne Zweifel ist 2022 also ein historischer Jahrgang. Fakt ist, dass trotz der wohl berechtigten Jubelschreie der allerbesten Winzer das Jahr 2022 auf Kante genäht ist. Junge Reben und nur mittelgute und schwächere Terroirs, und das ist nun mal mit Abstand der Großteil des Bordelais, haben in nassen und noch mehr in solch trocken-heißen Jahren ganz schlechte Karten und üble Zukunftsaussichten. Und leider werden die Jahre trotz einiger, klassischer Ausnahmen wie das Bordelaiser »Normaljahr« 2021 im Schnitt immer extremer. Die wenigen, strahlenden Topwinzer der Appellationen glänzen ob der extraterrestrischen Qualitäten mehr denn je, die große Masse bleibt auf der Strecke. Die Spitze der Pyramide wird noch schmaler und zugleich noch höher. 2022 ist für die Superstars jeder Appellation ein so noch nie dagewesener Qualitätstraum, aber wo soll das für die breite Basis enden? Spanien findet den Ausweg aus den immer extremeren klimatischen Wetterkonditionen in 800 bis 1200 kühlen Höhenmetern, aber wie sieht – neben den weiter vorwärts stürmenden Superstars – die Zukunft des Bordelaiser »Normalwinzers« auf NN aus?

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Gerstl über: Clos Hédoné Grand Cru

-- Gerstl: Der Clos Hédoné strahlt enorm viel Charme aus mit seiner gewaltigen Fruchtfülle und der herrlichen Frische. Viel schwarze Kirsche, Brombeere, Holunder, aber auch rotbeerige Aromen von Johannisbeere und Himbeere. Man riecht die Reife des Jahrgangs, die viel Kraft und Tiefgang in sich birgt. Trotz seiner Fülle hat der Clos Hédoné auch eine wunderschöne Eleganz, die ihm seine delikate Leichtigkeit verschafft. Unglaublich saftig und lebendig am Gaumen. Herrlich, wie die Säure die Frische und den tänzerischen Charme in den Wein zaubert. Perfekt ausbalanciert, was bei der Intensität von fruchtigen Aromen absolut beeindruckend ist. Kraftvoll bis ins langanhaltende Finale, ohne dabei seine Noblesse zu verlieren. Was für ein Hochgenuss! (pb) 19/20

Mein Winzer

Clos Hédoné

Clos Hédoné ist ein 1,5 Hektar Winzling, der dem noch jungen Kellermeister von Guillot Clauzel, Arnaud Lagardère, und dessen Freund Christophe Pavageau gehört. Kalkstein mit leichter Sand-Lehm Auflage, bestes Terroir. Spezielle Reben aus einer Selektion Massale, die in reiner Handarbeit nach dem...

Clos Hédoné Grand Cru 2022